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Deutsche Bank und Commerzbank Spekulationen um Fusion schieben deutsche Bankaktien kräftig an

Treibt die Regierung eine Fusion voran? Gerüchte über einen Zusammenschluss befreien Deutsche Bank und Commerzbank von ihrer Kursmisere.
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Die Aktie des größten deutschen Geldhauses legte am Mittwoch stark zu. Quelle: imago/blickwinkel
Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt

Die Aktie des größten deutschen Geldhauses legte am Mittwoch stark zu.

(Foto: imago/blickwinkel)

Frankfurt Spekulationen über einen möglichen Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank haben die zuletzt stark gesunkenen Aktienkurse beider Institute beflügelt. Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank schnellten um mehr als fünf Prozent nach oben – am Donnerstag legten sie weiter zu.

Auslöser für die Rally war ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, wonach die Bundesregierung ihre Bemühungen intensiviere, zur Lösung der Probleme bei der Deutschen Bank beizutragen, und dazu auch Möglichkeiten ins Visier nehme, eine Fusion mit der Commerzbank zu erleichtern. Konkret nannte Bloomberg Überlegungen, wie steuerliche Nachteile einer Fusion abgemildert werden könnten.

Deutsche Bank, Commerzbank und Bundesfinanzministerium nahmen zu dem Bericht nicht Stellung. Die Deutsche Bank verwies allerdings auf frühere Aussagen Sewings, wonach innerhalb der nächsten 18 Monate keine großen strategischen Maßnahmen geplant seien.

Bei der von der Nachrichtenagentur ins Spiel gebrachten steuerlichen Entlastung geht es allerdings um ein Problem, das tatsächlich als wichtiges Fusionshindernis gilt: Bei einer Fusion müssten beide Banken all ihre Bilanzposten neu zu aktuellen Marktpreisen bewerten.

Das wäre vor allem für die Commerzbank ein Problem, die noch immer einen großen Posten an italienischen Staatsanleihen besitzt und diese Wertpapiere deutlich über ihren aktuellen Marktwerten bilanziert. Eine Neubewertung würde zu hohen Belastungen führen, ist zu hören.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz selbst hatte im Sommer deutlich gemacht, dass er sich starke Banken in Deutschland wünscht und dass er dazu auch Industriepolitik für die Finanzbranche betreiben will. Das hatte direkt zu Spekulationen geführt, der sozialdemokratische Finanzminister könne eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank forcieren.

Zu dieser Frage aber schweigt Scholz eisern, wie es sich für einen Finanzminister gehört. Es ist allerdings plausibel anzunehmen, dass man sich im Bundesfinanzministerium sehr wohl mit der Frage beschäftigt. Angesichts der Lage der beiden Geldinstitute werde natürlich auch in der Bundesregierung über mögliche Szenarien diskutiert, heißt es in Berlin. Alles andere sei unverantwortlich.

Scholz und sein Finanzstaatssekretär Jörg Kukies sollen auch immer mal wieder mit Vertretern der beiden Geldhäuser in Kontakt sein. Allerdings wird in Berlin der Eindruck zurückgewiesen, dass kurzfristig in Sachen Fusion Entscheidungen fallen könnten. Vielmehr dürfte es bei den Gesprächen und Planspielen darum gehen, auf mögliche Eventualitäten vorbereitet zu sein.

Dazu könnte der Fall gehören, dass sich bei der Deutschen Bank die Krise verschärft. Oder dass ein ausländischer Konkurrent versucht, eine der beiden Banken zu übernehmen. Schließlich würde das die jeweils andere deutsche Bank in Zugzwang bringen, da ihr am Heimatmarkt starke Konkurrenz erwachsen würde. Für solche Fälle, darf man annehmen, will die Bundesregierung gerüstet sein.

