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Deutsche Börse Commerzbank fliegt aus dem Dax, Wirecard steigt auf

Die Commerzbank ist ab dem 24. September nicht mehr im Dax vertreten. Dem Institut wiederfährt damit ein ähnliches Schicksal wie der Deutschen Bank.
Update: 05.09.2018 - 23:17 Uhr Kommentieren
Die Bank steigt aus dem Dax ab. Quelle: dpa
Commerzbank-Zentrale in Frankfurt

Die Bank steigt aus dem Dax ab.

(Foto: dpa)

Frankfurt, New YorkEs ist ein Zeichen der Zeit: Die Commerzbank verliert nach 30 Jahren ihre Position im DAX. Das teilte die Deutsche Börse am Mittwochabend mit. Die Commerzbank gehörte zu den Gründungsmitgliedern des deutschen Leitindex, der die 30 größten börsennotierten Unternehmen abbildet.

Ersetzt wird das Institut durch den Münchener Zahlungsdienstleister Wirecard, dessen Aktienkurs sich in diesem Jahr fast verdoppelt hat. Das Papier der Commerzbank dagegen verlor rund 34 Prozent an Wert.

Die Commerzbank wird ab dem 24. September, wenn die Änderungen in Kraft treten, im M-Dax gelistet sein. Beobachter gehen davon aus, dass der Abstieg aus der ersten Börsenliga den Aktienkurs weiter unter Druck bringen wird. Viele Großinvestoren und vor allem passive Indexfonds (ETFs) orientieren sich eng an der Zusammensetzung der Börsenindizes. ETFs bilden die Börsenbarometer strikt nach, statt ausgeklügelte eigene Anlagestrategien zu verfolgen und müssen die Papiere der Bank daher verkaufen.

17 ETFs mit einem Anlagevolumen von insgesamt knapp 18 Milliarden Euro folgen derzeit dem Dax. Laut LBBW-Analyst Uwe Streich verkaufen ETFs in so einem Fall typischerweise 24 bis 48 Stunden vor der Indexumstellung ihre Papiere. Aus der Gewichtung der Commerzbank-Aktie im Dax von derzeit 0,85 Prozent geht hervor, dass am 20. und 21. September knapp 17 Millionen Anteilsscheine aus den Portfolios der ETFs den Markt fluten würden.

Streich hat berechnet, dass europäische Aktien, die seit dem Jahr 2000 einen bedeutenden Benchmark-Index verlassen mussten, zwischen Bekanntgabe und Umsetzung der Entscheidung im Mittel rund drei Prozent ihres Wertes eingebüßt haben. Und zwar zusätzlich zu dem Kursverlust von im Schnitt 5,6 Prozent, die sie bereits im Monat vor dem Prüftermin durchschnittlich erlitten hatten.

Der Dax-Abstieg würde bei der Commerzbank aber zumindest teilweise dadurch ausgeglichen, dass sie in den MDax für mittelgroße Werte rutscht und dort von den entsprechenden Index-Fonds aufgenommen werden muss.

Commerzbank setzt auf Digitalisierung

Dem Institut wiederfährt damit ein ähnliches Schicksal wie der Deutschen Bank. Deren Position im Dax war zwar nicht gefährdet. Doch sie wird ab dem 24. September nicht mehr im Euro Stoxx 50 vertreten sein, der die wertvollsten Unternehmen der Euro-Zone abbildet.

Beide Banken befinden sich mitten in einer Restrukturierung. Während amerikanische Banken zehn Jahre nach der Finanzkrise zu alter Stärke zurückgekehrt sind, haben die deutschen Institute noch einen weiten Weg vor sich. Der Aktienkurs der Deutschen Bank ist seit dem Höchststand 2007 um rund 90 Prozent eingebrochen. Bei der Commerzbank hat seit 2007 sogar 97 Prozent an Wert verloren und musste teilverstaatlicht werden. Der Staat hält aktuell einen Anteil von 15,45 Prozent am Gesamtkonzern.

Commerzbank-Chef Martin Zielke hat angekündigt, 9600 Stellen zu streichen und rund 80 Prozent der Prozesse zu digitalisieren. Im Kundengeschäft setzt die Bank auf Wachstum, um die Belastungen durch die niedrigen Zinsen und den Margendruck im umkämpften deutschen Heimatmarkt wettzumachen. Doch bisher konnte das Geldhaus nicht zeigen, dass diese Strategie aufgeht.

Im Privatkundengeschäft will die Bank von Oktober 2016 bis Ende 2020 mindestens zwei Millionen neue Kunden gewinnen. Rund 800.000 hat sie inzwischen an Bord. Doch es gibt innerhalb und außerhalb des Geldhauses große Zweifel, ob es mit ihnen auch deutlich mehr verdienen kann. Die Erträge, die das Institut mit einem Neukunden im ersten Jahr im Schnitt eingefahren hat, sind von 2015 auf 2017 um über 30 Prozent gefallen. Im Firmenkundensegment ist der Gewinn im ersten Halbjahr eingebrochen.

Innerhalb der Commerzbank wachsen bei einigen deshalb die Zweifel, ob Zielkes Strategie in ihrer derzeitigen Ausgestaltung aufgeht. Analysten gehen davon aus, dass die Bank ihr für 2020 ausgegebenes Ertragsziel von 9,8 Milliarden Euro verfehlen wird.

Zielke bat vergangene Woche auf der Handelsblatt-Banken-Tagung um Geduld. „Sind wir schon da, wo ich gerne hin möchte? Natürlich nicht“, räumte der Vorstandschef ein. Doch der Umbau einer fast 150 Jahre alten Traditionsbank sei nun mal schwieriger als die Ausrichtung eines Start-ups. „Wenn Sie eine so grundlegende Veränderung im Geschäftsmodell machen, dann geht das nicht von heute auf morgen.“

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