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IPO in New York Ein Plus von 250 Prozent: Curevac gelingt furioser Börsenstart an der Nasdaq

Der IPO an der US-Technologiebörse entpuppt sich für die Biotechfirma und Hauptinvestor Hopp als Riesenerfolg. Die Aktie legt zum Start deutlich zu.
14.08.2020 Update: 14.08.2020 - 19:28 Uhr Kommentieren
Das Tübinger Unternehmen ist einer der großen Hoffnungsträger für die schnelle Entwicklung eines Corona-Impfstoffs. Quelle: dpa
Curevac-Logo

Das Tübinger Unternehmen ist einer der großen Hoffnungsträger für die schnelle Entwicklung eines Corona-Impfstoffs.

(Foto: dpa)

Frankfurt Mit einer sensationell starken Performance gab die Tübinger Biotechfirma Curevac am Freitag ihr Debüt an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq. Die Aktien des Unternehmens beendeten den ersten Handelstag mit einem Kurs von 55,90 Dollar und damit mit einem Plus von rund 250 Prozent gegenüber dem Emissionskurs von 16 Dollar je Aktie.

Curevac, das in der Vergangenheit maßgeblich von SAP-Gründer Dietmar Hopp finanziert wurde, ist damit der bisher wohl erfolgreichste Börsengang in der deutschen Biotechindustrie gelungen. Hopp, der parallel zum IPO weitere 100 Millionen Euro in die Firma investierte, hält nun über seine Dievini-Hopp-Biotech-Holding noch 49,5 Prozent des Kapitals.

Für den Impfstoff-Entwickler und mRNA-Spezialisten errechnet sich auf Basis des Schlusskurses vom Freitag ein Börsenwert von rund 9,8 Milliarden Dollar (umgerechnet etwa 8,3 Milliarden Euro). Nach dem Konkurrenten Biontech und der Hildener Qiagen-Gruppe ist Curevac damit auf einen Schlag das drittwertvollste deutsche Biotechunternehmen.

Hopps Anteil repräsentiert nun einen Wert von gut 4,1 Milliarden Euro. Auch die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau, die sich vor wenigen Wochen im Zuge einer privaten Finanzierungsrunde mit 300 Millionen Euro an dem Tübinger Unternehmen beteiligte, kann sich über einen satten Wertzuwachs freuen. Ihr Anteil von 17 Prozent an Curevac ist auf dem Papier nun rund 1,4 Milliarden Euro wert.

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    Curevac hat mit dem IPO seine Finanzkraft für die Arbeit an einem Covid-19-Impfstoff und weiteren Projekten gestärkt. Durch die Ausgabe von 13,3 Millionen Aktien flossen dem Unternehmen rund 213 Millionen Dollar (etwa 180 Millionen Euro) zu. Nach Abzug der Bankenprovisionen verblieb ein Nettoerlös von 198 Millionen Dollar. Der Ausgabekurs der Aktien lag am oberen Ende der vorgesehenen Spanne von 14 bis 16 Dollar je Aktie.

    Die Emission war mehrfach überzeichnet, das Interesse von Investoren angesichts der Entwicklungsaktivitäten von Curevac im Bereich Covid-19 offenbar riesig. Firmenchef Franz-Werner Haas zeigte sich im Interview mit dem Handelsblatt hochzufrieden mit dem Börsengang.

    Das erfolgreiche Listing unterstreicht das enorme Interesse des Kapitalmarkts an Unternehmen, die an Covid-19-Impfstoffen arbeiten, und zugleich auch die stetig wachsende Anziehungskraft der amerikanischen Börse für deutsche Biotechfirmen.

    Insgesamt sind an der Nasdaq inzwischen fast ein Dutzend deutsche Biotechs notiert. Und für die meisten der Firmen ist New York dabei der einzige Börsenplatz. Zuletzt ging die ebenfalls in Tübingen ansässige Krebsforschungsfirma Immatics im Zuge einer Fusion mit einer bereits börsennotierten, aber operativ nicht aktiven Vorratsfirma an die Nasdaq.

    Auch Immatics gehört zum Biotech-Portfolio von Dietmar Hopp. Im vergangenen Jahr gaben die Mainzer Biontech und die Rostocker Centogene ihr Debüt an der US-Technologiebörse. Zuvor unter anderem Firmen wie Inflarx, Affimed oder Pieris Pharmaceuticals.

    Impfstoff-Forschung sorgt für Kursgewinne

    Curevac kamen für den Börsengang das generell günstige Börsenklima für Biotechwerte und insbesondere auch die hohe Aufmerksamkeit für die Impfstoff-Forschung im Bereich Covid-19 zugute. Das hatte seit Jahresbeginn bereits etlichen Akteuren auf dem Gebiet starke Kursgewinne und hohe Bewertungen beschert.

    Die im Jahr 2000 gegründete Curevac gilt als Pionier auf dem Feld der Messenger-RNA (mRNA) und zählt sich neben der Mainzer Biontech und der US-Biotechfirma Moderna zu den führenden Firmen, die an Impfstoffen auf Basis von mRNA arbeiten. Gegenüber den beiden Konkurrenten liegt Curevac zeitlich zwar etwa drei Monate zurück. Trotzdem sieht Firmenchef Haas solide Chancen für das eigene Produkt. „Wir glauben, dass wir einen sehr guten Impfstoffkandidaten entwickelt haben“, sagte er im Interview mit dem Handelsblatt. Der Wirkstoff zeichnet sich nach Angaben des Curevac-Chefs unter anderem dadurch aus, dass er in relativ niedrigen Dosierungen starke Wirkung erzielt.

