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Größter deutscher Börsengang 2019 Traton-Börsengang: Das erhoffte dicke Plus bleibt aus

Die Hoffnungen auf ein dickes Plus werden beim Börsengang von Traton enttäuscht. Analysten sehen bei der VW-Tochter ein zweigeteiltes Bild.
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CEO Andreas Renschler läutet die Glocke beim Börsengang von Traton. Quelle: Reuters
Traton startet an der Börse

CEO Andreas Renschler läutet die Glocke beim Börsengang von Traton.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Wer am Freitag große Trucks vor der Frankfurter Börse erwartet hatte, der wurde enttäuscht. Beim Börsengang der VW-Nutzfahrzeugtochter Traton gab es nur Brummis in Spielzeuggröße aus Styropor am Eingang. Drinnen, auf dem Parkett, war die Stimmung gedämpft, Grund zum Jubeln gab es kaum. Denn die Aktie des Börsenneulings startete mit dem ersten Kurs von 27 Euro exakt auf dem Ausgabepreis.

Hoffnungen auf ein dickes Plus zum Beginn wurden damit enttäuscht, danach bröckelte der Kurs sogar noch weiter in Richtung 26 Euro ab. Die Preisspanne war mit 27 bis 33 Euro festgesetzt worden.

Ein Grund für die Zurückhaltung sei die Tatsache, dass die VW-Nutzfahrzeugtochter einen zweiten Anlauf gebraucht hatte, um auf das Parkett zu kommen. „Im Kurs spiegeln sich auch Ängste wider, die Weltkonjunktur könnte 2020 schlecht laufen, für einen zyklischen Wert wie Traton ist das nachteilig“, sagte ein Bankmanager, der beim Börsengang beratend tätig war. VW spült der Börsengang der Tochter jetzt nur 1,55 Milliarden Euro in die Konzernkasse.

Die Zeichnungsfrist für die 57,5 Millionen Traton-Papiere endete am Donnerstagmittag. Traton-Vorstandschef Andreas Renschler hatte vor dem ersten Kurs noch Optimismus versprüht, der Börsengang sei ein Meilenstein einer langen Reise. Börsen-CEO Theodor Weimer meinte, mit dem Initial Public Offering (IPO) stehe nun die Finanzierung für neue Herausforderungen. „Möge das Börsenkürzel 8TRA für Erfolg und Glück stehen“, schloss Weimer seine kurze Ansprache.

Ein Hauch von Eurovision Song Contest brachte dann die Live-Schaltung an die Nasdaq in Stockholm, wegen der Marke Scania wird Traton an zwei Börsenplätzen gehandelt. Nasdaq-Topmanager Adam Kostyál sorgte für einen Moment der Entspannung mit seinem „Geheimtipp“, dass der Kurs umso höher steigt, je länger man zur Emission die Börsenglocke läutet, was Traton-Chef Renschler dann auch minutenlang beherzigte.

„Der Branchenzyklus ist sicher in einem Hoch, und die Aktie hängt klar an der Konjunkturentwicklung“, erläutert ein Bankmanager die Preisfestsetzung im Vorfeld der Veranstaltung. Eigentlich hatte Volkswagen die Sparte schon vor Ostern an die Börse bringen wollen. Das Vorhaben wurde aber mit Verweis auf ein schwaches Marktumfeld aufgeschoben.

Aktienanteil ist einigen Investoren zu gering

Ursprünglich war angedacht, bis zu 25 Prozent der Anteile zu platzieren, beim Erlös hatte Traton auf bis zu sechs Milliarden Euro gehofft. Investmentbanker hatten dieses Ziel aber als zu ehrgeizig bezeichnet. Hätte VW jetzt wieder einen Rückzieher gemacht, wäre ein IPO wohl auf Jahre hinaus kaum mehr möglich gewesen. VW hat schon erklärt, dass man über Nachplatzierungen am Ende bis zu 24,9 Prozent Streubesitz erreichen wolle.

