Infineon, Intel, Nvidia Investoren fürchten bei Chipaktien den großen Crash

Die Kurse der großen Halbleiterhersteller sind zuletzt regelrecht eingebrochen. Die Anleger haben Angst, dass es in der Branche in nächster Zeit massiv bergab gehen könnte.
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Der Kurs von Deutschlands größtem Chiphersteller ist seit Mitte Juni um mehr als ein Viertel gesunken. Quelle: Reuters
Infineon

Der Kurs von Deutschlands größtem Chiphersteller ist seit Mitte Juni um mehr als ein Viertel gesunken.

(Foto: Reuters)

MünchenIn unsicheren Zeiten reagieren Anleger schon auf die schwächsten Alarmsignale geradezu panisch. Da verkündete der mittelständische Schweizer Chipzulieferer VAT Group Mitte der Woche, dass bis Ende des Jahres für 400 Mitarbeiter Kurzarbeit gelte. Daraufhin brachen die Aktienkurse von Halbleiterherstellern ein. Die Investoren überkam die Angst, dass es in der Branche in nächster Zeit massiv bergab gehen könnte.

So wie am vergangenen Mittwoch reagierten die Börsianer schon in den vergangenen Wochen und Monaten äußerst sensibel auf kleinste Anzeichen, dass in der Chipbranche ein Abschwung droht. Viele Halbleiterwerte sind daher in jüngster Zeit unter Druck geraten.

Allen voran: Deutschlands größter Chiphersteller, Infineon. Seit Mitte Juni ist der Kurs um mehr als ein Viertel gesunken. Zum Vergleich: Der Dax hat im selben Zeitraum lediglich rund zehn Prozent an Wert eingebüßt.

Infineon steht damit nicht alleine da. Der Aktienkurs von Branchenführer Intel ging ebenfalls seit Juni um etwa ein Fünftel zurück. Konkurrent Nvidia konnte sich lange gut halten. Doch seit Anfang Oktober ist auch der Kurs der Kalifornier kräftig gefallen, das Minus beträgt etwa 20 Prozent. Europas größter Halbleiterhersteller, NXP, musste seit dem Frühsommer sogar ein Minus von gut einem Drittel hinnehmen.

Die Analysten sind uneins, ob die Kurskorrektur berechtigt ist. Morgan Stanley hat seit Anfang August mehrmals davor gewarnt, dass der kräftige Aufschwung in der Branche vorüber gehen könnte. Die Deutsche Bank rechnet mit einem Abschwung ähnlich dem von 2015. Damals sei es zwei, drei Quartale bergab gegangen und die Kurse seien um ein Viertel gefallen. Es sei gut möglich, dass die Hersteller in nächster Zeit Schritt für Schritt ihre Umsatz- und Gewinnprognosen zurücknehmen würden.

Die Branche hat sich zuletzt sehr dynamisch entwickelt, damit einhergegangen war ein kräftiges Kursplus vieler Anbieter. Der Umsatz ist den Marktforschern von Gartner zufolge vergangenes Jahr weltweit um mehr als ein Fünftel in die Höhe geschossen.

Das lag vor allem an den Speicherchips. Deren Hersteller verbuchten 2018 ein Umsatzplus von gut 60 Prozent. Dieses Geschäft gilt als ausgesprochen zyklisch, es wird von ein paar wenigen Firmen beherrscht, allen voran Samsung, SK Hynix und Micron. Der Rest der Branche legte um knapp zehn Prozent zu. Dieser Zuwachs stammte vor allem aus Umsätzen mit Autoherstellern und Industrieunternehmen, ermittelten die Gartner-Forscher. 

So stark wie der Umsatz, so stark sind auch die Aktien über lange Zeit gestiegen. Nvidia konnte den Kurs in den vergangenen fünf Jahren um mehr als das Fünfzehnfache steigern. Im selben Zeitraum verbuchte Infineon ein Kursplus von rund 140 Prozent und Intel schaffte es, den Börsenwert fast zu verdoppeln.

Die Kurse purzeln derzeit also auf einem hohen Niveau. Bei aller Panik der Anleger: Eine Pleitewelle ist keinesfalls zu erwarten, ganz im Gegenteil. Die Kunden müssen wegen der großen Nachfrage häufig sogar auf ihre Lieferung warten. Intel zum Beispiel kann gar nicht so viele seiner Prozessoren liefern, wie die Computerhersteller gerne hätten. Prozessoren sind das Gehirn eines jeden Rechners.

Auch Infineon kämpft mit Lieferengpässen in einigen Bereichen. Im November beginnen daher die Bauarbeiten für eine neue Fabrik im österreichischen Villach. Die Analysten von Independent Research halten den jüngsten Kursrückgang von Infineon denn auch für „nicht gerechtfertigt“. Es gebe „vielfältige langfristige Wachstumsperspektiven“ und die Geschäftsentwicklung sei erfreulich. Andere Banker hingegen verweisen darauf, dass die Münchener stark von der Autoindustrie abhängig seien. Die Autohersteller hätten derzeit schwer zu kämpfen, das würde auch auf den Dax-Konzern zurückfallen.

Infineon hält an Umsatzprognose fest

Infineon selbst hält derweil fest an der Prognose, die Vorstandschef Reinhard Ploss im Sommer angehoben hatte. Demnach ist der Umsatz im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr (30. September) zwischen 6,4 und 7,4 Prozent geklettert, zuvor lag die Spanne bei vier bis sieben Prozent. Die operative Marge werde 17,5 Prozent betragen, 0,5 Prozentpunkte mehr als zuvor versprochen. Mitte November wird Ploss die Jahreszahlen präsentieren und einen Ausblick auf das gerade begonnene Geschäftsjahr geben.

Der Branchenverband World Semiconductor Trade Statistics rechnet für das laufende Jahr mit einem Umsatzplus weltweit von knapp 16 Prozent. Selbst wenn die Prognose am Ende zu hoch gegriffen ist, es sieht nicht nach einem Absturz der Industrie aus.

Die Experten von Independent Research meinen daher, dass Infineon nach dem jüngsten Kursrutsch wieder attraktiv für Anleger sei: „Das nun deutlich niedrigere Bewertungsniveau eröffnet gegenwärtig ein signifikantes Aufwärtspotenzial.“

Offenbar sieht das auch mancher Investor so. Nach der miserablen Woche legte der Kurs am Freitag um fast zwei Prozent zu, Infineon gehörte damit zu den größten Gewinnern im Dax.

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