Börse in London

Im Sommerquartal gab es in Großbritannien gerade einmal zehn Börsengänge.

(Foto: Reuters)

EY-Studie Der Brexit bremst Europas Markt für Börsengänge aus

Weltweite Handelskonflikte und der Brexit erschweren Unternehmen in der EU den Gang aufs Börsenparkett. In Deutschland stehen die Chancen jedoch vergleichsweise gut.
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FrankfurtDer angestrebte Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) zeigt jetzt unübersehbare Bremsspuren auf den Kapitalmärkten. So hat sich das Klima für Börsengänge im dritten Quartal spürbar eingetrübt, wie aus einer Studie der Wirtschaftsprüfer von EY (Ernst & Young) hervorgeht.

In Großbritannien sank die Zahl der Initial Public Offerings (IPOs) im bisherigen Jahresverlauf um fast ein Drittel auf 37, im dritten Quartal betrug das Minus sogar 47 Prozent, es gab nur zehn IPOs. „Der bevorstehende Brexit führt derzeit zu Unsicherheiten auf den Kapitalmärkten und dämpft das IPO-Klima in Europa, insbesondere aber auf dem wichtigen britischen Markt“, beobachtet Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY.

An allen europäischen Börsen zusammengenommen brach das Emissionsvolumen um insgesamt 91 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar ein.

Auch weltweit hat sich das Geschehen merklich abgekühlt. Die absolute Zahl der Börsengänge sank zwischen Juli und September um 22 Prozent auf 302 – dank einiger großer IPOs in China nahm das Geldvolumen jedoch um neun Prozent auf 47 Milliarden Dollar zu. Angesichts der Kapitalabflüsse aus Schwellenländern in Richtung USA und wegen der Handelskonflikte nähmen die Investoren derzeit eine eher abwartende Haltung ein, beobachtet Steinbach.

Lichtblicke gibt es derzeit vor allem in Deutschland und in den USA. Auf dem deutschen Markt gab es im dritten Quartal mit dem IPO des auf Mittelständler spezialisierten Finanzierungsvermittlers Creditshelf zwar nur einen relativ kleinen Börsengang. Im bisherigen Jahresverlauf wurden aber immerhin 15 Transaktionen mit einem Volumen von insgesamt rund neun Milliarden Dollar gezählt. Damit liegen die IPO-Aktivitäten bereits jetzt über dem Vorjahresniveau: 2017 wurden im Gesamtjahr 14 Transaktionen deutscher Unternehmen im Volumen von 3,7 Milliarden Dollar registriert.

Und mit mehreren namhaften Kandidaten, die ihre Börsenpläne bereits publik gemacht haben, wird 2018 voraussichtlich das stärkste IPO-Jahr auf dem heimischen Markt seit dem Jahr 2000. Beispielsweise rückt für den Stuttgarter Spezialanlagenbauer Exyte der Börsengang näher. Das Unternehmen könnte Schätzungen zufolge einen Milliardenerlös erzielen.

Mitte September gab der Münchener Technologiekonzern Knorr-Bremse den Startschuss für sein Debüt: Finanzkreise erwarten einen Emissionserlös von bis zu vier Milliarden Euro und einen Streubesitz, der zunächst bei 25 bis 30 Prozent liegen sollte. Außerdem plant auch der Online-Möbelhändler Westwing die baldige Notiz und einen Erlös von 120 Millionen Euro.

Wenn es gut läuft, rechnet Bastian Schiedat, Leiter des Bereichs Equity Capital Markets beim Bankhaus Berenberg, mit bis zu zehn Börsengängen in Deutschland bis Jahresende. „Etliche Unternehmen – sowohl klassische Industriekonzerne als auch Technologieunternehmen – stehen derzeit in den Startlöchern. Gut möglich, dass in den kommenden Monaten noch einige namhafte Börsenneulinge dazu kommen“, sagt EY-Experte Steinbach.

Allerdings bergen die aktuellen geopolitischen und konjunkturellen Entwicklungen nicht zu unterschätzende Risiken: „Der makroökonomische Rahmen ist nicht einfacher geworden, denken Sie nur an die Verwerfungen in einigen Schwellenländern wie etwa der Türkei oder in Lateinamerika“, gibt Malte Hopp zu bedenken, der den Bereich Aktienemissionen bei der US-Bank Citi in Deutschland leitet.

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