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Geldanlage Der Fußball ist eine Geldmaschine – doch lohnen sich auch Fußballaktien?

Unterhaching will aufs Parkett, Hertha BSC holt sich einen Großinvestor an Bord. Andere Klubs haben schon Erfahrungswerte dieser Art. Welches Potenzial haben solche Papiere?
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Der Verein will an die Börse. Quelle: imago images / Eibner
Unterhaching-Fans auf der Tribüne

Der Verein will an die Börse.

(Foto: imago images / Eibner)

Frankfurt Es sind Summen, die nur eine Richtung kennen: nach oben. Für 222 Millionen Euro holte der französische Fußballmeister Paris Saint Germain (PSG) vor einigen Jahren den brasilianischen Nationalspieler Neymar an die Seine. Nun will PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi mindestens diese Summe bei einem Verkauf des wechselwilligen Spielers wieder einnehmen: Angeblich hat er seinen Zwischenhändlern mitgeteilt, Neymar nicht für weniger als 300 Millionen Euro abgeben zu wollen.

„Geld schießt keine Tore“, postulierte zwar Trainerlegende Otto Rehhagel vor langer Zeit. Doch diese Weisheit wirkt heute überholt. Das Spiel auf dem grünen Rasen ist zu einem Millionen-Monopoly geworden, das auch die Vereine immer stärker nach neuen Einnahmewegen suchen lässt.

In Deutschland drängt derzeit die Spielvereinigung Unterhaching an die Börse – und auch der Erstligist Hertha BSC liebäugelt unter seinem neuen Investor Lars Windhorst mittelfristig mit einem solchen Schritt. Die mittlerweile drittklassigen Unterhachinger wollen noch in diesem Monat an der Börse frisches Kapital einsammeln, um in zwei bis drei Jahren den Aufstieg in die zweite Liga zu schaffen.

Börsengang als eine Option für Hertha

Die Fußballer könnten bei einem Aufstieg in die zweite Liga mit deutlich mehr Geld rechnen: Aktuell erhält der Klub rund eine Million Euro aus TV-Einnahmen, in der Zweiten Liga wären es rund zehn Millionen Euro.

Die Zuschauereinnahmen und Sponsorengelder würden sich zudem verdoppeln. Anleger können bis zum 26. Juli Aktien des Vereins zu einem Festpreis von jeweils 8,10 Euro zeichnen. Ende Juli soll dann der Sprung auf das Parkett mit der Erstnotierung an der Börse München erfolgen.

Bei Hertha BSC sind die Überlegungen noch in einem deutlich früheren Stadium. Der neue Großaktionär Lars Windhorst liebäugelt mit der Idee, den Fußballbundesligisten mittelfristig an die Börse zu bringen, wie jüngst das „Manager-Magazin“ schrieb. Der umstrittene Investor war kürzlich für 125 Millionen Euro mit zunächst 37,5 Prozent bei dem Hauptstadtklub eingestiegen. Zuvor hatte sich bereits zeitweise der Finanzinvestor KKR bei Hertha engagiert.

Windhorst kann seinen Anteil später bis auf 49,9 Prozent aufstocken. Doch um für seine Investoren einen profitablen Ausstieg zu schaffen, bräuchte Windhorst eine starke Wertsteigerung der Hertha in den kommenden drei bis fünf Jahren. Als europäische Spitzenklubs sind bisher jedoch weder Unterhaching noch die Hertha aufgefallen.

Lohnt sich ein Investment in Fußballaktien auch für Anleger? Welches Potenzial haben die Papiere, die häufig vor allem Fans ansprechen? Ein Blick auf die Entwicklung der wenigen bereits börsennotierten Fußballvereine ist dabei vielsagend.
Bisher sind es vor allem große Traditionsklubs, die an der Börse notiert sind: Juventus Turin, Manchester United, Arsenal London, Ajax Amsterdam oder der deutsche Vizemeister Borussia Dortmund, der bisher einzige deutsche Fußballverein an einer Börse.
Insgesamt gibt es mehr als 20 börsennotierte Fußballvereine in Europa, die ihre Profiabteilung ausgegliedert und in eine Aktiengesellschaft überführt haben.

Umsätze der Vereine steigen stark

Tatsächlich ist Fußball inzwischen ein millionenschweres Geschäft, das knallharten ökonomischen Gesetzen folgt. Der Umsatz der 20 europäischen Topklubs ist ohne Transfererlöse über die vergangenen zehn Jahre um durchschnittlich fast acht Prozent gestiegen – mehr als doppelt so stark wie die Weltwirtschaft.

So verdrängte der Champions-League-Sieger Real Madrid in diesem Jahr Manchester United von der Spitze der umsatzstärksten Vereine. Die Spanier waren in der abgelaufenen Saison laut der Unternehmensberatung Deloitte mit 750,9 Millionen Euro der umsatzstärkste Fußballklub Europas – vor dem Erzrivalen FC Barcelona (690,4 Millionen Euro). Manchester United (666) fiel auf den dritten Rang zurück. Der beste deutsche Klub folgt erst auf Platz vier: Der FC Bayern setzte 629,2 Millionen Euro um.

