Insiderbarometer Topmanager trauen der Dax-Rally nicht mehr

An den Börsen geht es aufwärts. Die Anleger stürzen sich auf Aktien. Doch ausgerechnet Deutschlands Topmanager machen nicht mit. Sie steigen aus und kassieren Gewinne. Ein Signal?
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Ein Händler an der Frankfurter Börse: Deutschlands Topmanager üben sich schon seit Wochen in Zurückhaltung. Quelle: Reuters

Ein Händler an der Frankfurter Börse: Deutschlands Topmanager üben sich schon seit Wochen in Zurückhaltung.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDer Dax hat seit Jahresbeginn fast 1000 Punkte gewonnen. Anleger, die sich eigentlich schon abgewendet hatten, entdecken die Aktie wieder. Doch ausgerechnet Deutschlands Topmanager, die naturgemäß einen besseren Einblick in die Entwicklung ihres Unternehmens haben als die breite Masse, üben sich in Zurückhaltung. Während die Masse seit dem Jahreswechsel wieder mächtig zugreift und so dem Dax zu seinem besten Jahresstart seit seiner ersten Berechnung im Jahr 1988 verholfen hat, haben sich die Manager zuletzt an diesem Treiben so gut wie gar nicht mehr beteiligt. Käufe aus ihren Reihen gab es so gut wie keine.

Mittlerweile beginnt sich das Blatt zu drehen. Die Zahl der Verkäufe, die seit dem Kurseinbruch im vergangenen Sommer minimal war, steigt deutlich an. Es ist zwar zu früh, jetzt schon einen Trend in die andere Richtung auszurufen, doch Olaf Stotz vom Forschungsinstitut für Asset Management an der Uni Aachen (Fifam) betont: „Die Unternehmensinsider sind aktuell mehr bereit, zu geben als zu nehmen.“ Zusammen mit Commerzbank Wealth Management wertet Stotz alle zwei Wochen die Orders der Firmenchefs und Aufsichtsräte aus. Dass aus dieser Tendenz in den nächsten Wochen ein Trend wird, hält er durchaus für möglich.

Der Grund dafür ist simpel. Seit den Tiefstständen im September hat sich der Dax um mehr als 30 Prozent erholt. Zu dieser Zeit, als kaum jemand den Mut hatte, Aktien zu kaufen, griffen die Topmanager massiv zu. Allein im August und September gab es Insiderkäufe bei Allianz, der Commerzbank, Daimler, der Deutschen Bank, der Deutschen Telekom, der Deutschen Post, Eon, Heidelberg Cement, Henkel, K+S, Linde, Lufthansa, Merck, Metro, Münchener Rück, SAP und RWE. Bei 17 Unternehmen und damit mehr als der Hälfte aller Dax-Konzerne haben damit die Chefs die Gelegenheit der günstigeren Kurse genutzt und sich eingedeckt. In den allermeisten Fällen stehen sie nun ein halbes Jahr später mit einem ordentlichen Plus da. Verkauft haben seither nur wenige. Und wenn, dann keine größeren Positionen.

Das ändert sich gerade. In den vergangenen Tagen haben beispielsweise sieben der zehn Siemens-Vorstände Aktien im Wert von knapp 740.000 Euro abgestoßen. Nicht die Summe lasse aufhorchen, meint Olaf Stotz. „Es ist vielmehr das Signal, das damit an die Finanzmärkte gegeben wird.“ Und das sei durch eine solche konzertierte Aktion eindeutig negativ. Dass mehrere Vorstände gleichzeitig an einem Tag verkaufen, ist bei Siemens allerdings nichts Neues. Das gab es in der Vergangenheit schon mehrmals. An der Börse gehen Experten deshalb fest davon aus, dass sich die Chefs untereinander abgestimmt haben.

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10 Kommentare zu "Insiderbarometer: Topmanager trauen der Dax-Rally nicht mehr"

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  • Hm...aber wenn man sich den DAX seit Bestehen anschaut, ist es dann nicht auch so, dass der Dax nur insgesamt viermal die 7000er Granze übersprungen hat. Ist es also nicht, relativ ob die Börsen notierten Unternehmen zu niedrig bewertet sind? Ich glaube, dass seit Ausbruch der Krise sekundäre Faktoren, wie Äußerungen von Politikern und den Notenbanken wesentlich höher bewertet weden, als in Nicht Krisen Zeiten. Zudem bleibt die Frage offen, kommt es zu einem Krieg zwischen dem Iran und Israel? Wird der wichtige Rohstoff wie Öl dann teurer oder gleicht Saudi Arabien die Ölliefermengen aus? Wie geht es weiter mit den Schuldenstaaten? Wer wird Präsident in Frankreich und in den USA und welche Politik wird er verfolgen? Zudem ist soviel Geld im Umlauf wie nur selten. Und wenn der Aufschwung den die Medien herbei schreiben, nicht auf Fundamentaldaten beruht, sondern auf Spekulationen und der Antriebskraft des Geldes? Irgendwo muss das Geld schließlich hinfließen...von mir aus sei es Habgier, aber wenn ZB Geld zu einem Zins von 1% anbieten und Banken dieses Geld mit 8% p.a. verleihen können, wieso sollten sie es nicht tun?

  • Mich würde mal folgendes Interessieren: Wohin schichten denn die Herren ihr Geld um? Wenn Sie aus den Aktien aussteigen, tun sie das meines Erachtens nur, weil es anscheinend woanders lukrativer ist. Gibts da Ansätze, Hinweise? Da sollte das Handelsblatt mal journalistische Arbeit leisten!

