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Boeing-Aktie

Innerhalb von fünf Tagen hat die Aktie etwa zwölf Prozent verloren.

(Foto: dpa)

Flugzeugunternehmen Aktien von Boeing bleiben nach 737-Absturz für Anleger eine Wette

Der Flugzeugabsturz und der Flugstopp lasten auf der Aktie des Flugzeugherstellers. Wer jetzt bei niedrigem Kurs zugreifen will, braucht Mut.
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New York Gleich zwei tödliche Unfälle in fünf Monaten. Dazu kommt, dass offenbar technische Besonderheiten eine Rolle bei den Abstürzen gespielt haben: Der US-Flugzeugbauer Boeing steckt in der Krise. Die Aktie hat reagiert, die Investoren sind verunsichert, die Analysten uneinig, ob der Kurs schon wieder zum Einstieg lockt. Wer jetzt zugreift, braucht viel Mut.

Bei dem Lion-Air-Flug in Indonesien wie auch jetzt in Äthiopien war es die noch recht neue 737 Max, die auf einmal in den Sinkflug ging und insgesamt 346 Menschen in den Tod riss. Mittlerweile sind die Flugzeuge weltweit am Boden – bis klar ist, wie und ob ihre Sicherheit gewährleistet werden kann.

Für Boeing ist das eine Katastrophe – für die Investoren ebenfalls. Nachdem die Aktie in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist und ihren Wert verdreifacht hat, kennt der Kurs seit dem Absturz in Afrika vor allem eine Richtung: nach unten. Innerhalb von fünf Tagen hat die Aktie etwa zwölf Prozent verloren. Das entspricht mehr als 23 Milliarden Dollar an der Börse.

Die Meinungen darüber, wie es mit Boeing und der Aktie weitergeht, liegen weit auseinander. Analyst Ronald Epstein von Bank of America bleibt mit Blick auf die Aktie optimistisch: Wenn Boeing erst einmal den Fehler der 737 Max identifiziert habe, werde es nur drei bis sechs Monate dauern, ihn zu beheben, schreibt Epstein an seine Kunden.

Er rät weiter zum Kauf und lässt sein Kursziel bei 480 Dollar – weit über dem bisherigen Rekord von knapp 390 Dollar Anfang März.

Immer noch zu teuer

„Wir würden damit rechnen, dass Boeing die 737 weiterhin wie geplant mit einer Stückzahl von 52 pro Monat produziert“, schreibt Epstein. Die Kosten für das Anmieten alternativer Flugzeuge als Ersatz für das eigene 737-Max-Model beziffert die Bank of America mit einer halben Milliarde Dollar im ersten Quartal.

Auch die US-Investmentbank JP Morgan rät weiterhin zum Kauf. Sie legt das Kursziel bei 450 Dollar fest und damit etwa ein Fünftel über dem aktuellen Aktienkurs. Ähnlich die Schweizer Großbank UBS, die das Kursziel auf 525 Dollar beziffert. Der Absturz der Aktie werde nicht von langer Dauer sein, urteilt Analyst Myles Walton.

Andere Analysten wiederum sind deutlich pessimistischer: Die DZ Bank beispielsweise hat Boeing-Papiere von „halten“ auf „verkaufen“ herabgestuft und das Kursziel auf 333 Dollar gesenkt. DZ-Bank-Analyst Robert Czerwensky weist darauf hin, dass die Aktie in den vergangenen Monaten stark gestiegen und gegenüber der Branche hoch bewertet sei.

Ähnlich fällt das Urteil der NordLB aus: Auch sie stuft die Aktie von „halten“ auf „verkaufen“ und das Kursziel von 440 auf 300 Dollar ab. Der erneute Absturz einer 737 Max schade dem Image des Konzerns enorm, schreibt Analyst Wolfgang Donie. Es müsse von Auslieferungsverzögerungen und Anpassungen oder Stornierungen von Aufträgen ausgegangen werden. Insgesamt seien die Belastungen momentan „nicht seriös abschätzbar“.

Einen weiteren Aspekt führt Thomas Kleber an, der bei dem Vermögensverwalter Pecora Capital die Aktienstrategie verantwortet. Auch er rät derzeit nicht zum Kauf der Aktie. Das begründet er aber nicht so sehr mit dem jüngsten Absturz und den damit verbundenen Konsequenzen, sondern vielmehr mit dem in seinen Augen immer noch viel zu hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 20.

Grafik

Zum Vergleich: Bei dem europäischen Konkurrenten Airbus liegt die Kennzahl bei 18,5 Prozent – und das, obwohl der Aktienkurs zuletzt gestiegen ist. Um den heutigen Boeing-Kurs zu rechtfertigen, müssten die Nettogewinne nachhaltig um mehr als 50 Prozent zulegen, sagt Kleber.

Das Vertrauen ist weg

Vor allem die Unsicherheit ist es, die aus der Boeing-Aktie aktuell eine riskante Wette macht. Die Investmenthäuser Melius Research und Jefferies beziffern die Kosten des Flugstopps auf eine bis fünf Milliarden Dollar. Dabei gehen die Analysten von einem dreimonatigen Stopp aus.

Das ist zwar eine hohe Summe. Boeing könnte sie aber verkraften. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen mit Sitz in Chicago mit 101 Milliarden Dollar den höchsten Umsatz seiner Geschichte. Der Gewinn lag bei 10,6 Milliarden Dollar.

Für Boeing ist es auch nicht das erste Mal, dass Flugzeuge am Boden bleiben müssen. 2013, als die Batterien des Dreamliners Feuer gefangen hatten, durften die Modelle nicht mehr abheben. Auch damals baute das Unternehmen das Modell in Serie weiter und fand währenddessen eine Lösung für das Problem. Mit damals nur 50 ausgelieferten Dreamlinern war das Modell aber nicht ganz so wichtig, wie es die 737 Max heute ist.

Boeing hat im vergangenen Geschäftsjahr 60 Prozent des Rekordumsatzes mit Zivilflugzeugen erwirtschaftet. Der Rest setzte sich aus Erträgen in der Rüstung und Raumfahrt zusammen. Dort profitiert der Konzern auch von den großzügigen Rüstungsausgaben der US-Regierung.

Zwar bricht Boeing den Umsatz nicht auf einzelne Modelle herunter. Doch Einigkeit herrscht darüber, dass die 737 das „Brot-und-Butter-Modell“ ist. Die nun in der Kritik stehende Linie „Max“ ist eine überarbeitete Version der erfolgreichen 737, die seit 1967 im Einsatz ist und mehr als 10.000-mal ausgeliefert wurde.

Während Boeing-Investoren völlig verunsichert sind, sieht die Situation für Airbus-Anleger gänzlich anders aus. Zuletzt erreichte das Papier des Konkurrenten ein Fünfjahreshoch bei 120 Euro. Aktuell notieren Airbus-Papiere nur leicht unter diesem Niveau.

Die Erwartung steigender Aktienkurse stützt sich vor allem auf zwei Faktoren: den hohen Bestand an Aufträgen für das Kurz- und Mittelstreckenflugzeug A320 und die guten Aussichten für das hochmoderne Langstreckenflugzeug A350. Allerdings hat die kolumbianische Fluggesellschaft Avianca gerade 17 Aufträge gestrichen und 35 verschoben.

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