IPO: Finnischer Sportausrüster Amer Sports drängt an die US-Börse
Frankfurt. Der Sportartikelkonzern Amer Sports Inc., Hersteller von Tennisschlägern der Marke Wilson und Salomon-Ski-Produkten, plant einen Börsengang in New York und will damit bis zu 1,8 Milliarden Dollar erlösen.
Dabei könnten rund 100 Millionen Aktien in einer Preisspanne zwischen 16 und 18 Dollar angeboten werden, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Planung vertraute Personen. Einzelheiten des Initial Public Offerings (IPOs) könnten noch in dieser Woche folgen, dabei seien auch Änderungen bei den Konditionen möglich.
Der Börsengang wäre die größte Transaktion seit dem vergangenen Herbst, als der britische Halbleiterspezialist Arm Holdings gut fünf Milliarden Dollar erlöste. Die erhoffte Eisbrecherfunktion für den schwachen IPO-Markt brachte das Börsendebüt von Arm im vergangenen Jahr aber nicht, obwohl das Papier seit dem IPO um 54 Prozent zugelegt hat.
Zur Einordnung: 2023 sank die Zahl der IPOs weltweit um acht Prozent auf 1298 (Vorjahr 1415), das Emissionsvolumen schrumpfte um 33 Prozent auf rund 123 Milliarden Dollar.
Börsengänge im zweiten Halbjahr
Nach der Flaute im vergangenen Jahr hoffen Investmentbanker, Rechtsanwälte und Analysten nun, dass der Börsengang von Amer Sports der Startschuss für eine Besserung im laufenden Jahr sein könnte, auch in Deutschland. 2024 dürften renditestarke Traditionsunternehmen Kurs auf die Deutsche Börse nehmen. Zu den Kandidaten gehören der Parfümhändler Douglas, der Rollstuhlhersteller Sunrise Medical, der Tankkartenanbieter DKV sowie die Bank OLB. Sie zielen allesamt aufs zweite Halbjahr.
Auch die für die Flixbus-Marke bekannte Plattform Flix gilt in Finanzkreisen als IPO-Kandidat für 2024, und die Softwarefirma Celonis könnte in diesem Jahr den Börsengang in den USA anstreben.
Jens Maurer, Chef der deutschen Investmentbanking-Abteilung von Morgan Stanley, schränkte jedoch kürzlich im Gespräch mit dem Handelsblatt ein: „Zum Jahresbeginn wird der Markt für Börsengänge schwierig bleiben.“
Bis zu zwölf IPOs in Deutschland möglich
Viele Konzerne warten laut der Unternehmensberatung EY auf den richtigen Zeitpunkt, um mit guter Vorbereitung den Börsengang zu meistern. Die Jahresendrally 2023 in vielen Aktienmärkten und die derzeit geringe Volatilität stimmten positiv für das IPO-Jahr 2024, schrieb Martin Steinbach, Partner und Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY, in einer Analyse.
Sollten keine weiteren externen Schocks die Stimmung bei Investoren eintrüben, sei ein Potenzial von zehn bis zwölf Börsengängen in Deutschland vorhanden.
Amer Sports bis 2019 an der Börse gelistet
Zu dem in Finnland gegründeten Konzern Amer Sports gehört auch die Outdoor-Marke Arc’teryx und der Wintersportausrüster Atomic. Amer Sports war bis 2019 an der Börse in Helsinki gelistet, bis ein Konsortium um den chinesischen Sportartikel-Riesen Anta Sports das Unternehmen vom Kurszettel nahm. Damals war Amer Sports mit fünf Milliarden Dollar bewertet worden.
Zu den Eigentümern gehören auch die Beteiligungsfirma Fountainvest und der chinesische Internetkonzern Tencent. Amer Sports beschäftigt über 10.000 Mitarbeiter und hat Niederlassungen unter anderem in Helsinki, München, Krakau und Shanghai. Knapp ein Fünftel des Umsatzes erwirtschaftet Amer Sports auf dem chinesischen Markt. Begleitet wird der Börsengang laut Finanzkreisen von Goldman Sachs, Bank of America, JP Morgan Chase und Morgan Stanley.
Mit Agenturmaterial.