Die Geldmaschine Champions League wird immer mehr zu einem exklusiven Klub, den sich die umsatzstärksten Vereine unter sich aufteilen. So sind die Finanzen durchaus zum Indikator für sportlichen Erfolg geworden. Wichtigste Einnahmequelle für viele Klubs sind dabei die sprudelnden Einnahmen aus der Vermarktung der TV-Rechte geworden. Denn viele Sender und Medienfirmen zahlen immer höhere Summen, weil sie sich mit Live-Events gegen die wachsende Konkurrenz mit exklusiven Inhalten behaupten wollen.

„Fußballvereine müssen sich für einen möglichen Börsengang als globale Marken wie im Falle Ferrari positionieren, um eine attraktive Bewertung zu erzielen“, glaubt Dominik Bär von der Investmentbank Lazard. Am besten sei das in Europa Manchester United gelungen.

Hohe Einnahmen in den Bereichen Medien, Sponsoring und Ticketverkäufe sorgten dafür, dass Anleger die Aktie mit dem circa 15-Fachen des operativen Gewinns (Ebitda) bewerteten. Bayern München wäre aus Sicht des Experten sicherlich ein anderer Verein mit einer globalen Markenpräsenz, der am Kapitalmarkt auf großes Interesse stoßen würde.

„Den anderen börsennotierten Fußballvereinen fällt die Positionierung als globale, wachsende Lifestyle-Marke schwerer, was zu einem zum Teil deutlichen Abschlag der Börsenbewertungen im Vergleich zu Manchester United führt“, findet Bär von Lazard.
„Aus wirtschaftlicher Sicht befindet sich die Fußballwelt in einer Phase des Wandels“, erklärt Peter Ertl, Partner bei KPMG in Österreich.

„Topklubs entwickeln sich immer mehr zu globalen Marken, die weltweit Menschen begeistern.“ Die Spitzenvereine entwickelten sich immer stärker in Richtung des Modells eines Unterhaltungsunternehmens. Doch macht dies automatisch börsennotierte Vereine zu Geldmaschinen auf dem Parkett? Die ernüchternde Antwort darauf lautet: eher nein. Viele der börsennotierten Mannschaften haben in den vergangenen Jahren zwar ihren Fans Freude gemacht. Für ihre Anleger trifft dies allerdings nur in deutlich abgemilderter Form zu.

Markt ist ungewöhnlich volatil

Besonders wechselhaft ist dabei die Börsenentwicklung der Dortmunder. Nachdem die Aktie im Jahr 2000 mit einem Preis von elf Euro auf dem Parkett startete, rutschte sie zwischenzeitlich bis auf 83 Cent ab. Heute kostet das BVB-Papier immerhin wieder mehr als neun Euro. Doch unterm Strich bleibt das Papier aus Anlegersicht für die Erstzeichner ein Minusgeschäft.

Das zeigt, dass der Markt mit Fußballpapieren sehr volatil ist. Der Chef des Analysehauses FMR Frankfurt Main Research, Marcus Silbe, befürwortet zwar grundsätzlich die Kombination Fußball und Börse, da viele Vereine inzwischen deutlich professioneller geführt würden als früher.

„Was ein Investment grundsätzlich attraktiv macht, ist der Umstand, dass der Profifußball wenig abhängig von wirtschaftlichen Zyklen ist“, sagt Silbe. Auch erzielten die Klubs in der Ersten Liga heute einen Großteil von Umsätzen, die unabhängig davon seien, ob die Mannschaften während der Saison gut Fußball spielen würden.

Doch es bleiben Unwägbarkeiten. Der Erfolg von Vereinen sei noch deutlich schwerer zu prognostizieren als der Erfolg bei normalen Aktiengesellschaften, warnt Anlegerschützer Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Während sich etwa Einnahmen aus Werbeverträgen, Transfers und TV-Rechten leicht kalkulieren ließen, seien der Saisonverlauf oder Verletzungen wichtiger Spieler sowie Einnahmen durch Pokalwettbewerbe kaum vorherzusagen. „Wenn ich keine emotionale Nähe zum Verein habe, fallen mir jedenfalls jede Menge andere Aktien ein, deren Entwicklungen leichter zu kalkulieren sind“, lautet sein Fazit.

Hohe Bewertung

Entsprechend raten Experten Anlegern, die vor allem Geld mit Aktien verdienen wollen, zur Vorsicht. Der Chef des Analysehauses FMR Frankfurt Main Research, Silbe, hält die neue deutsche Fußballaktie Unterhaching für ein gewagtes Investment: „ Bei der Bewertung der Aktie ist im Grunde bereits eingepreist, dass die Mannschaft in den kommenden zwei bis drei Jahren aufsteigen wird“, findet Silbe.

Dies sei jedoch eine riskante Wette, denn nur ein kleiner Teil des Börsenerlöses werde in die Mannschaft fließen. „Haching muss jedoch in die zweite Liga aufsteigen, sonst fällt die Bewertung der Aktie“, prognostiziert der Experte.

Er befürchtet, dass ein möglicher Flop von Unterhaching an der Börse den Weg von anderen Fußballvereinen an die Börse sogar erschweren könnte. Für Lars Windhorst und seine Hertha-Pläne wäre das wohl ein Foul noch vor dem Anpfiff.

Mehr: Nur zögernd wagen sich deutsche Unternehmen an die Börse, nur wenige folgen im Laufe des Jahres. Bislang zeigen die Neulinge eine schwache Entwicklung.

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