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Nestlé-Fabrik

Konzernchef Schneider beschleunigt das Aktienrückkaufprogramm.

(Foto: Reuters)

Jahresbilanz Dividende steigt: Gute Zeiten für Nestlé-Aktionäre

Konzernchef Mark Schneider verspricht: Der Konzern wächst unabhängig von Konjunktur und Handelskonflikten. Die Anleger erhalten Milliardenbeträge.
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HamburgFür die Nestlé-Aktionäre war es ein gewisses Risiko. Mit dem Medizintechnik-Mann Mark Schneider kam ein branchenfremder Manager an die Spitze des weltgrößter Nahrungsmittelkonzerns. Ausgerechnet ein Deutscher sollte am Genfer See dafür sorgen, dass das Wachstum wieder in den Gang kommt.

Doch die Bilanz 2018 zeigt: Das Experiment geht bislang auf. Die Aktie legte bis Donnerstagvormittag deutlich zu. Das liegt vor allem an Schneiders klarem Kurs.

Der ehemalige Fresenius-Chef macht klar, worum es ihm ihn erster Linie geht: um Wachstum. Aus Größe sollen dann bessere Margen folgen. Bis 2020 verspricht er, Nestlé in den früheren Wachstumspfad von mittleren einstelligen Zuwächsen zurückzuführen. Die operative Marge soll dann zwischen 17,5 und 18,5 Prozent liegen.

Auf dem Weg ist Schneider ein ganzes Stück vorangekommen: Die bereinigte operative Marge lag 2018 bereits bei 17 Prozent. Mit drei Prozent ist das Wachstum noch ausbaufähig, trifft aber die eigene Prognose aus dem Frühjahr und die Erwartungen der Analysten. Im Vorjahr war das Umsatzwachstum mit 2,4 Prozent noch auf einem langjährigen Tief.

Für die Aktionäre hat Schneider zudem Zucker: Er beschleunigt das Aktienrückkaufprogramm. Die zweite Hälfte der versprochenen 20 Milliarden Euro soll nun schon bis zum Dezember 2019 abgeschlossen sein – ein halbes Jahr früher als geplant. Das Geld fließt an die Aktionäre uns stützt den Aktienkurs.

Das ist auch eine Folge des Wirbels, den der aktivistische Investor Daniel Loeb im vergangenen Sommer gemacht hat, indem er Schneider aufforderte, mehr Wert für die Aktionäre zu generieren. Dem Aktienkurs und dem Konto der Aktionäre tut auch gut, dass die Dividende für das Jahr 2018 um zehn Rappen auf 2,45 Franken je Aktie steigen soll.

Schneider versprach in der Bilanzpressekonferenz den Aktionären, der Konzern werde auch bei einer möglichen weltweiten Konjunkturabschwächung stabil bleiben. „Wir verkaufen nicht das Bruttoinlandsprodukt“, scherzte er. Starke Lebensmittelmarken würden auch im Abschwung gekauft. Weil Nestlé überwiegend lokal produziere, sei auch ein Handelskonflikt zwischen den USA und China keine Belastung für den Konzern. Und auf einen möglichen ungeregelten Brexit bereite sich Nestlé durch höhere Lagerbestände auf der britischen Insel vor.

Schneider warb zudem um Käufer für die Hautpflege-Sparte, die er loswerden möchte. Das Geschäft habe in den vergangenen beiden Jahren einen beeindruckende Wende zum besseren genommen, schwärmte er. Nestlé könne nun aus einer Position der Stärke verkaufen. Zwar wachse die Sparte wieder gut, doch passe sie nicht recht ins Konzernportfolio. Schneider erwartet also einen guten Verkaufspreis, der den Aktionären zugute kommen könnte.

Neu zum Verkauf stellt er die Wurstmarke Herta, der er kein besonderes Wachstumspotenzial mehr zubilligt. Das zeigt die Fokussierung aufs Wachstum, einen riesigen Verkaufserlös dürfen die Aktionäre jedoch eher nicht erwarten. Der Schritt zeigt jedoch, dass Schneider nach etlichen Sparprogrammen, die auch in Deutschland Arbeitsplätze gekostet haben, nicht locker lassen will.

700 Millionen Franken Restrukturierungskosten plant er allein für 2019 ein. Was bei den Mitarbeitern für einige Verunsicherung sorgt, ist für die Aktionäre eine gute Nachricht: Nestlé will weiter besser werden.

Besserung stellte Schneider besonders für das Wassergeschäft in Aussicht. Mit Marken wie „Poland Spring“ ist Nestlé zu 60 Prozent in den USA aktiv. Wegen Unwettern seien die Transportkosten für das recht schwere Gut Mineralwasser in dem Land gestiegen, zudem habe sich der Preis für das PET-Plastik der Flaschen erhöht. Schneider sagte, das Wassergeschäft sei schon immer etwas schwankend. 2018 sei demnach ein Ausnahmejahr gewesen.

Nestlé bekommt zudem unter anderem einen neuen Aufseher ins Board, der sich mit der Börse gut auskennt: den ehemaligen Ahold-Chef Dick Boer. Der Niederländer 2016 hat den Einzelhändler mit Delhaeze verschmolzen und damit den Aktionären Kursgewinne beschert.

Nestlé ist deshalb besonders stark auf Aktionäre ausgerichtet, weil der weltgrößte Konsumgüterkonzern keinen Ankeraktionär hat – anders als etwa die familiendominierten deutschen Konzerne Henkel und Beiersdorf. Größter Einzelaktionär ist mit nur fünf Prozent der Fondsanbieter Blackrock, der das Geld seiner Kunden bündelt.

Schneider wirbt besonders um langfristig orientierte Anleger – daher seine klare Mehrjahresstrategie und der relativ behutsame Umbau des Portfolios. „Wir beeilen uns, aber wir hetzen nicht“, beschrieb Schneider am Donnerstag seinen Kurs.

Prüfstein für Nestlé-Chef Schneider wird das Jahr 2020, auf das er seine Strategie ausgerichtet hat. Bis dahin müssen Marge und Wachstum stimmen. Die Analysten trauen Schneider das zu. Am Donnerstag bestätigte etwa die Baader-Bank ihre Kaufempfehlung, da Schneider die in ihn gesetzten Erwartungen erfülle.

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