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Lastwagen von MAN

Der VW-Konzern hatte seine Lkw-Sparte in „Traton“ umbenannt.

(Foto: Traton Group)

IPO-Markt VW-Tochter Traton könnte noch vor Ostern an die Börse gehen

Investoren fordern, dass VW nicht länger wartet und seine Lkw-Tochter Traton zeitnah aufs Parkett rollt. Dies könnte auch anderen Kandidaten den Start erleichtern.
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FrankfurtEnde Januar ging es hoch her im Tobacco Dock in Ostlondon. Dort, wo am Eingang eine gut zwei Meter hohe Bronzefigur eines Jungen vor einem Tiger an die Zeiten Mitte des 19. Jahrhunderts erinnert, als Charles Jamrach hier das weltgrößte Geschäft mit exotischen Tieren betrieb, lud die VW-Nutzfahrzeugtochter Traton rund 150 Jahre später Analysten und Investoren ein, um sie mit Informationen zu versorgen.

Traton-Chef Andreas Renschler nannte auf dem Kapitalmarkttag der Wolfsburger Tochter Einzelheiten zum Unternehmen, damit sich die Experten ein Bild vom Konzern vor dem geplanten Börsengang machen können. Zum Zeitplan schwieg Renschler. Finanzkreise rechnen jedoch damit, dass der Börsengang noch vor Ostern kommt. Investoren machen Druck. Traton könnte der Eisbrecher für weitere Initial Public Offerings (IPOs) werden, wie Fachleute die Ausgabe neuer Aktien nennen.

In den ersten Wochen des laufenden Jahres sah es noch so aus, als ob 2019 ein schlechtes Jahr für Börsengänge werden würde. Ende 2018 kam es zu einem Ausverkauf an den Märkten in den USA, Asien und Europa. Anleger sorgten sich über eine Konjunkturschwäche, einen ungeordneten Brexit und den Handelsstreit zwischen den USA und China.

Inzwischen sieht die Lage besser aus. Am Freitag sprach US-Finanzminister Steven Mnuchin davon, dass die Regierungen in Peking und Washington an einem detaillierten Abkommen arbeiten, um den Handelsstreit beizulegen. Die Chancen für einen geordneten Brexit sind zuletzt gestiegen, und die Märkte haben seit Jahresbeginn satte Gewinne verbucht.

Damit sind auch die Chancen für einen guten Jahrgang bei Börsengängen wie 2018 gestiegen. Damals prägten die Milliardenemissionen des Medizintechnikkonzerns Siemens Healthineers und von Knorr Bremse das Jahr (siehe Grafik).

Grafik

Den „Eisbrecher“ soll Traton geben. Nach einer Umfrage der Investmentbank Evercore bei über 50 Investoren, die dem Handelsblatt vorliegt, ist die überwältigende Mehrheit der Befragten der Meinung, dass VW seine Lkw-Tochter lieber früher als später an die Börse bringen sollte. Mehr als 80 Prozent meinen, dass das jetzt geschehen sollte. VW müsse sein Konzernportfolio optimieren, drängen die Anleger.

Eisbrecher für andere Kandidaten

Wagt sich VW mit Traton auf das Parkett, hätte das auch Signalwirkung für andere Konzerne. Ein großer Börsengang wie der der VW-Nutzfahrzeugtochter Traton könne sicherlich der Eisbrecher für weitere Emissionen sein, wenn er gut laufe, sagt Bastian Schiedat, der bei der Berenberg Bank das Aktienemissionsgeschäft weltweit leitet.

Das könne neues Vertrauen bei Investoren aufbauen. „Mitte März ist der späteste Termin für die Emission, wenn die Pläne noch vor Ostern umgesetzt werden sollen“, betont der Investmentbanker.

Traton soll an den Börsen in Frankfurt und Stockholm notiert werden, berichten Finanzkreise. Als Börsenwert werde ein Volumen von rund 25 Milliarden Euro angestrebt. Bis zu 25 Prozent wolle VW an neue Investoren verkaufen, was einem Wert von mehr als sechs Milliarden Euro entspräche.

Das wäre einer der größten Börsengänge seit der Teilprivatisierung der Deutschen Telekom im November 1996, die gut zehn Milliarden Euro einbrachte. Im vergangenen Jahr überzeugte Siemens Healthineers mit einem Volumen von 4,2 Milliarden Euro.

Die Resonanz auf den geplanten Börsengang von Traton sei groß, ist aus Finanzkreisen zu hören. Organisiert wird das IPO von den Investmentbanken Citi, Deutsche Bank, Goldman Sachs und JP Morgan. Die Investoren sind die gleichen, die sich vergangenes Jahr auch den Bremsenhersteller Knorr Bremse angeschaut haben.

