Hello-Fresh-Börsengang Anspruchsvoll, aber faul

Der Kochboxenlieferant Hello Fresh drängt an die Börse. Das Start-up braucht das Geld, um seinen Service bekannt zu machen. Und Mehrheitseigner Rocket Internet braucht den Erfolg, um seine Anleger zufrieden zu stellen.
Das Start-up ist heute in sieben Ländern tätig, neben Deutschland beispielsweise auch noch in Österreich, den Niederlanden, Großbritannien und den USA. Quelle: Imago
Inhalt eines Hello-Fresh-Pakets

Das Start-up ist heute in sieben Ländern tätig, neben Deutschland beispielsweise auch noch in Österreich, den Niederlanden, Großbritannien und den USA.

(Foto: Imago)

Frankfurt/BerlinWenn der Kochboxlieferant Hello Fresh an die Börse geht, profitiert auch der Thermomix: Vorwerk Ventures, die Investment-Tochter des Geräteherstellers, ist mit 4,6 Prozent an dem Berliner Start-up beteiligt. Langfristig, sagte Hello-Fresh-Gründer Dominik Richter einmal, sei sogar eine Kooperation der Geschäftsmodelle denkbar: So könnte Hello Fresh seinen Kunden zusätzlich zu Kochzutaten auch Küchengeräte anbieten.

Das aber ist noch Zukunftsmusik, denn erstmal will Hello Fresh in seinem Kerngeschäft wachsen – Kochboxen für die Generation Y, die sich vor allem durch zwei Attribute auszeichnet: Anspruchsvoll, aber faul. Die Boxen, die Hello Fresh liefert, enthalten nicht nur alle Zutaten, die man für ein selbstgekochtes Essen braucht, sondern auch das passende Rezept. Wer sie abonniert, muss nicht länger überlegen, was er sich selbst oder seiner Familie zum Abendbrot vorsetzt. Er erspart sich die Rennerei in einen oder gar mehrere Supermärkte. Und die Frage, was er mit den Resten macht: Ein seltenes Gewürz etwa kommt abgepackt für ein, zwei oder vier Personen und nicht in der Dose, in der es die nächsten Jahre vor sich hin gammelt.

Die wertvollsten Start-ups der Welt
Platz 10: Dropbox
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Der in San Francisco ansässige Anbieter von Web-Speicher zählt bereits mehr als 400 Millionen private Nutzer und wird zurzeit von 500 Unternehmen verwendet. Nach eigenen Angaben des Cloud-Unternehmens werden alle 24 Stunden 1,2 Milliarden Dateien in der Dropbox gespeichert. Seit der Gründung 2007 hat das Startup 0,6 Milliarden Dollar von Investoren wie Black Rock oder Goldman Sachs erhalten. Heute ist ihr Investment geschätzte zehn Milliarden Dollar wert. Damit liegt Dropbox auf Platz zehn im aktuellen Ranking des Wall Street Journal.

Platz 9: Pinterest
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Das soziale Bildernetzwerk bietet Nutzern die Möglichkeit, Fotos auf virtuellen Pinnwänden zu teilen, liken oder kommentieren. Das 2010 in San Francisco gegründete Startup verfügt heute über weitere Unternehmenssitze in New York, Chicago, Los Angeles, Atlanta, London, Paris, Berlin, Tokyo und Sao Paulo mit insgesamt über 500 Mitarbeitern. Der Unternehmenswert beläuft sich auf satte elf Milliarden Dollar, 1,3 Milliarden haben fremde Kapitalgeber bis heute in das Netzwerk investiert. Platz neun für das von drei Studenten gegründete Start-up.

Platz 8: SpaceX
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Das Raumfahrt-Startup von Tesla-Gründer Elon Musk hat bereits fünf Trägerraketen ins All befördert. Gegründet wurde Space Exploration Technologies, wie das Unternehmen vollständig heißt, bereits 2002, und hat sich seitdem mehrfach Geld bei Investoren geholt, insgesamt 1,1 Milliarden Dollar. Die Bewertung ist mit 12 Milliarden Dollar üppig.