Beim zweiten Versuch entschied sich VW nun, zunächst nur einen kleinen Aktienanteil von 11,5 Prozent an die Börse zu bringen. „Das ist einigen Investoren zu wenig gewesen“, meinte ein Banker auf dem Parkett.

Ein Paket von knapp 25 Prozent wäre besser gewesen. Trotz des schleppenden IPOs halten die meisten Beobachter die Strategie für richtig, denn zu unübersichtliche Konzernstrukturen lockten heutzutage aktivistische Investoren an, die auf eine Zerschlagung von Großunternehmen setzen. „Der Spielraum für das Wolfsburger Management ist stark ausgeweitet worden“, sagte ein Investmentbanker.

Das Umfeld für Erstemissionen hat sich in Frankfurt in den vergangenen Monaten deutlich eingetrübt. Im laufenden Jahr hat es bislang noch keinen einzigen klassischen Börsengang im streng regulierten Prime Standard der Frankfurter Börse gegeben. Traton, der mittelfristig als Kandidat für den MDax gilt, soll das Eis nun brechen.

Viele Neuemissionen haben die Anleger bisher enttäuscht, darunter die E-Commerce-Firmen Home24 und Westwing. Etablierte Industrien wie Knorr-Bremse und Siemens Healthineers liefern dagegen ab. Die Erlöse aus dem Börsengang fließen allein an Volkswagen, die der Konzern zum Ausbau seiner Elektroauto-Aktivitäten einsetzen könnte. Die Wolfsburger wollen unter dem Druck schärferer Klimaziele für die Autoindustrie in Europa den Umschwung hin zu Elektroautos beschleunigen.

Analysten rechnen mit kurzfristigen Rückschlägen

Analysten sehen bei Traton ein zweigeteiltes Bild. Scania gilt bei den Experten als sehr margenstark. Außerdem sorge eine neue Modellreihe für zusätzlichen Schub, was wegen der langen Entwicklungszeiten nur selten passiere. Bei MAN müsse man darauf vertrauen, dass die versprochenen Synergien gehoben und die Kosten reduziert werden.

„In der Gruppe liegt die Marge bei rund 6,5 Prozent, bei Volvo sind es zehn Prozent“, meint ein Analyst. Traton habe hier noch Verbesserungspotenzial. Das Fazit eines Analysten lautet: Langfristig werde sich Traton an der Börse positiv entwickeln, kurzfristig könne es aber zu Rückschlägen kommen.

Mit dem Traton-Börsengang gelingt in Deutschland der im bisherigen Jahresverlauf zweitgrößte Börsengang in Europa – hinter dem italienischen Zahlungsabwickler Nexi. Weltweit ist die Traton-Emission das fünftgrößte IPO seit Jahresbeginn, geht aus einer Studie der Unternehmensberatung EY (Ernst & Young) hervor.

Die mit Abstand größte Transaktion war demnach der Börsengang des US-Fahrdienstvermittlers Uber mit einem Emissionsvolumen von 8,1 Milliarden US-Dollar, gefolgt vom US-Laborzulieferer Avantor (3,3 Milliarden US-Dollar) und dem Uber-Konkurrenten Lyft (2,6 Milliarden US-Dollar).

Nach der Sommerpause erwarte man ein stärkeres zweites Halbjahr – auch wenn das hohe Niveau des Vorjahres nicht erreicht werden könne. Nach wie vor sei allerdings der Brexit ein kaum zu kalkulierender Unsicherheitsfaktor, warnt EY-Partner Martin Steinbach: „Das Brexit-Thema kommt im Herbst erneut auf uns zu und könnte die Stimmung erheblich beeinträchtigen.“

Mehr: In diesem Jahr wagten bislang nur wenige Unternehmen in Deutschland den Sprung aufs Parkett. Handelsblatt-Redakteur Robert Landgraf erklärt, welche Hoffnungen mit dem Traton-Börsengang verbunden sind.

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