Aus heutiger Sicht wird erwartet, dass bis zu ein Viertel der Aktien bei deutschen Anlegern landen wird, 40 bis 50 Prozent in Großbritannien und zehn bis 20 Prozent in Skandinavien. Der Rest könnte in die USA gehen, urteilen Finanzkreise. Mit dem Traton-IPO auf den nächsten Zyklus zu warten würde über „50 Prozent der Befragten zufolge den Aktienkurs schädigen“. Nur für 16 Prozent wäre das nicht so.

Aber auch der Vorstand wird von den Befragten in die Verantwortung genommen. Für 65 Prozent hängt das Vertrauen in das Management eng mit einem zeitigen IPO von Traton zusammen. „Kommentare von Investoren legen nahe, dass VW aktiv werden muss, um die sehr niedrige Bewertung zu verbessern“, schreibt das Team rund um die Autokoryphäe Arndt Ellinghorst.

Nach Berechnungen von Evercore ist die Aktie mit dem 5,31-Fachen des 2019 erwarteten Gewinns bewertet. Der Durchschnitt im Dax liegt derzeit gut beim Doppelten. Es gibt also viel Luft nach oben.

Trotz der Kursturbulenzen würden wir in diesem Jahr wieder große Börsengänge sehen, sagt Armin von Falkenhayn, Deutschlandchef der Bank of America: „Unternehmen zum Beispiel in der Automobilindustrie und ihre Zulieferer bereiten sich vor, um kurzfristig ein günstiges Zeitfenster zu nutzen.“ Sie würden auch internationale Investoren anlocken.

Das Umfeld für IPOs jedenfalls ist inzwischen wieder gut, wie auch das Ergebnis der Kapitalerhöhungen und Aktienplatzierungen von Unternehmen wie dem Immobilienkonzern Adler Real Estate, dem Essenslieferanten Delivery Hero und dem Umweltdienstleister Befesa zeigt. Während Großanleger insbesondere zu Jahresbeginn noch einen Kursabschlag von bis zu zehn Prozent verlangt hätten, sei der Satz mit dem verbesserten Marktumfeld gesunken, sagt Bastian Schiedat von Berenberg.

Ein Problem für Traton ist eigentlich seine Abhängigkeit vom Konjunkturzyklus, der seinen Höhepunkt überschritten hat. Allerdings profitiere der Lkw-Hersteller vom Aufschwung in Brasilien durch die dortige Tochter, betonen Finanzkreise.

Außerdem müssten Synergien zwischen Scania, MAN und der Brasilientochter VWCO etwa beim gemeinsamen Bau von Motoren und Getrieben noch geschöpft werden. Im vergangenen Jahr erzielte Traton einen Umsatz von 25,9 Milliarden Euro (plus sechs Prozent). Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis kletterte sogar um 13 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro.

Die VW-Tochter ist allerdings nur einer der Börsengänge, die für dieses Jahr geplant sind: „Wenn sich die politischen Entwicklungen nicht verschärfen, dann sind fünf bis zehn größere IPOs in Deutschland möglich“, meint Christoph Heuer, der bei Goldman Sachs Aktienemissionen in Deutschland verantwortet. Im zweiten Halbjahr wird mit der Aktienemission der abgespaltenen Antriebssparte des Autozulieferers Conti gerechnet. Finanzkreise erwarten ein Volumen von zwei Milliarden Euro.

Es gelte unverändert das Ziel, etwa 25 Prozent der Aktien der Powertrain-Sparte an der Börse zu platzieren, hatte Finanzchef Wolfgang Schäfer bereits im vergangenen Jahr angekündigt. Seitdem sind die Vorbereitungen weitergelaufen. Berater sind die Bank of America und JP Morgan.

Über einen Börsengang wird auch im Fall Signa Sport gesprochen, wie Banker berichten. Der Sporthändler gehört dem Tiroler Immobilieninvestor René Benko, der bei den deutschen Kaufhausketten Karstadt und Kaufhof engagiert ist. Finanzkreise rechnen mit einem Volumen von rund 500 Millionen Euro.

Außerdem treibt der Finanzinvestor Carlyle den Börsengang der Berliner Spezialchemiefirma Atotech in den USA mit einem etwa vergleichbaren Volumen voran. Gleichzeitig wird über ein IPO der Modebeteiligung Global Fashion Group von Rocket Internet nachgedacht, der Mutter von Zalando und Delivery Hero, berichten Finanzkreise.

Einen Anlauf für einen Börsengang soll auch der Finanzinvestor Lone Star für seine Beteiligung Xella erwägen. Der Baustoffkonzern ist durch den Porenbeton Ytong bekannt. Lone Star hatte Xella Ende 2016 für 2,2 Milliarden Euro gekauft. Die größte Aufmerksamkeit würde aber ein IPO des Parfümhändlers Douglas auf sich ziehen, das wohl auch bei Kleinanlegern gut ankäme. Doch zunächst muss der Börsengang des Nutzfahrzeugherstellers Traton als Eisbrecher ein Erfolg werden.

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