Europäische Aktien So nervös macht Griechenland Europas Anleger

Lange sah es nicht so aus, doch die drohende Staatspleite in Griechenland dämpft die Kauflaune der Aktienanleger enorm. Für Aktien aus dem Euro-Raum wird 2015 wahrscheinlich das turbulenteste Jahr seit langem.
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Griechen-Showdown hat die Börsen im Griff

Beim Blick auf die durchschnittliche Entwicklung der europäischen Leitindizes entsteht derzeit der Eindruck, dass sich die Anleger von der Lage in Griechenland kaum beeindrucken lassen. Wer genauer hinsieht, erkennt das Gegenteil. Wie von Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen, waren die Ausschläge bei den Aktienkursen im Stoxx Europe 600 Index im Mai die stärksten seit Januar – auch wenn der Index im letzten Monat erneut gestiegen ist und gerade griechische Aktien zu jenen zählen, die sich in Westeuropa am stärksten entwickelt haben.

Nach der stärksten Aktienrally seit 1998 und vor dem Fälligkeitstermin einer griechischen Schuldenrückzahlung werden die Investoren zunehmend nervöser. Händler haben ihre Positionen gehedgt und sichern sich gegen Marktverwerfungen ab, falls die Verhandlungen scheitern und das Land aus dem Euroraum ausscheiden sollte.

„Die Wahrscheinlichkeitsrechnung sagt, dass es irgendeine Lösung geben wird. Deswegen kommt es zu keinem richtigen Ausverkauf an den Märkten. Wenn der Markt sich allerdings irrt, dann sind die Kosten möglicherweise ziemlich hoch“, sagt Daniel Murray, Research-Chef bei EFG Asset Management in London, „und deshalb schwingt immer eine gewisse Nervosität mit.“

Die widersprüchlichen Nachrichten um Griechenland und seine Kreditgeber haben den Stoxx 600 seit Mai durchschnittlich um 0,8 Prozent am Tag steigen oder fallen lassen. Das ist die stärkste Schwankung seit Januar, als die Partei Syriza die Wahlen gewann. Am Montag legte der Index bis zu 0,6 Prozent zu, nachdem ein EU-Vertreter um 13.32 Uhr MESZ gesagt hatte, dass ein Übereinkommen zur Finanzierung bis zum 5. Juni möglich sei.

Die Schuldenverhandlungen gehen in den fünften Monat. Bereitstehende Hilfen werden ohne Einigung auf eine Reformliste blockiert. Griechenland muss im Juni vier Rückzahlungen an den IWF leisten, die erste davon am Freitag. Das griechische Rettungspaket aus dem Euroraum läuft überdies im Juni aus.

Investoren verstärken ihre Absicherungen

Die Tops und Flops im Mai

LOGITECH INTERNATIONAL S.A. NAMENS-AKTIEN SF -,25

WKN
ISIN
CH0025751329
Börse
L&S

+0,25 +0,60%
+40,59€
Chart von LOGITECH INTERNATIONAL S.A. NAMENS-AKTIEN SF -,25
Logitech (Top)
1 von 25

Logitech

Eine positive Analystenbewertung hat den Papieren von Logitech am Ende des vergangenen Monats einen ordentlichen Schub verliehen. Die französische Investmentbank Exane BNP Paribas hat ihre Einstufung auf „outperform“ und einem Kursziel von acht Franken belassen. Der Computermaus-Hersteller habe kühne Ziele formuliert, schrieb Analyst Alexander Peterc in einer Studie. Der Markt werde sich aber mit einer Anhebung der Schätzungen womöglich noch ein wenig zurückhalten und sich an die jüngsten Warnungen und verfehlten Erwartungen der Schweizer erinnern. Gleichwohl dürfte Logitech das Schlimmste nun überstanden haben. Das Papier sei attraktiv bewertet.