Auch im Umfeld der Banken wurden die Spekulationen am Mittwoch heruntergespielt. Bloomberg berichtete, dass sich die Gespräche in einem explorativen Stadium befänden und es auch andere Alternativen gebe.
Finanzkreisen zufolge gelten Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und Commerzbank-Chef Martin Zielke zwar als grundsätzlich offen für eine Fusion. Doch während Zielke sich ein Zusammengehen zeitnah vorstellen könne, sei Sewing zögerlicher.

Der Vorstandschef der Deutschen Bank wisse, dass er bei der aktuellen Bewertung seiner Bank seinen Aktionären eine Fusion kaum vermitteln könne, hieß es bereits vor einigen Monaten. Auch die Integration der Postbank ins Privatkundengeschäft der Deutschen Bank sei auf der IT-Seite noch lange nicht abgearbeitet, ist in Finanzkreisen zu hören. Zudem gibt es bei der Bankenaufsicht Vertreter, die eine Fusion erst zu einem späteren Zeitpunkt für sinnvoll halten.

Die einzige Option ist die Commerzbank als Fusionspartner aus Sicht der Deutschen Bank ohnehin nicht. Intern spielt das Geldhaus jedenfalls nicht allein ein Zusammengehen mit dem deutschen Geldhaus theoretisch durch. Bei einer Strategiesitzung im September hatte das Institut Finanzkreisen zufolge auch Szenarien beleuchtet, welche Auswirkungen Fusionen mit europäischen Wettbewerbern hätten.

Für die gebeutelten Aktien der beiden Institute waren die Spekulationen auf jeden Fall belebend. In dieser Woche hatten die Aktien beider Institute neue Tiefstände ausgelotet. Die Aktien der Deutschen Bank waren am Montag bis auf 7,24 Euro gerutscht, den niedrigsten Kurs aller Zeiten. Die Anteilsscheine der Commerzbank hatten am Mittwochvormittag mit 6,38 Euro ein Jahrestief erreicht.

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1 Kommentar zu "Deutsche Bank und Commerzbank: Spekulationen um Fusion schieben deutsche Bankaktien kräftig an"

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  • Unfähig und ohnmächtig, - der Aufsichtsrat.
    Seit mehr als10 Jahren bin ich Aktionär der Deutschen Bank und Commerzbank und habe alle mir offenen Kapitalerhöhungen mitgemacht.
    Der Aktienchart der letzten 10 Jahre zeigt dann auf, wie dumm ich war und was bei all dem Gerede der Verantwortlichen (nur Schall und Rauch) in der Sache übrigblieb. Die ehemalige Marktkapitalisierung der Deutschen von ca. € 60 Mrd. wurde zur Gänze vernichtet und nachfolgende Kapitalerhöhungen von € 32,8 Mrd. halbiert! (Dieses Verhältnis zeigt sich bei der Commerzbank noch schlimmer.)

    Sechs Razzien, sechs Kapitalerhöhungen, 5 Vorstandsvorsitzende und einen daraus resultierenden, zerschmetterten Aktienkurs innerhalb von 10 Jahren. Folglich ein globales Ranking am Rande des Horizontes, bei Boni orientierter Motivationskultur mit der Hauptidee, logisch monetär, die Erträge zu steigern, was bisher nie klappte und keine Kunden begeistert.

    Das ist für mich die Verantwortung des AUFSICHTSRATES, der obersten Macht- und Strategiehoheit. Doch dieser, in seiner Denkart stets rückständig, erkennt noch immer nicht, dass die beschleunigte Digitalisierung und KI in ganz wenigen Jahren die allermeisten Aufgaben in der Finanzbranche besser erledigt, als Heerscharen von kostspieligen Angestellten, die sich mittlerweile gegenseitig überwachen müssen. Eine Fusion mit der Commerzbank wäre nur ein „too big to fail“- Schutz und keine Gesundung dieser Patienten.
    Ich wage diesen Kommentar aus meiner Eigenerfahrung als Aktionär dieser Banken, die mich sehr viel mehr als ein Vermögen kosteten und die bisher teils nach dem Prinzip Hoffnung agierten, also in Ohnmacht.

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