Gamestop-Aktie: Meme-Aktie steigt zu US-Handelsbeginn um 112 Prozent
Düsseldorf. Die Aktie des Computerspielehändlers Gamestop steigt nach dem turbulenten Handel zum Wochenstart auch am Dienstag deutlich an. Zum Handelsbeginn erreichten die Papiere fast 65 Dollar, ein Anstieg von rund 112 Prozent. Im Verlauf des Nachmittags liegt Gamestop noch mit rund 80 Prozent im Plus.
Die Aktien wurden wie am Vortag mehrfach vom Handel ausgesetzt. Grund ist der extrem volatile Kurs. Zum Handelsschluss am Montag hatten die Papiere 74,4 Prozent zugelegt.
Auslöser ist der erste Post des Finfluencers Keith Gill beim Kurznachrichtendienst X (ehemals Twitter) seit drei Jahren. Gill war unter den Namen „Roaring Kitty“ und „DeepF***ingValue“ eine entscheidende Figur während des Gamestop-Hypes im Jahr 2021. Damals stieg die Aktie in der letzten Januarwoche um mehr als 500 Prozent, ehe sie wieder auf ihren Ausgangskurs einbrach.
Diesmal postete Gill die Skizze eines Manns mit einem Gaming-Controller in der Hand, der sich in seinem Stuhl nach vorne lehnt. Das gilt in Gamingkreisen als Zeichen dafür, dass nun eine entscheidende Phase beginnt.
Auf der Social-Media-Plattform Stocktwits, auf der sich Privatanlegerinnen und Privatanleger über Trading-Ideen austauschen, war Gamestop am Montag mit Abstand die gefragteste Aktie. Bei X trendete die Gamestop-Aktie. Am Terminmarkt wurden überdurchschnittlich viele Call-Optionen der Gamestop gehandelt, mit denen Anleger auf steigende Kurse wetten können.
Shortseller machen Verluste bei Gamestop
Im Jahr 2021 war es Gill, der auf verschiedenen Social-Media-Kanälen auf eine Trading-Chance bei der Gamestop-Aktie hinwies. Seiner Einschätzung nach war die Aktie unterbewertet, während gleichzeitig Shortseller massiv auf fallende Kurse wetteten. Diese leihen sich Aktien und verkaufen diese sofort in der Hoffnung, sie später günstiger zurückkaufen zu können. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufpreis ist ihr Gewinn.
Ausgehend von Gills Analyse stieg die Gamestop-Aktie aber ohne fundamentalen Grund immer weiter. Die Verluste für einige Shortseller wurden so groß, dass einige kapitulieren mussten, ihre Wetten abbrachen und die Aktien zu höheren Preisen zurückkauften. Der Hedgefonds Melvin Kapital ging infolge dieser Verluste sogar Bankrott. Dadurch stieg der Kurs noch weiter.
Sogar der US-Kongress untersuchte den extremen Anstieg und anschließenden Fall der Gamestop-Aktie. Auch Gill musste damals aussagen. Die Ereignisse wurden im vergangenen Jahr unter dem Titel „Dumb Money“ verfilmt.
Zu einem solchen „Short-Squeeze“ könnte es theoretisch auch diesmal kommen, wie Daten des Finanzdatenanbieters Ortex zeigen. Denn Shortseller wetten erneut auf fallende Kurse bei Gamestop, mehr als jede fünfte Aktie ist demnach geshortet.
Gelohnt haben sich die Wetten nicht. Nachdem die Aktie von Jahresanfang bis Mitte April um 40 Prozent gefallen war, steigt sie seitdem steil an. Geht man von einem Kursniveau von 36,70 Dollar aus, ist sie seitdem um 260 Prozent gestiegen, das Plus zum Jahresstart beträgt knapp 120 Prozent.
Shortseller haben im Zuge dessen seit Anfang Mai bei Gamestop mit ihren Wetten auf fallende Kurse knapp 1,7 Milliarden Dollar verloren. Alleine am Montag betrugen ihre Verluste circa 1,3 Milliarden Dollar.
Privatanleger scheinen darauf zu wetten, dass die Shortseller nun erneut aufgeben müssen und den Aktienkurs damit weiter nach oben treiben. Privatanleger tätigen einen Großteil der Käufe, das zeigen Daten von Vanda Research. Die Zuflüsse aus diesem Lager beliefen sich in der vergangenen Woche auf insgesamt zwölf Millionen Dollar.
Giacomo Pierantoni, Datenchef von Vanda Research, sagte dem Finanzdienst Bloomberg: „Diese sprunghafte Zunahme der Aktivitäten von Privatanlegern ist ein Kontraindikator, es veranlasste institutionelle Anleger dazu, die Aktie nach diesen von Privatanlegern ausgelösten Kursanstiegen schnell zu verkaufen.“
Mit Material der Nachrichtenagentur Reuters.