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KapitalmärkteChina-Aktien: Welche Indizes Anleger kennen sollten

China-Papiere in Schanghai, Shenzhen, Hongkong und den USA entwickeln sich häufig sehr unterschiedlich. Das Handelsblatt erklärt, worin die Unterschiede bestehen und welche Risiken es gibt.Sabine Gusbeth und Cornelia Zoglauer 30.06.2022 - 17:15 Uhr Artikel anhören

Neben Schanghai ist Shenzhen die größte Festlandbörse Chinas.

Foto: Reuters

Peking, Düsseldorf. Analysten und Investoren sprechen häufig allgemein von China-Aktien. Nicht immer ist eindeutig, welche Werte damit gemeint sind.

So wird unterschieden zwischen den Aktien an den chinesischen Festlandsbörsen in Schanghai und Shenzhen und chinesischen Unternehmen, die in Hongkong oder den USA gelistet sind. Die Risikoprofile unterscheiden sich zum Teil deutlich.

Das Handelsblatt erklärt, welche Indizes Anleger kennen sollten, wie sie sich unterscheiden und wo Risiken liegen. 

China Securities Index 300

Chinas Leitindex China Securities Index 300, kurz CSI 300, bildet die Kursentwicklung der 300 meistgehandelten Aktien an den beiden größten Börsen Festlandchinas, Schanghai und Shenzhen, ab. Index-Schwergewichte sind der Schnapsbrenner Kweichow Moutai, Batteriehersteller CATL, China Merchants Bank, Versicherer Ping An und das Solarunternehmen Longi Green Energy Technology. 

Chinas Onshore-Aktienmarkt ist der zweitgrößte Aktienmarkt der Welt. Mehr als drei Viertel des Umsatzes der Festlandaktien werden dabei von Privatanlegern generiert. Auch neigt die Entwicklung an den Festlandsbörsen bisweilen zu Übertreibungen und korreliert nur begrenzt mit internationalen Kapitalmärkten.

Aufgrund strikter Kapitalkontrollen ist der Zugang internationaler Investoren zu den chinesischen Festlandbörsen beschränkt. Institutionelle Anleger können über das Stock-Connect-System an der Börse in Hongkong an den chinesischen Festlandbörsen anlegen. 

Neben dem Leitindex CSI 300 geben die Indizes der Schanghaier Börse SSE 50, sowie der Shenzhener Börse SZSE 100 ein Abbild der Stimmung an den Festlandbörsen. Zudem interessant ist die Entwicklung des techlastigen Indexes SSE Star 50, der in Schanghai notierte Tech-Werte wie den Halbleiterhersteller SMIC beinhaltet.

CSI 300

Der Index umfasst die 300 meistgehandelten Aktien aus Schanghai und Shenzhen

  • Schwergewichte: Kweichow Moutai, CATL, China Merchants Bank, Ping An, Longi Green Energy Technology
  • Marktkapitalisierung: 7.441,6 Mrd. USD
  • Hoch 2022: 4917,77 Punkte (4.1.22)
  • Tief 2022: 3784,12 Punkte (26.4.22)

SSE 50

Der Index umfasst die 50 meistgehandelten Aktien an der Börse Schanghai.

  • Schwergewichte: Kweichow Moutai, China Merchants Bank, Ping An, Longi Green Energy Technology, Industrial and Commercial Bank of China (ICBC)
  • Marktkapitalisierung: 2.829,9 Mrd. USD
  • Hoch 2022: 3264,07 Punkte (4.1.22)
  • Tief 2022: 2681,03 Punkte (26.4.22)

SZSE 100

Der Index umfasst die 100 meistgehandelten Aktien an der Börse Shenzhen.

  • Schwergewichte: CATL, Wuliangye Yibin, BYD, Midea, Mindray
  • Marktkapitalisierung: 2.257,0 Mrd. USD
  • Hoch 2022: 6840,07 Punkte (4.1.22)
  • Tief 2022: 4858,07 Punkte (26.4.22)

SSE Star 50

Der Index umfasst die 50 meistgehandelten Tech-Aktien an der Börse Schanghai.

  • Schwergewichte: SMIC, Trina Solar, AMEC, Kingsoft, Ningbo Ronbay New Energy
  • Marktkapitalisierung: 360,92 Mrd. USD
  • Hoch 2022: 1364,99 Punkte (4.1.22)
  • Tief 2022: 868,07 Punkte (26.4.22)


Hang Seng China Enterprise Index

Der Hang Seng China Enterprise Index, kurz HSCEI, bildet die Kursentwicklung von 50 Unternehmen des chinesischen Festlands ab, die an der Börse in Hongkong gelistet sind. Index-Schwergewichte sind die Lieferplattform Meituan, China Construction Bank, der E-Commerce-Konzern Alibaba, die Social-Media-Plattform Tencent sowie die ICBC-Bank.

Aufgrund der strengen Kapitalkontrollen auf dem Festland waren China-Aktien an der Hongkonger Börse lange Zeit die einzige Möglichkeit für internationale Kapitalanleger, an der Entwicklung chinesischer Unternehmen zu partizipieren.

In Hongkong, dem drittgrößten Finanzplatz der Welt, machen institutionelle Investoren mehr als 50 Prozent des Börsenumsatzes aus, viele davon aus dem Ausland. Bis heute wählen chinesische Unternehmen, die internationale Investoren erreichen wollen, deshalb häufig den Weg an die Börse in Hongkong. 

