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Wirecard-CEO Markus Braun

„Ich habe keinen Zweifel, dass das so weitergehen wird“, sagte Braun in Bezug auf die Angriffe schon bei der Präsentation seiner Bilanz im Frühjahr 2018.

(Foto: AFP)

Kursabsturz Fünf Gründe, warum Wirecard so oft angegriffen wird

Wieder hat Wirecard wegen einer Meldung einen Kurssturz verkraften müssen. Die Bafin prüft Marktmanipulationen. Warum kommt es immer wieder zu Angriffen gegen den Zahlungsdienstleister?
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MünchenWarum immer Wirecard? Diese Frage stellen sich viele am Aktienmarkt. Seit mehr als einem Jahrzehnt kommt es in unregelmäßigen Abständen zu Angriffen gegen den Zahlungsdienstleister aus Aschheim östlich von München.

Am Mittwoch führte die Nachricht von einer internen Präsentation, in der angeblich betrügerische Geldflüsse beschrieben werden, zu einem Minus von zwischenzeitlich fast 25 Prozent. Zum Handelsende blieben noch rund 13 Prozent davon übrig.

Die Bankenaufsicht Bafin untersucht derzeit, ob es sich bei den jüngsten Berichten womöglich um Marktmanipulation handelt. Es gibt verschiedene Gründe, warum es am Aktienmarkt immer wieder zu Angriffen gegen Wirecard kommt:

1. Das Geschäftsmodell

Dass die Menschen in Zukunft weit mehr auf digitalem Weg bezahlen werden als heute, wird auch von Kritikern des Unternehmens nicht geleugnet. Wirecard sitzt mit seiner Technik an der Schnittstelle vom Händler zum Kunden und besitzt zudem eine eigene Banklizenz für die Abwicklung. Über die Rechner des Unternehmens laufen somit täglich riesige Summen in insgesamt 180 Währungen weltweit.

Das Wachstum dabei ist gigantisch. Erst am Mittwoch hatte der Konzern vorläufige Umsatz- und Ergebniszahlen für 2018 präsentiert, die rund 40 Prozent über dem Jahr davor lagen. In diesem Tempo soll es weitergehen. Als besonderes Aushängeschild von Wirecard gilt unter Experten die selbst entwickelte IT-Plattform, um sie ranken sich wegen ihrer hohen Sicherheitsstandards allerhand Mythen.

Etwa 2500 Mitarbeiter und damit die Hälfte der Belegschaft sind im Bereich Forschung und Entwicklung tätig. Diese stetig wachsende und kaum durchschaubare Komplexität im Vergleich zu traditionellen Branchen macht es Angreifern einfach, Meldungen zu verbreiten.

2. Der Auslandsanteil

Wirecard ist eine deutsche Aktiengesellschaft, drei der vier Vorstände sind Österreicher. Mehr als die Hälfte des Geschäfts läuft mittlerweile jedoch in Asien, vor allem in China. Die Menschen dort haben anders als in Deutschland den Übergang zum bargeldlosen Bezahlen fast schon vollzogen.

Inzwischen sitzt deswegen auch die Mehrzahl der Wirecard-Mitarbeiter in Asien. Dort lag in der Vergangenheit – und auch am Mittwoch – der Ursprung der Meldungen um das Unternehmen. Aufgegriffen wurden diese Anschuldigungen von der „Financial Times“.

Auch dieses Muster gab es in der Vergangenheit bereits. Im Jahr 2015 sorgte dort der Blog „House of Wirecard“ für einen deutlichen Kursverlust beim Zahlungsdienstleister. Ein Jahr später wurde die kritische Analyse des bis dato unbekannten Researchdienstes Zatarra in dem Blatt aufgegriffen und ließ den Börsenwert um 1,3 Milliarden Euro sinken. Im Dezember 2018 hat die Staatsanwaltschaft München gegen einen Verantwortlichen von Zatarra Anklage wegen Marktmanipulation erhoben.

3. Die Volatilität

Keine Aktie im Dax ist so sehr in Bewegung wie Wirecard. Bestenfalls kommt noch Infineon in die Nähe. Das liegt zum einen am enormen Wachstumspotenzial, zum anderen an der weitaus höheren Bewertung als bei den 29 anderen Titeln. Laufen die Geschäfte, läuft die Aktie besser als der Rest. Gerät die Konjunktur ins Trudeln, verliert sie mehr.

Das ist die eine Seite. Die andere ist umstrittener: Schon in der Vergangenheit wurde ein niedriger zweistelliger Prozentsatz an Wirecard-Aktien für Wetten gegen das Unternehmen genutzt. Wer sich so verhält, der leiht sich die Aktien gegen eine Gebühr, verkauft sie anschließend und hofft, dass der Kurs fällt, um sie dann wieder dem Verleiher zurückgeben zu können. Je tiefer der Kurs dann gefallen ist, desto günstiger kauft er ein und desto höher ist letztlich sein Gewinn.

4. Die Historie

Noch immer hängt Wirecard die Vergangenheit nach. In den Anfängen des Internets rund um die Jahrtausendwende verdiente Wirecard Geld mit dem, was damals über das Netz abgewickelt wurde. Häufig ging es dabei um Glücksspiel oder Pornografie. Das macht Wirecard auch heute noch, der Anteil am Gesamtumsatz ist jedoch mittlerweile überschaubar.

Trotzdem tauchte im November 2017 ein Bericht auf, in dem Wirecard geschäftliche Verbindungen zu Online-Casinos vorgeworfen wurde. Beihilfe zum illegalen Glücksspiel soll der Konzern dabei geleistet haben. Die Aktie geriet unter Druck, Ermittlungen wurden damals aber nicht aufgenommen.

5. Die Saisonalität

Angriffe gegen Wirecard gab es in der Vergangenheit häufig Ende Januar und im Februar. Die Intuition dahinter ist schnell erklärt. In dieser Zeit sind alle Börsianer wieder aus den Weihnachtsferien zurück, die Handelssäle sind voll besetzt, maximale Aufmerksamkeit ist gewährleistet.

Zudem gilt diese Phase im Jahr als solche, in der die Börsianer gerne etwas wagen, experimentieren und für Neues offen sind. In späteren Phasen im Jahr ist dann vieles an der Strategie festgelegt, die Spontaneität fehlt. Zu Jahresbeginn dominiert indes die Einstellung, es könne mit etwas mehr Risiko schon mal ein Gutteil der Performance fürs Jahr eingefahren werden. Zum anderen besteht aber auch noch genügend Zeit zum Umschwenken, sollten sich die Dinge in die falsche Richtung bewegen.

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