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Fonds unter der Lupe Dieser Investmentfonds setzt auf innovative Marktführer

Der Fonds „Global Leaders“ von Brown Advisory sucht Firmen, die in ihren jeweiligen Branchen Maßstäbe setzen. Der bisherige Erfolg gibt den Fondsmanagern recht.
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Der chinesische Konzern ist das jüngste Investment von Brown Advisory. Quelle: Bloomberg
Eingang zu einem Tencent-Gebäude

Der chinesische Konzern ist das jüngste Investment von Brown Advisory.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Auf den ersten Blick könnte man denken, dass Mick Dillon und Bertie Thomson ein ruhiges Leben haben. Die Manager des Fonds „Global Leaders“ des US-Asset-Managers Brown Advisory haben zuletzt im August 2018 ein neues Unternehmen ins Portfolio aufgenommen. Das war der chinesische Technologieriese Tencent – und die Anlageprofis engagierten sich inmitten eines Kurseinbruchs.

Der Kursverfall hatte damals vor allem mit einer Umstrukturierung chinesischer Behörden zu tun: Sie vergaben über Monate keine Lizenzen für Onlinespiele. Ohne Lizenzen konnte Tencent die Spiele nicht zu Geld machen.

„Wir waren überzeugt: Das ist ein Problem auf Zeit“, sagt Fondsmanager Thomson. „Tencent ist in China nicht nur Marktführer bei Onlinespielen, sondern auch in sozialen Netzwerken, Sofortnachrichtendiensten und Onlinemedien.“ Dazu komme: „Der Konzern wächst unabhängig von der Konjunkturentwicklung und verdient auch nach Abzug der Investitionskosten viel Geld.“

Genau solche Unternehmen suchen Dillon und Thomson für ihren Fonds – und sind damit bislang erfolgreich. In den vergangenen drei Jahren hat der Fonds nach Daten des Researchhauses Scope Analysis im Schnitt eine jährliche Rendite von 16,8 Prozent gemacht. Damit liegt er in der Kategorie „Aktien Welt“ auf Platz sechs von 680 Mitbewerbern.

In der Rangliste taucht allerdings nur die seit Mai 2015 existierende Fonds-Tranche für institutionelle Investoren mit einer jährlichen Gebühr von nur einem halben Prozent auf. „Bei der für hiesige Privatanleger erst vor einem Jahr aufgelegten gesicherten Tranche in Euro ist die Gebühr mit 1,75 Prozent deutlich höher.

Sie zehrt von daher etwas an der Rendite, doch die Gebühr liegt noch im Rahmen“, meint Ali Marsawah, Fondsanalyst bei Morningstar. Mit knapp 260 Millionen Dollar ist der Fonds selbst nicht sonderlich groß. Nach der Global-Leader-Strategie verwaltet Brown Advisory indes insgesamt Kundengelder von immerhin 700 Millionen Dollar.

Umfangreiches Research

Was Marsawah an dem Fonds beeindruckt, ist: „Die Fondsmanager halten lange an ihren Investments fest. Das zeigt, dass sie von ihrer Strategie überzeugt sind.“ Langfristige Investments seien oft vielversprechender als Versuche, auf kurzfristige Bewegungen zu setzen, meint der Analyst. Das sieht auch Thomson so: „Kurzfristig sind Märkte oft nicht effizient, es kommt auf die langfristige Betrachtung an.“

Um allerdings diesen langfristigen Eindruck zu bekommen, müssen die Vermögensverwalter großen Aufwand betreiben. Die Fondsmanager und Analysten sehen sich eben nicht nur die Zahlen der Unternehmen und ihre Aktienmarktbewertungen über viele Jahre an.

Sie sprechen auch nicht nur mit den Unternehmen selbst. „Das Wichtigste für uns ist es, einen Eindruck von den Kunden der Unternehmen zu bekommen. Sie sind das wichtigste Asset“, sagt Thomson. Um die Meinung der Kunden über ein Unternehmen zu erfahren, macht die Fondsgesellschaft eigene Umfragen, verfolgt die Meinung über die Unternehmen in den sozialen Medien und beschäftigt sogar ein kleines Investigativ-Team.

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Diese genaue Analyse kostet viel Zeit. Bevor die Fondsmanager zum Beispiel im Januar 2015 die Aktie des US-Medizintechnikkonzerns Edwards Lifesciences kauften, sprachen die Investigativ-Kollegen monatelang mit Kardiologen und Herzchirurgen über dessen Herzschrittmacher „Sapien 3“. „Wir wollten herausfinden, warum dieser Herzschrittmacher so hohe Marktanteile gewonnen hat und ob das so bleibt“, erzählt Thomson.

Das Ergebnis: „Der Herzschrittmacher ließ sich nach Aussagen der Ärzte leichter und schneller einsetzen, die Krankenhäuser konnten mehr Patienten behandeln.“ Deshalb kaufte der Fonds die Aktie – und hält sie bis heute im Portfolio.

Zu den Unternehmen, die nach Ansicht von Thomson noch lange zu den Marktführern gehören werden, zählen im Fonds aus den USA Unternehmen wie Microsoft, Alphabet, Visa und Mastercard oder der Kosmetikkonzern Estée Lauder.

In Europa setzt der Fonds unter anderem auf den deutschen Ticket-Vermarkter CTS Eventim, den Aufzughersteller Schindler oder den britisch-niederländischen Lebensmittelkonzern Unilever. In Asien ist es neben Tencent zum Beispiel der Halbleiterhersteller Taiwan Semiconductor.

Ehrgeiziges Ertragsziel

Insgesamt liegen aktuell nur 31 Aktien im Fonds, die Obergrenze liegt bei 40. „Der Fonds ist damit sehr konzentriert, bekommt aber dennoch mit Blick auf die verschiedenen Länder und Branchen eine ordentliche Diversifikation hin“, meint Marsawah von Morningstar. Profitiert habe der Fonds bislang davon, dass er relativ stark auf die USA, auf Technologiewerte und Wachstumsunternehmen setzt – „alles Bereiche, in denen die Aktien in den vergangenen Jahren besonders deutlich gestiegen sind“.

Ein Problem sieht Marsawah allenfalls in der Bewertung. „Der Fonds hält Aktien, die viele Investoren haben wollen, von daher sind viele Papiere im Fonds recht teuer.“ Thomson sieht das anders: „Wir analysieren die Bewertungen ständig und schauen bei Daten wie zum Beispiel dem Kurs-Gewinn-Verhältnis nicht nur auf die nächsten Monate.“ Entscheidend ist für ihn. „Ein Unternehmen muss der Marktführer bleiben, dann sind auch langfristig höhere Gewinnerwartungen gerechtfertigt.“

Auch das Ertragsziel für seinen Fonds leitet Thomson aus einer langfristigen Perspektive ab. „In den vergangenen 100 Jahren haben globale Aktien im Schnitt pro Jahr sieben Prozent Gewinn gebracht“, weist er in die Historie. Er will aber mehr: „Unser Ziel ist es, über fünf Jahre unter dem Strich über sieben Prozent Gewinn pro Jahr zu machen.“

Mehr: Die Gebühren für den Onlinehandel mit Aktien, ETFs und Optionen fallen in den USA. Anleger in Europa dürften davon aber zunächst nicht profitieren.

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