E-Autobauer: Tesla-Aktie bricht erneut ein – das sind mögliche Gründe
Der Autobauer wurde nicht in den breit angelegten Aktienindex S&P 500 aufgenommen. Das enttäuschte Investoren.
Foto: ReutersDie Aktie fiel gut dreimal so stark wie Titel von Amazon, Apple, Facebook oder Google-Mutter Alphabet, deren Aktien nach Monaten einer Hausse abverkauft werden, und war am Dienstag das Schlusslicht im technologielastigen Nasdaq-Index. Er gab vier Prozent auf 10.847 Punkte nach, der breite Index S&P 500 büßte 2,8 Prozent auf 3331 Punkte ein, der US-Standardwerteindex Dow Jones schloss 2,3 Prozent tiefer auf 27.500 Punkten.
Tesla-Titel sackten ab, nachdem der Indexbetreiber S&P Dow Jones dem Elektroautobauer am Freitag die erwartete Aufnahme in den S&P 500 verwehrt hatte. Der Indexanbieter gab Firmen mit deutlich geringerem Börsenwert, aber häufigeren Quartalsgewinnen den Vorzug.
Seit ihrem Kurshoch Anfang September hat die Tesla-Aktie damit mehr als 30 Prozent ihres Wertes verloren, allein am Dienstag sank die Marktkapitalisierung des E-Auto-Pioniers auf einen Schlag um 82 Milliarden Dollar. Allerdings gilt die Tesla-Aktie als volatiler Wert mit vielen Höhen und Tiefen. So hatte das Unternehmen erst Ende August an einem einzigen Tag seinen Wert um insgesamt 52 Milliarden Dollar steigern können.
Warum S&P Dow Jones den Titel nicht in den wichtigen Index aufnahm, hat das Unternehmen bisher nicht begründet. Für die Aufnahme in den S&P 500 spielt allerdings eine Rolle, ob das Unternehmen Gewinne schreibt.
Das ist Tesla zwar inzwischen vier Quartale hintereinander gelungen. Für Stirnrunzeln könnte aber sorgen, dass Tesla einen Teil seiner Einnahmen dadurch erzielt, dass anderen Autokonzernen Umweltzertifikate verkauft werden. Im Jahr 2019 kamen so knapp 600 Millionen Dollar in die Kasse, wie sich aus dem Geschäftsbericht ergibt. Weil Tesla-Autos keine Emissionen freisetzen, kann die Firma Emissionsrechte an andere Konzerne verkaufen, deren Modelle gesetzliche Vorgaben überschreiten.
Größter Tesla-Aktionär verkauft großen Anteil
Für Anleger gibt es weitere belastende Nachrichten: Das Unternehmen will Aktien im Wert von bis zu fünf Milliarden Dollar verkaufen, um das Wachstum zu finanzieren, da sich die Zahl der Fabriken des Elektroautobauers verdoppelt hat.
Und laut dem Finanznachrichtendienst Bloomberg hat der bisher größte Tesla-Aktionär, Baillie Gifford, Papiere abgestoßen. Der Asset-Manager hielt Ende August 4,25 Prozent an Tesla, nach 6,32 Prozent im Juni. Laut Gifford wurden die Aktien nach dem starken Kursanstieg aus technischen Gründen verkauft. Die fundamentale Einschätzung habe sich nicht verändert.
Mit den deutlichen Verlusten in den vergangenen Tagen hat die Aktie den massiven Kursanstieg seit der Ankündigung des Aktiensplits korrigiert. Seitdem legte das Papier mehr als 70 Prozent zu – obwohl solch eine Maßnahme nichts an den fundamentalen Aussichten des Unternehmens ändert.
Aber Anleger spekulieren in vielen Fällen dann auf steigende Kurse, weil sie erwarten, dass sich mehr Investoren aufgrund des niedrigeren Kurses für die Aktie interessieren. Ein am Markt üblicher Vorgang, genauso wie die hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Papier sich nach dem Split schlechter als der Gesamtmarkt entwickelt. Überraschend war nur die Höhe der Kursgewinne.
Doch ein Vergleich der Kurse vor der Ankündigung des Aktiensplits mit der aktuellen Notierung zeigt: Ein großer Teil der „Zockerei“ ist bereits abgebaut. Das Tesla-Papier notierte umgerechnet bei rund 310 Dollar, als der Aktiensplit verkündet wurde. Der Kurs erreichte anschließend einen Höchststand von 502 Dollar, doch die massiven Kursverluste brachten das Papier wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Der Schlusskurs am gestrigen Dienstag mit 330 Dollar liegt nur noch 20 Dollar über dem Kurs vor der Ankündigung des Aktiensplits.
Dieser Vergleich heißt nicht, dass die Tesla-Aktie nicht mehr weiter fallen kann. Doch die Verluste dürften in den kommenden Handelstagen nicht im gleichen Maße weitergehen. Denn dafür wird das Kursniveau zunehmend für Anlageprofis interessanter.
Aber Experten bezweifeln, dass Teslas Fundamentaldaten den hohen Aktienkurs rechtfertigen: Tesla wird laut US-Investmentanalyst Travis Hoium wie ein Tech-Konzern bewertet, verfügt aber nicht über eine entsprechende Technologie.
Bei Microsoft und Alphabet etwa sind die Grenzkosten für jeden Nutzer gering, die Gewinnspanne pro Nutzer ist hingegen sehr hoch, wie Hoium vorrechnet. Im Gegenzug ist Tesla nur ein Produktionsunternehmen mit einer festgelegten Marge pro Fahrzeug, ohne wiederkehrende Einnahmen, die sonst bei Technologieunternehmen üblich sind.