Der HSCEI enthält sowohl staatliche als auch private chinesische Unternehmen. Letztere sind oftmals nur indirekt über einen Börsenmantel in einer Steueroase an der Börse in Hongkong gelistet. Das birgt jedoch Risiken, da Investoren im Zweifelsfall keinen Zugriff auf die operative Gesellschaft in China haben (siehe auch Nasdaq Golden Dragon China Index).

Anders als die Finanzaufseher in den USA, denen der Zugang zu chinesischen Unternehmen bislang verwehrt wird, hat Hongkong eine Sonderregelung mit dem Festland gefunden. Die Wirtschaftsprüferaufsicht FRC steht im Austausch mit den chinesischen Behörden und Prüfern. Sie erhält so einen besseren Einblick in das operative Geschäft chinesischer Unternehmen, die in Hongkong gelistet sind.

HSCEI

Der Index umfasst 50 chinesische Unternehmen, die in Hongkong notiert sind.

  • Schwergewichte: Meituan, China Construction Bank, Alibaba, Tencent, ICBC
  • Marktkapitalisierung: 3500,70 Mrd. USD
  • Hoch 2022: 8789,92 Punkte (10.2.22)
  • Tief 2022: 6123,94 Punkte (15.3.22)

Nasdaq Golden Dragon China Index

Der Nasdaq Golden Dragon China Index umfasst 72 chinesische Aktiengesellschaften, die an der US-Technologiebörse Nasdaq gelistet sind. Konzipiert wurde der Index 2003 von dem US-Finanzdienstleister Halter Financial Group. Index-Schwergewichte sind der E-Commerce-Konzern Alibaba, das E-Auto-Start-up Nio, der Suchmaschinenkonzern Baidu, der Onlinehändler JD.com und die Plattform Pinduoduo, die Chinas Landwirte mit Endkunden zusammenbringt. 

Laut Halter Financial Group ist der Index so konzipiert, dass er einen Zugang zu den wirtschaftlichen Chancen in China bietet und gleichzeitig die Transparenz gewährleistet, die bei in den USA notierten Wertpapieren gegeben ist. Allerdings hat sich an der mangelnden Transparenz chinesischer Aktiengesellschaften zuletzt ein Streit entzündet.

Denn China lässt bislang keine Prüfung durch ausländische Aufseher wie die US-Bilanzpolizei PCAOB zu. Dies wiederum will die US-Börsenaufsicht SEC nicht mehr länger tolerieren. Sie droht inzwischen rund 150 chinesischen Aktiengesellschaften in den USA mit einem Delisting, sollten sie den neuen, strengeren Offenlegungspflichten nicht nachkommen. Der ungelöste Streit ließ China-Aktien in den USA Anfang März regelrecht einbrechen.

Hinzu kommt ein weiterer Risikofaktor: Fast alle chinesischen Unternehmen, die in den USA gelistet sind, nutzten eine Hintertür, um die strenge Prüfung der chinesischen Behörden für Auslandsbörsengänge zu umgehen. Sie gründeten eine Dachgesellschaft in einer Steueroase wie den Kaimaninseln und brachten diese sogenannte Variable Interest Entity (VIE) an die Börse.

Das Problem an dieser Konstruktion: „Weder die Investoren dieser Dachgesellschaften noch die Offshore-Gesellschaft selbst besitzen Anteile am operativen Geschäft in China“, kritisierte SEC-Chef Gary Gensler nach dem Desaster um den US-Börsengang des chinesischen Taxivermittlers Didi. Dieser musste sich zuletzt auf Druck der chinesischen Behörden wieder von der Wallstreet zurückziehen. 

Nasdaq Golden Dragon China Index

Der Index umfasst 72 China-Aktien, die an der Nasdaq gelistet sind.

  • Schwergewichte: Alibaba, Nio, Baidu, JD.com, Pinduoduo
  • Marktkapitalisierung: 1249,2 Mrd. USD
  • Hoch 2022: 9160,75 Punkte (12.1.22)
  • Tief 2022: 5181,3 Punkte (14.3.22)

MSCI China Index

Der bekannteste Index für China-Aktien ist der MSCI China, der von dem US-Konzern MSCI zusammengestellt wird. Er umfasst 739 chinesische Aktiengesellschaften, die nach Angaben von MSCI 85 Prozent des chinesischen Aktienuniversums abbilden.

Enthalten sind Aktien von den chinesischen Festlandbörsen, aus Hongkong sowie dem nicht chinesischen Ausland. Index-Schwergewichte sind die Tech-Konzerne Tencent, Alibaba, Meituan, JD.com sowie die China Construction Bank. 

Der Index wurde im Oktober 1995 aufgelegt. Aktien der chinesischen Festlandbörsen wurden jedoch erst im Juni 2018 aufgenommen. Wie der Nasdaq Golden Dragon Index enthält auch der MSCI China Anteile an sogenannten VIE-Gesellschaften, mit den damit verbundenen Risiken.

MSCI China

Der Index umfasst 739 China-Aktien von den Festlandbörsen, Hongkong sowie den USA.

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Hongkong
USA
NASDAQ
Alibaba
Tencent
JD.com
  • Schwergewichte: Tencent, Alibaba, Meituan, China Construction Bank, JD.com
  • Marktkapitalisierung: 2.123,4 Mrd. USD
  • Hoch 2022: 86,92 Punkte (20.1.22)
  • Tief 2022: 59,28 Punkte (15.3.22)

Stand: 29.6.2022

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