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Investieren in Megatrends Wie Anleger von einer fleischlosen Zukunft profitieren können

Der Hype um Beyond Meat ruft Nachahmer auf den Plan. Vor allem Lebensmittel- und Fleischkonzerne drängen in den Zukunftsmarkt. Neue Börsengänge bahnen sich an.
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Viele Investoren von Beyond Meat sind überzeugt, dass pflanzliche Proteine in Zukunft Fleisch immer mehr ersetzen. Quelle: AFP
Beyond Meat

Viele Investoren von Beyond Meat sind überzeugt, dass pflanzliche Proteine in Zukunft Fleisch immer mehr ersetzen.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Selten hat ein Start-up einen solch fulminanten Börsenstart hingelegt wie Beyond Meat. Die kalifornische Firma, die fleischlose Burger-Patties aus Erbsenprotein produziert, ging im Mai in New York aufs Parkett. Obwohl Beyond Meat Verluste schreibt und die Umsätze sehr überschaubar sind, wird das Unternehmen bewertet wie eine erfolgreiche Tech-Firma. Dass die Aktie von Beyond Meat so erfolgreich ist, hat Jan Wirsam, BWL-Professor an der HTW Berlin, überrascht. „Viele Investoren von Beyond Meat sind offenbar überzeugt davon, dass pflanzliche Proteine in Zukunft Fleisch immer mehr ersetzen. Die Anleger gehen diese Wette ein.“

Innerhalb von rund drei Monaten stieg der Börsenwert von 1,5 Milliarden auf 13,4 Milliarden Dollar. Derzeit liegt die Bewertung bei etwa neun Milliarden Dollar. Wirsam rechnet zwar nicht mit einem Absturz von Beyond Meat wie beim Bitcoin, gibt aber zu bedenken: „Alles im Markt ist hochspekulativ.“ Kaum hatte Beyond Meat Ende August angekündigt, für den Hähnchenbrater KFC pflanzliche Chicken Wings und Nuggets zu entwickelt, bekam die Aktie neuen Schub.

Wachsender Markt

Viele Anleger fragen sich, ob der Börsenhype um Beyond Meat gerechtfertigt ist. Außer Beyond Meat haben sie an der Börse bisher kaum Investitionsmöglichkeiten. Pioniere wie Rügenwalder Mühle oder Impossible Foods sind in Privathand. Anleger müssten also Aktien klassischer Fleisch- und Lebensmittelkonzerne kaufen. Denn die steigen mit Macht in den Hoffnungsmarkt ein. Bislang sind Fleischimitate noch ein Nischenmarkt mit drei Prozent Anteil in Deutschland. Doch die Essgewohnheiten der Verbraucher weltweit werden sich drastisch ändern, prophezeit die Beratung AT Kearney. „Vegane Produkte waren früher nur etwas für Wollsockenträger, so Nestlé-Deutschlandchef Marc-Aurel Boersch. „Inzwischen ist es eine Bewegung.“ Laut AT Kearney wird der globale Markt für Fleischersatzprodukte 2040 schon 450 Milliarden Dollar schwer sein. Mit 630 Milliarden Dollar noch weit größer soll dann das Geschäft mit In-vitro-Fleisch aus dem Labor sein, das heute noch gar nicht marktreif ist. Hier gibt es Pioniere wie Mosa Meat oder Memphis Meat.

Ob sich die Aktie von Beyond Meat auf dem aktuellen Niveau halten kann, ist ungewiss. „Beyond Meat? Beyond ridiculous“, eine Bewertung jenseits des Lächerlichen mit dem Hundertfachen des Umsatzes, stichelt etwa Quint Tatro von Joule Financial. Machte Beyond Meat 2018 noch 88 Millionen Dollar Umsatz, sollen es 2019 immerhin 240 Millionen sein. Ken Goldman, Analyst von JP Morgan, hat Beyond Meat kürzlich von „neutral“ auf „overweight“ hochgestuft. Er begründet dies mit hohen Wachstumsraten, neuen Kunden und Produkten, die bei den Kunden offenbar gut ankamen.