Kursentwicklung (ein Monat): + 9,7 Prozent

PEUGEOT S.A. ACTIONS PORT. (C.R.) EO 1

WKN
ISIN
FR0000121501
Börse
L&S

-0,16 -0,66%
+24,40€
Chart von PEUGEOT S.A. ACTIONS PORT. (C.R.) EO 1
Peugeot (Top)
2 von 25

Peugeot

Eine steigende Pkw-Nachfrage in Frankreich und Spanien treibt Peugeot an. Der französische Branchenverband CCFA gab am Montag 143.059 Neuzulassungen bekannt. Auf vergleichbarer Basis ist dies ein Plus von 7,3 Prozent. Für Schwung sorgt auch der Vorstoß in neue Märkte. Laut dem „Manager Magazin“ führt der französische Autohersteller Gespräche mit dem iranischen Autokonzern Khodro. Peugeot-Markendirektor Maxime Picat strebt eine Kooperation mit den Iranern an, falls die Sanktionen gegen das Land aufgeweicht werden sollten. „Wir sprechen wöchentlich mit unseren iranischen Partnern darüber, wie und wann wir unsere gemeinsamen Aktivitäten starten können“, sagte Picat dem Magazin. Für Auftrieb sorgte außerdem die Planung über ein Montagewerk mit dem chinesischen Joint-Venture-Partner Dongfeng Motor in Vietnam. Peugeot will in der ASEAN-Region in diesem Jahr knapp 9000 Fahrzeuge verkaufen, bis 2020 soll der Absatz auf 70.000 Autos erhöht werden.

Kursentwicklung (ein Monat): + 9,9 Prozent

Ryanair Holdings PLC

WKN
ISIN
IE00B1GKF381
Börse
n. a.

Chart von Ryanair Holdings PLC
Ryanair (Top)
3 von 25

Ryanair

2014 war ein gutes Jahr für die Billig-Airline Ryanair. Der Gewinn stieg um knapp 70 Prozent auf 867 Millionen Euro. Im laufenden Jahr soll der Gewinn sogar an der Milliardengrenze kratzen. Der irische Konzern peilt Einnahmen zwischen 940 bis 970 Millionen Euro an. Diese Prognose könnte sogar noch weiter nach oben korrigiert werden, sofern British-Airways die irische Fluggesellschaft Aer Lingus übernehmen sollte. Ryanair ist an Air Lingus mit 30 Prozent beteiligt. Der Deal wird mit einem Volumen von fast 1,4 Milliarden Euro beziffert. Einige Analysten rechnen damit, dass Ryanair verkaufen wird. Andere Branchenexperten erwarten dagegen, dass sich das Management zunächst sträuben wird, um noch einen höheren Preis zu erzielen. Spekulative Anleger dürften wegen des möglichen Verkaufs im Mai bei Ryanair eingestiegen sein.

Kursentwicklung (ein Monat): + 11,0 Prozent

ELECTRONIC ARTS INC. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US2855121099
Börse
L&S

-1,30 -1,14%
+111,53€
Chart von ELECTRONIC ARTS INC. REGISTERED SHARES DL -,01
Electronics Arts (Top)
4 von 25

Electronic Arts

Stärker als erwartet ausgefallene Quartalszahlen haben Anleger beim Videospielehersteller Electronic Arts zugreifen lassen. Ansteigende Verkaufszahlen und die Veröffentlichung des Actionspiels „Battlefield Hardline“ lassen die Kassen bei Electronic Arts klingeln. Der Umsatz des US-Unternehmens stieg im ersten Quartal 2015 um 5,5 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar. Mit den Einnahmen plant EA ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von einer Milliarden Dollar, was die Kurse wiederum kurzfristig antreiben könnte.

Kursentwicklung (ein Monat): + 11,3 Prozent

GOPRO INC. REGISTERED SHARES A DL -,0001

WKN
ISIN
US38268T1034
Börse
L&S

+0,19 +3,62%
+5,39€
Chart von GOPRO INC. REGISTERED SHARES A DL -,0001
GoPro (Top)
5 von 25

GoPro

Im Mai verkündete der Action-Kamerahersteller GoPro eine Zusammenarbeit mit dem Internetriesen Google im Bereich der Systeme virtueller Realität. Die Meldung versetzte GoPro-Anleger in helle Aufregung. Innerhalb eines Tages stiegen die Papiere um knapp sieben Prozent. Im Mai gehörten die Papiere zu den stärksten Xetra-Titel.