    Auch ansonsten verfolgt Curevac das gleiche Geschäftsmodell wie die bereits börsennotierten Konkurrenten. Die Strategie zielt darauf ab, mRNA als Plattform für eine Vielzahl von Medikamenten und Impfstoffen zu nutzen und damit mittelfristig eine neue Klasse von Arzneiwirkstoffen im Markt zu etablieren. Den Kapitalzufluss aus dem Börsengang will Curevac daher sowohl zum Ausbau der Entwicklungsaktivitäten und Produktionskapazitäten im Bereich Covid-19 als auch für andere Impfstoffe sowie die Erforschung von Krebsmedikamenten nutzen.

    Ihre großen Ambitionen leiten die Firmen dabei aus der wichtigen und besonders vielseitigen Grundfunktion von mRNA als Zwischenglied zwischen Genen und Proteinen ab. Mit künstlich erzeugter mRNA, so das Grundkonzept, können Körperzellen zur Produktion aller möglichen Proteine angeregt werden, also zum Beispiel auch von Pharmawirkstoffen.

    Im Falle der Impfstoff-Entwicklung wird das Prinzip genutzt, um Körperzellen auf die Produktion von Proteinbestandteilen des Virus zu programmieren. Gegen diese Virus-Proteine bildet das Immunsystem dann Antikörper.

    Erste klinische Curevac-Tests im Juni

    Das Konzept erlangte zuletzt durch die Corona-Pandemie besondere Prominenz. Denn die mRNA-Technologie erlaubt es, besonders schnell Impfstoffe gegen neue Erreger zu entwickeln. Biontech und Moderna bewegen sich daher im Rennen um ein Covid-19-Vakzin mit an vorderster Front. Beide haben bereits große Phase-3-Studien gestartet, deren Ergebnisse nach Plänen der Unternehmen im Herbst vorliegen werden. Die Börsenwerte von Biontech und Moderna haben sich seit ihren Börsengängen jeweils mehr als vervierfacht.

    Curevac hat Ende Juni die ersten klinischen Tests mit dem eigenen Impfstoffkandidaten gestartet und hofft, im vierten Quartal in größere Phase-3-Studien gehen zu können. Das Unternehmen könnte im Erfolgsfall daher ebenfalls noch eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Corona-Pandemie spielen.

    In einer privaten Finanzierungsrunde, an der sich die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die Qatar Investment Authority (QIA) und der neue Forschungspartner Glaxo-Smithkline (GSK) beteiligten, holte Curevac vor Kurzem erst frische Finanzmittel im Umfang von 560 Millionen Euro herein. Zudem hat Großaktionär Hopp parallel zum Börsengang weitere 100 Millionen Euro im Zuge einer Privatplatzierung in die Firma investiert. Alles in allem dürften sich damit die liquiden Reserven auf deutlich mehr als 800 Millionen Euro addieren.

    Über das Covid-19-Projekt hinaus präsentiert sich Curevac als Forschungsunternehmen mit einem breiten Portfolio an präklinischen und klinischen Produktkandidaten. Ziel sei es, eine voll integrierte mRNA-basierte Medizinfirma aufzubauen. Dazu will man die Technologieplattform weiter ausbauen (inklusive der nötigen Produktionskapazitäten), zusätzliche strategische Partnerschaften suchen und bei Bedarf auch strategische Akquisitionen angehen oder Lizenzen erwerben.

    Auch potenzielle Impfstoffe gegen Krebs werden getestet

    Bisher kooperiert das Tübinger Unternehmen unter anderem mit Boehringer Ingelheim, der dänischen Biotechfirma Genmab und dem Genediting Crispr Therapeutics. Zu den Partnern zählen ferner auch die Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung sowie die Impfstoff-Allianz Cepi. Der Pharmariese GSK kam mit dem jüngsten Deal zudem als Partner für die Entwicklung von Impfstoffen gegen Infektionskrankheiten hinzu. Das Covid-19-Entwicklungsprojekt dagegen betreibt Curevac bisher voll in eigener Regie, ohne Partner aus der Pharmabranche.

    Neben dem Covid-Impfstoff befinden sich ein Vakzin gegen Tollwut und zwei potenzielle therapeutische Impfstoffe gegen Krebs in der klinischen Entwicklung. Darüber hinaus verfolgt Curevac eine Reihe weiterer präklinischer Projekte im Bereich Krebs und Infektionskrankheiten.

    Insgesamt ist das Forschungsprogramm von Curevac allerdings noch weniger breit aufgestellt als die der Konkurrenten Moderna und Biontech, die jeweils rund ein Dutzend Projekte in klinischen Tests vorantreiben. In der Börsenbewertung liegt das Tübinger Unternehmen daher trotz des enormen Kurssprungs am ersten Tag noch ein Stück hinter den Konkurrenten Moderna und Biontech zurück.

    Mehr: „Wir haben einen sehr guten Impfstoffkandidaten entwickelt“, sagt Curevac-Chef Franz-Werner Haas im Interview.

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