  • Könnte es nicht sein, daß dem scheinbaren Herdenverhalten der Insider zum frühen Zeitpunkt technische Ursachen zugrundeliegen? Soviel ich weiß sind ihre Handlungsmög-lichkeiten während der Bilanz-saison bzw. Hauptversamm-lungszeit eingeschränkt. Zudem sind die Insiderparagraphen sehr viel härter gefaßt worden. Zwar wird an der Börse die Zukunft gehandelt, aber die fundamentale Bewertung ist m.E. auch sehr wichtig, und da sind deutsche Aktien noch immer sehr billig (Ausnahmen bestätigen die Regel).

  • So werden ganze Länder ausverkauft - an gierige, nimmersatte, habsüchtige (Avaritia) Internationalisten.

  • Da sieht man mal wie sehr deutsche Top-Manager (dieser Name bezieht sich offenbar lediglich auf die völlig überzogenen Bezüge, jedoch nicht auf die Spitzenleistung dieser Menschen) hinter Ihren Unternehmen und der deutschen Wirtschaft stehen. Ansonsten üben sie sich bei Interviews gern als Selbstdarsteller und eiserne Protagonisten des Wachstumsbegriffs. Ich nenne das Verrat an Deutschland und der Deutschen Wirtschaft !!!

  • Zwar lagen die Experten in den Vergangenheit des öfteren falsch. Diesmal aber sollten sie richtig liegen. Die Eurozone wird wahrscheinlich in eine Rezession abgleiten oder -wenn es gut geht- nur knapp daran vorbeischrammen.
    Die Straßenkampfszenarien in Griechenland und der Aufruhr in anderen Euroland Staaten legt zudem nahe, dass die Eurokrise uns 2012 noch stärker beschäftigen könnte als dies bereits 2012 der Fall gewesen ist. Fundamental sind das sehr schlechte News auch für den DAX, und die Fundamentaldaten werden sich wohl schon bald am Markt durchsetzen.

  • ???
    Topmanager handeln seit jeher antizyklisch, d.h. sie kaufen wenn die Kurse im Keller sind und verkaufen, wenn die Kurse einen starken Anstieg hinter sich haben. Diese Nachricht bringt keinerlei Erkenntnis.
    Es ist daher auch egal, ob der Dax kurz vor dem Peak steht oder noch 200-500 Punkte weiter läuft. Der nächste Abstieg kommt bestimmt.

  • Sehr geehrter Herr Schnall, können Sie bitte Ihren Artikel etwas später veröffentlichen?! Auch Deutschland hat morgen den Eu-China-Gipfel zu dem auch Herr Karel de Gucht anwesend sein wird.

  • Die grundlegende Einsicht der Börsenspekulation, so wie es sowohl Kostolany als auch Soros vorexerziert haben lautet:
    Bei Nachfrage verkaufen, bei Angebot kaufen.

    Zweifelsohne ein kluges Rezept, weil es ja nun einmal die Lemminge sind, denen das Fell über die Ohren gezogen wird, damit die Treiber es im Winter in ihren Fellmänteln, -jacken und -mützen schön warm haben.

    Mit Blick auf die Finanzspekulations- und anlagenbetrugswirtschaft, die ja noch immer unter der Schirmherrschaft der Herolde und Prätorianer des Tarnmantels der Neuen Sozialen Marktwirtschaft dem gemeinen Mann in Europa auf höchst kriminelle Weise nicht nur die Ersparnisse von den Konten räumen helfen, sondern ihm nun auch noch - natürlich aus rein marktwirtschaftlichen und alternativlosen Gründen - das Brot unter der Wurst aus den Händen ringen, sollten wir uns auf so etwas wie einen spontanen Umsturz einstellen, wie ihn die Geschichte im Jahre 1789 hervor gebracht hat, als die überflüssige Elite der Banditen des damaligen Erbfeudaladels als schwärender, eitriger und tödlicher Furunkel aus dem Gesellschaftskörper heraus geschnitten wurden.

    Vielleicht steht uns ja so ein Revival des damaligen Thermidor auch im August 2012 ins Haus. Spätetens dann waren die Verkaufentscheidungen der deutschen Spitzenkader richtig.

  • Die grundlegende Einsicht der Börsenspekulation, so wie es sowohl Kostolany als auch Soros vorexerziert haben lautet:
    Bei Nachfrage verkaufen, bei Angebot kaufen.

    Zweifelsohne ein kluges Rezept, weil es ja nun einmal die Lemminge sind, denen das Fell über die Ohren gezogen wird, damit die Treiber es im Winter in ihren Fellmänteln, -jacken und -mützen schön warm haben.

    Mit Blick auf die Finanzspekulations- und anlagenbetrugswirtschaft, die ja noch immer unter der Schirmherrschaft der Herolde und Prätorianer des Tarnmantels der Neuen Sozialen Marktwirtschaft dem gemeinen Mann in Europa auf höchst kriminelle Weise nicht nur die Ersparnisse von den Konten räumen helfen, sondern ihm nun auch noch - natürlich aus rein marktwirtschaftlichen und alternativlosen Gründen - das Brot unter der Wurst aus den Händen ringen, sollten wir uns auf so etwas wie einen spontanen Umsturz einstellen, wie ihn die Geschichte im Jahre 1789 hervor gebracht hat, als die überflüssige Elite der Banditen des damaligen Erbfeudaladels als schwärender, eitriger und tödlicher Furunkel aus dem Gesellschaftskörper heraus geschnitten wurden.

    Vielleicht steht uns ja so ein Revival des damaligen Thermidor auch im August 2012 ins Haus. Spätetens dann waren die Verkaufentscheidungen der deutschen Spitzenkader richtig.

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