Elektroautopionier Was Teslas Delisting einzigartig machen würde

Elon Musk erwägt, Tesla von der Börse zu nehmen – und verweist auf das Beispiel von Dell. Doch Experten sehen erheblichen Unterschiede.
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Tesla: Was das Delisting einzigartig machen würde Quelle: AP
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Wer die Partner für eine Re-Privatisierung sein könnten, bleibt unklar.

(Foto: AP)

FrankfurtDie Finanzierung sei gesichert, schrieb Elon Musk in seinem mittlerweile berühmten Tweet, mit dem er die Idee verkündete, Tesla von der Börse zu nehmen. Wie genau die Finanzierung aussehen soll, das ist allerdings auch zwei Tage nach der Ankündigung noch völlig unklar. Nicht zuletzt weil Details zu dieser Frage fehlen, nimmt offenbar die US-Börsenaufsicht SEC Musks Twitter-Ankündigung genauer unter die Lupe.

Die Summe, die zu stemmen wäre, ist immens: Musk würde das Unternehmen für 420 Dollar je Aktie von der Börse nehmen, was einem Marktwert von 71,5 Milliarden Dollar entspräche. Inklusive Schulden käme Tesla sogar auf einen Wert von 82 Milliarden Dollar. Elon Musk selbst besitzt knapp ein Fünftel der Aktien. Zieht man seinen Anteil von der zu finanzierenden Summe ab, dann blieben immer noch rund 67 Milliarden Dollar übrig (inklusive Schulden).

Nie zuvor hat es ein annähernd großes Delisting, wie Re-Privatisierungen im Börsenjargon heißen, gegeben. Das bisher größte Beispiel für so einen Deal lieferte der texanische Energiekonzern TXU 2007 mit einem Volumen von 44 Milliarden Dollar. Maßgeblichen Anteil daran hatten die Private-Equity-Firmen KKR und TPG Capital. Das bislang zweitgrößte Delisting legte der Equity Office Properties Trust ein Jahr zuvor mit 38 Milliarden Dollar hin.

Musk selbst zog den Vergleich zu Dell. Dessen Gründer Michael Dell hatte das Unternehmen 2013 für rund 25 Milliarden Dollar von der Börse genommen, um es zu restrukturieren. Das Kapital stammte unter anderem von der Beteiligungsgesellschaft Silver Lake.

Zu den bisherigen Fällen gebe es allerdings erhebliche Unterschiede, betonen Investmentbanker. So sei Dell zum Zeitpunkt des Delistings viel niedriger bewertet gewesen als Tesla. Zudem generierte Dell einen positiven Cashflow. Teslas freier Cash-Flow liegt mit Minus 4,4 Milliarden Dollar deutlich im negativen Bereich.

Während TXU, das 2014 schließlich in die Insolvenz schlitterte, im Jahr vor dem Delisting noch 2,4 Milliarden Dollar Gewinn verbuchte, schrieb Tesla 2017 gut zwei Milliarden Dollar Verlust. Die Kreditwürdigkeit wird mit „Junk“, also Schrottniveau, eingestuft.

Nicht zuletzt deshalb urteilt Dwight Scott, der für die Investmentgesellschaft Blackstone das Kreditgeschäft verantwortet, Tesla sei weit von einem Fall Dell entfernt, sagte er dem Nachrichtensender Bloomberg. Eher kämen strategische Investoren wie Staatsfonds als Partner infrage.

Als potenzieller Investor wird auch der Technologiekonzern Softbank gehandelt. Die Japaner sind für große Investments bekannt, wie die Beteiligung von mehr als neun Milliarden Dollar in den Fahrdienst Uber beweist. Außerdem halten Experten eine Aufstockung der Beteiligung des saudischen Staatsfonds Public Investment Fund für möglich, der gerade erst zwei Milliarden Dollar in Tesla-Anteile investierte.

Christoph Schalast Anwalt für Finanzmarktrecht und Professor an der Frankfurt School of Finance findet Musks Plan nicht nur wegen des enormen Volumens außergewöhnlich, sondern auch wegen der Beweggründe des Unternehmers: „Normalerweise gibt es für ein Delisting eindeutige Gründe, beispielsweise wenn eine Private Equity-Gesellschaft eine Umstrukturierung plant. Ein derart klarer Grund fehlt bei Tesla.“ Musk scheinen vor allem die Kritik der Analysten und die Wetten von Spekulanten auf fallende Tesla-Kurse zu stören.

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