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Fonds unter der Lupe: H2O Multibonds Mutige Wetten auf Währungen zahlen sich für Fondsanleger aus

Bruno Crastes setzt mit seinem Anleihefonds „H2O Multibonds“ auf Dollar-Anlagen und italienische Staatspapiere. Seine Erfolge geben ihm recht.
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Für die H2O-Strategen machte sich der Kauf italienischer Staatsanleihen trotz anfänglicher Verluste bezahlt. Quelle: picture alliance/dpa
Ministerium für Wirtschaft und Finanzen in Rom

Für die H2O-Strategen machte sich der Kauf italienischer Staatsanleihen trotz anfänglicher Verluste bezahlt.

(Foto: picture alliance/dpa)

FrankfurtErster zu sein ist schwer. Und noch schwerer ist es, den Spitzenplatz zu verteidigen. In der Fondswelt kann ein Mann diese besondere Leistung für sich beanspruchen: Bruno Crastes. Der Franzose steuert aus London heraus mit seinem Landsmann Jeremy Touboul den Anleihefonds „H2O Multibonds“.

Der Firmenname H2O steht für Wasser und soll die Eigenschaften „liquide, transparent und essenziell“ symbolisieren. Noch ungewöhnlicher aber ist die Leistungsbilanz des Fonds.

Der 53-jährige Crastes und sein Kollege deklassieren sämtliche Konkurrenten. Zuletzt waren sie mit Dollar-Anleihen, Italienbonds und einigen stark schwankenden Währungen aus Schwellenländern erfolgreich.

Laut den Daten der Researchfirma Scope Analysis hat der 3,3 Milliarden Euro schwere Fonds über ein Jahr wie auch über fünf Jahre sämtliche Wettbewerber hinter sich gelassen, jeweils mit großem Vorsprung. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Crastes mehr als 32 Prozent Rendite (siehe Grafik). Der durchschnittliche Bondmanager dagegen schloss mit einem kleinen Verlust ab, und ein globaler Staatsanleiheindex, der Vergleichsmaßstab, brachte nur vier Prozent Ertrag.

Mit Anleihen in der anhaltenden Tiefzinswelt hohe zweistellige Prozentgewinne zu erwirtschaften ist bemerkenswert. „Eine beachtliche Leistung“ urteilt Eckhard Sauren, Fondsmanager in seiner eigenen Vermögensverwaltung. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt Nisha Long, Analystin beim Londoner Finanzdienstleister Citywire: „Crastes hat seine Stellung als einer der Besten in seinem Bereich zementiert, allerdings bei höheren Schwankungen des Fondspreises im Vergleich zu Konkurrenzprodukten.“

Der Fondsmanager schlägt bei der Performance viele Konkurrenten. Quelle: H2O Asset Management
Bruno Crastes, Chef von H2O

Der Fondsmanager schlägt bei der Performance viele Konkurrenten.

(Foto: H2O Asset Management )

Größere temporäre Ausschläge des Anteilspreises sind der einzige negative Aspekt in ihrer sonst positiven Bewertung. Sie belegen aber den alten Grundsatz: Hohe Rendite ist meist mit höherem Risiko verbunden.

H2O ist nicht einmal zehn Jahre alt, hat aber bereits 28 Milliarden Euro an Kundenkapital eingesammelt. Vor acht Jahren kaufte der französische Vermögensverwalter Natixis Investment Managers die Firma, ließ die Fondsmanager aber weiter in ihrem Stil arbeiten. Crastes ist eher publikumsscheu. Er kann es sich leisten. „Der ist so erfolgreich, dass sein Team mit Geldern von Anlegern überhäuft wird“, beobachtet Robert Habatsch, Vorstand beim Asset-Manager Greiff Capital Management.

Kundennachfrage muss gebremst werden

Von neuen Anlegern und ihrem Geld träumen viele Vermögensverwalter nur noch. Denn immer mehr Kunden scheuen vor allem die aktiv gemanagten Fonds, bei denen höhere Gebühren die Gewinne schmälern. Doch es kann auch zum Problem werden, wenn zu viel Kapital in einen Fonds strömt. Dann wird es schwierig, das viele Geld lukrativ anzulegen.

Nach Aussage von Sebastian Römer, dem Deutschlandchef der Natixis-Fondssparte, bremst sein Haus daher inzwischen die Kundennachfrage: „Wir machen kein Marketing mehr, erheben seit diesem Jahr bei Käufern außerdem eine Zeichnungsgebühr von 0,4 Prozent.“

Die Manager haben eine jährliche Zielrendite von 15 Prozent. Bisher hatten sie kein Problem, dieses Ziel zu erreichen. Allerdings schaffen sie das nur, indem sie mutig Position beziehen.

Grafik

Natixis-Mann Römer erläutert, wie die Strategie sich den jeweiligen Trends anpasst. Der Fonds hatte bisher starke Positionen in Dollar-Anlagen. Crastes glaubt an weitere Erhöhungen der US-Zinsen durch die Notenbank, an eine Normalisierung der Geldpolitik. Deshalb will er künftig an fallenden Kursen der US-Staatspapiere verdienen; Renditen und Kurse verhalten sich bei Anleihen gegenläufig.

Große Teile zum Fondsgewinn steuerte im vergangenen Jahr die Aufwertung des Dollars bei. „Die Manager setzen häufig Derivate ein, auch bei Währungen“, erläutert Römer. Das aktive Spielen mit Wechselkursen unterscheidet das „Multibonds“-Produkt von vielen konkurrierenden Fonds. Einige andere Devisenwetten waren ebenfalls erfolgreich.

Gewinne mit türkischer Lira

Die H2O-Strategen nutzten beispielsweise die heftigen Turbulenzen bei Währungen aus einigen Schwellenländern. Sie kauften türkische Lira nach ihrem Absturz und profitierten von den anschließenden Gewinnen. Auch den mexikanischen Peso handelten sie erfolgreich.

Bezahlt machte sich der mutige Kauf italienischer Staatsanleihen. Anfangs fuhren die Manager Verluste ein. Doch als sich die politische Lage entspannte, machten Gewinne diese Abschläge mehr als wett. Seit dem Herbst sind die Bondkurse massiv gestiegen.

Bis heute ist der Fonds dort stark engagiert. Crastes gab sich schon vor einigen Monaten auf einer Veranstaltung meinungsstark: „Italien hat die Pizza und Dolce Vita erfunden. Aber im Ernst: Manchmal sind die Parteien lautstark, doch sie werden verstehen, dass Europa wichtig ist – und sich benehmen.“

Die Diskussionen über Europa sind seiner Meinung nach überhitzt. Das gelte auch für den Brexit. Börsenbelastungen durch einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union seien bereits in den Kursen enthalten.
Der Franzose kann sich vorerst mit seiner beruhigenden Bewertung bestätigt fühlen. Dem Rekord- Fondsgewinn im vergangenen Jahr folgte ein guter Start 2019: Crastes spielte im Januar einen Ertrag von fast vier Prozent ein.

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