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„Wenn ein Pionier extrem erfolgreich ist, drängen viele Nachahmer – vor allem auch große Spieler – in einen Zukunftsmarkt“, warnt Branchenexperte Wirsam. „Anleger sollten genau überlegen, was das für Beyond Meat bedeutet, wenn sich die großen Fleischkonzerne zu Proteinproduzenten wandeln.“ Viele Multis haben sich bereits strategisch in solche Firmen eingekauft. Zwar ist der Markt noch klein, aber die Margen sind viel höher als bei konventionellem Fleisch. Denn pflanzliche Proteine haben eine wesentlich kürzere Wertschöpfungskette, so Wirsam. Schließlich entfällt die langwierige Aufzucht samt Medikamentengabe und Schlachtung.

Mehr IPOs zu erwarten

Konkurrenz bekommt Beyond Meat etwa von Nestlé. Der weltgrößte Konsumgüterhersteller will im großen Stil ins Geschäft mit Fleischalternativen einsteigen. Seine Incredible Burger aus Soja werden bereits in einigen Ländern an McDonald’s geliefert. 2017 übernahm Nestlé zudem das US-Vegan-Start-up Sweet Earth. Im September hat Nestlé veganes Hackfleisch auf den Markt gebracht. Den Anlegern scheint die Strategie zu gefallen, die Aktie notiert auf Rekordniveau bei über 100 Franken.

Auch Kraft Heinz verkauft unter der Marke Boca Fleischersatzprodukte. Schon lange in diesem Geschäft ist außerdem Morningstar Farms, das zum Kellogg-Konzern gehört. Würde Morningstar Farms an die Börse gebracht, könnte diese laut Finanzmagazin „Barron’s“ bis zu zehn Milliarden Dollar einspielen. Und Unilever hat bereits über 700 vegetarische Produkte im Sortiment. Der Konzern stieß die Salami-Marke Bifi ab und kaufte den Fleischlos-Metzger The Vegetarian Butcher, ein Start-up aus den Niederlanden. Auch der Unilever-Kurs erreicht gerade Höchstwerte.

Ausgerechnet Tyson Foods, der weltgrößte Fleischverarbeiter und Ex-Investor bei Beyond Meat, hat die ehrgeizigsten Pläne mit Pflanzenfleisch. CEO Noel White sagte „Business Insider“: „Wir bleiben unserem traditionellen Fleischgeschäft fest verpflichtet und gehen davon aus, Weltmarktführer für alternatives Protein zu werden. Fleischlose Burger und Steaks könnten ein Milliardengeschäft für unser Unternehmen werden.“ Tyson notiert derzeit mit mehr als 80 Dollar auf Rekordniveau.

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Beflügelt durch den Börsenhype um Beyond Meat dürften andere Start-ups den Schritt aufs Parkett wagen. „Hier könnten schon bald spannende IPOs anstehen“, glaubt Wirsam. Beyond Meats Hauptkonkurrent Impossible Foods ist bereits gut im Geschäft. CEO Pat Brown wartet noch ab: „Dies ist nicht die rechte Zeit, um aufs Parkett zu gehen.“ Dabei wird die US-Firma derzeit mit fünf Millionen Dollar bewertet – also deutlich höher als Beyond Meat zum Börsenstart. Derzeit kämpfen Investoren auf dem Sekundärmarkt um die raren Anteile. Für einen Börsengang infrage käme auch Just aus San Francisco. Das Start-up stellt vegane Ei-Imitate aus Mungobohnen her. Die Firma sammelte mehr als 220 Millionen Dollar Kapital. Gerade ist Just, das mit einer Milliarde Dollar bewertet wird, in den chinesischen Markt eingestiegen. Just-Chef Josh Tetrick stellt klar: „An einem gewissen Punkt werden wir an die Börse gehen.“

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