Platz 7: Didi Kuaidi
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Auch die chinesische Taxi-App Didi Kuaidi ist für Kapitalgeber interessant: so flossen bereits 3 Milliarden Dollar in das Startup von Cheng Wei. Fahrdienstanbieter wie Uber oder Didi Kuaidi erfreuen sich in China immer größerer Beliebtheit. Davon profitiert der nun 15 Milliarden Euro schwere Dienstleister und landet auf Platz sieben im Ranking der Venture-Kapital-Firmen.

Platz 6: Flipkart
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Der virtuelle Marktplatz flipkart wurde 2007 von den Absolventen des Indian Institute of Technology Delhi, Sachin und Binny Bansal, gegründet. Seitdem haben verschiedene indische Investoren 3 Milliarden Dollar in das E-Commerce-Startup investiert, das mittlerweile fünf Mal so viel wert ist (15 Milliarden Dollar).

Platz 5: Snapchat
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Das erst 2011 in Los Angeles gegründete Startup Snapchat mit einem Wert von 16 Milliarden Dollar zählt heute zu den wertvollsten, nicht börsennotierten Unternehmen der Welt. Insgesamt 1,2 Milliarden Dollar haben US-amerikanische Kapitalgeber bereits in den Instant-Messaging-Dienst investiert. Die App, die sowohl für Smartphones als auch Tablets verfügbar ist, macht den Versand von Fotos an Freunde möglich. Das Revolutionäre: die Dateien sind nur wenige Sekunden sichtbar und zerstören sich dann selbst. Die Wiederherstellung ist allerdings innerhalb der Ordnerstruktur des eigenen Geräts möglich. Dieser kleine Umweg scheint den besonderen Reiz für Nutzer auszumachen.

Platz 4: Palantir
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Auch das vor einigen Jahren noch wenig bekannte Startup-Unternehmen Palantir Technologies aus Palo Alto im Silicon Valley schafft es in die Top Fünf des Rankings. 1,5 Milliarden Dollar investierten Kapitalgeber in den 20 Milliarden schweren Entwickler von Software, der in der Lage ist, Informationen aus verschiedensten Quellen miteinander zu verknüpfen und auszuwerten. Das weiß man nicht nur bei Hedgefonds gewinnbringend zu nutzen, um Markttrends herauszufiltern. Auch die US-Regierung nutzt eine Variante des Systems zum Jagen nach Terroristen, wobei Banküberweisungen, Einkäufe, Berichte von Fahndern und öffentliche Quellen wie das Internet, Facebook und Twitter zusammengeführt werden.

Gegründet wurde Hello Fresh 2011 und ist seitdem stark gewachsen: Das Start-up ist heute in sieben Ländern tätig, neben Deutschland beispielsweise auch noch in Österreich, den Niederlanden, Großbritannien und den USA. In den ersten neun Monaten dieses Jahres stieg der Umsatz auf 198 Millionen Euro, verglichen mit 41 Millionen im Vorjahreszeitraum. Gewinn macht das Unternehmen allerdings noch nicht: In den ersten drei Quartalen betrug der Fehlbetrag 58 Millionen Euro, sechs mal mehr als zur gleichen Zeit 2014. Der Verlust ist vor allem dem hohen Werbeaufwand geschuldet. Um die Marketingkosten bereinigt, wäre das operative Ergebnis mit knapp 19 Millionen Euro positiv.

Wer öfter mit der Bahn fährt, der kennt die jungen Leute, die massenweise Hello-Fresh-Gutscheine vor den Bahnhöfen verteilen. Das Problem von Hello Fresh: Es muss nicht nur die Marke, sondern auch die Idee an sich bekannt machen. Vor allem die Deutschen, in Bezug auf ihren Lebensmitteleinkauf eher konservativ eingestellt, lassen sich nur schwer von dem Argument überzeugen, dass sie, wenn sie sich schon einmal selbst an den Herd stellen, die Entscheidung über das, was sie kochen, anderen überlassen sollen. Entscheidend für den Erfolg von Hello Fresh sind aber nicht die Ausprobierer, sondern diejenigen, die den Service als festes Abo buchen, also nicht für jeden Einkauf teuer eingeworben werden müssen.

300 bis 500 Millionen Euro sollen eingenommen werden
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