Kursentwicklung (ein Monat): + 11,5 Prozent

INFINEON TECHNOLOGIES AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006231004
Börse
L&S

-0,30 -1,38%
+21,18€
Chart von INFINEON TECHNOLOGIES AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Infineon (Top)
6 von 25

Infineon

Die steigende Bedeutung der Chipindustrie in der Autobranche verhilft Infineon zu steigenden Gewinnen. Studien zufolge dürfte der Umsatz der Chiphersteller in der Autoindustrie bis 2020 von 30 auf rund 42 Milliarden Dollar steigen. Bei Infineon macht der Umsatzanteil der Autosparte einen erheblichen Anteil aus. 2015 wird er zwischen 40 bis 45 Prozent geschätzt.

Kursentwicklung (ein Monat): + 12,2 Prozent

GILEAD SCIENCES INC. REGISTERED SHARES DL -,001

WKN
ISIN
US3755581036
Börse
L&S

-2,37 -3,56%
+63,52€
Chart von GILEAD SCIENCES INC. REGISTERED SHARES DL -,001
Gilead Sciences (Top)
7 von 25

Gilead Sciences

Der US-Pharmariese Gilead Sciences profitierte im Mai von glänzen Quartalszahlen. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres konnte der Konzern seinen Gewinn beinah verdoppeln. Angeschoben wird die Bilanz von anziehenden Verkaufszahlen von Medikamenten zur Behandlung von Hepatits-C-Erkrankungen. „Es war ein extrem starkes Quartal“, erklärt Michael Yee, Analyst bei RBC Captial Markets.

Kursentwicklung (ein Monat): + 12,3 Prozent

Da Aktien aus dem Euro-Raum gerade ihr wahrscheinlich turbulentestes Jahr seit 2011 erleben, verstärken Investoren ihre Absicherungen. So haben die Kosten für Optionen auf den Euro Stoxx 50-Index im Vergleich zu solchen auf den amerikanischen Standard & Poor's 500 im Mai ein Rekordhoch erreicht. Die acht meistgehaltenen Kontrakte dienten allesamt der Absicherung gegen fallende Kurse.

Daniel Weston, Investmentchef bei Aimed Capital GmbH in München, hat trotzdem bei europäischen Aktien weiter aufgestockt und dafür Anleihen reduziert. Er ist optimistisch, dass sich die Wirtschaft weiter erholen und die Inflation anziehen wird: „Ich glaube nicht, dass sie den Euroraum verlassen werden“, sagt Weston, „die Abneigung gegen Bonds in einem Umfeld steigender VPI-Erwartungen in Europa bedeutet, dass Aktien weiter die beste Alternative sein werden.“

Kevin Lilley, Leiter Europäische Aktien bei Old Mutual Global Investors U.K. in London, setzt auf eine anhaltende Volatilität bei Aktien. Jüngste Konjunkturdaten haben enttäuscht, und die Spekulation über den Zeitpunkt der ersten Fed-Zinsanhebung seit 2006 nimmt zu. Nachdem das Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank eine Rally von bis zu 21 Prozent beim Stoxx 600 ausgelöst hatte, konnte der Index seinen Allzeitrekord nicht einstellen. Seit Mitte April wechselte er auf Wochensicht zwischen Gewinnen und Verlusten.

„Wir hatten bis Mitte April eine lange Phase positiver Konjunkturüberraschungen in Europa und schnell steigende Märkte“, sagt Lilley, „wenn es in der Berichtssaison zum zweiten Quartal nicht mehr positive Gewinnrevisionen und Ergebnisse gibt, dann erwarte ich über die Sommermonate unruhige Märkte.“

  • Bloomberg
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