Kursverfall an der Börse Deutsche-Bank-Aktie rutscht auf Finanzkrisen-Niveau

Zeitweise größter Verlierer im Dax und eine wichtige Marke nach unten durchbrochen: Bei der Aktie der Deutschen Bank ziehen Anleger die Notbremse. Das Vertrauen in Deutschlands größtes Geldhaus schwindet.
18 Kommentare
Kritik von Analysten und hohe Hürden bei der Postbank-Abspaltung belasten die Aktie des Instituts. Quelle: Reuters
Rolltreppen-Notbremse vor der Deutschen-Bank-Zentrale

Kritik von Analysten und hohe Hürden bei der Postbank-Abspaltung belasten die Aktie des Instituts.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf/FrankfurtZum ersten Mal seit den Tiefen der globalen Finanzkrise im März 2009 ist die Aktie der Deutschen Bank unter den Wert von 20 Euro pro Anteilsschein gefallen. Am Donnerstagvormittag notierte das Papier des größten deutschen Geldhauses auf einem Niveau von 19,81 Euro und damit über fünf Prozent unter dem Niveau des Vortages. Die Aktie war damit zeitweise größter Verlierer im Dax, der zur gleichen Zeit 3,3 Prozent im Minus notierte.

Am Morgen hatte ein Research-Papier der französischen Großbank Société Générale für Aufsehen gesorgt. Darin standen deftige Sätze der Analysten des Konkurrenten. So werde die Deutsche Bank in weiten Kreisen als Geschäft „ohne Qualität“ gewertet, das keine Verbesserung der Aktieneinschätzung rechtfertige.

Analyst Andrew Lim behielt seine Einstufung für das Papier auf „Verkaufen“ und senkte das Kursziel von 25 auf 20 Euro. Die Kapitalausstattung stelle ein Risiko dar und weiterhin belasteten Rechtsrisiken die Aktie. Unter anderem droht der Deutschen Bank in den USA eine hohe Strafe wegen des Vorwurfs, Sanktionen im Russland-Geschäft umgangen zu haben.

Seit 2009 hat die Deutsche Bank zwar mehrere Kapitalerhöhungen unternommen und so die Zahl der ausstehenden Aktien deutlich erhöht. Dennoch zeigt sich auch in diesem Jahr, dass es der Aktie an Fans mangelt. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus des Papiers zwölf Prozent.

Diese Banken sind groß – und daher gefährlich
Klasse 1
1 von 12

Der Finanzstabilitätsrat teilt die Banken in fünf Klassen ein. In der ersten Klasse befinden sich laut der vorgesellten Liste 18 Banken, die nicht als besonders systemrelevant gelten – eine mehr als im Vorjahr. Sie müssen nur ein Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Unter diesen nicht besonders gefährlichen Banken befinden sich Geldhäuser wie die Schweizer Großbank UBS, die Société Générale, die Santander, Credit Agricole, die Royal Bank of Scotland und die Bank of China. Neu hinzugekommen in diese Gruppe ist die US-Bank Morgan Stanley, die im Vorjahr noch einen höheren Kapitalpuffer vorhalten musste.

Klasse 2 – Morgan Stanley
2 von 12

Die amerikanische Großbank Morgan Stanley landet auf Platz 11. Sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Seit der weltweiten Finanzkrise konzentriert sich Morgan Stanley stärker auf die Vermögensverwaltung. Damit soll das Geschäft weniger schwankungsanfällig werden.

Klasse 2 – Mitsubishi UFJ FG (MUFG)
3 von 12

Die Mitsubishi UFJ FG (MUFG) muss ebenfalls 1,5 Prozent Kapital als Zuschlag vorhalten. Zu der japanischen Holdinggesellschaft gehört die Bank of Tokyo-Mitsubshi UFJ. Die Bankengruppe gehört im japanischen Leitindex Nikkei neben Toyota, Toshiba und Sony zu den Schwergewichten. Japanische Banken wie die MUFG profitieren derzeit von der extrem expansiven Geldpolitik der japanischen Notenbank. Sie erzielen bessere Ergebnisse als ihre schwächelnden Konkurrenten in Europa.

Klasse 2 – Goldman Sachs
4 von 12

Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird als „systemisch“ eingestuft, sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Im Sommer litt die Bank unter der Flaute an den Märkten. Ein florierendes Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen (M&A) konnte das dritte Quartal nicht retten: Der Nettogewinn brach um mehr als ein Drittel ein.

Klasse 2 – Credit Suisse
5 von 12

Die zweitgrößte Schweizer Großbank Credit Suisse gilt als gefährlicher als ihr Konkurrent UBS. Der neue Chef der Bank, Tidjane Thiam, baut das angeschlagene Institut derzeit kräftig um. Er kündigte eine Kapitalerhöhung, einen Sparplan und einen Vorstandsumbau an. Aufschlag: 1,5 Prozent.

Klasse 2 – Bank of America
6 von 12

Das größte Kreditinstitut der USA, die Bank of America, landet auf Platz 7 (Aufschlag: 1,5 Prozent). Die Bank hat die Finanzkrise überstanden und schreibt inzwischen wieder schwarze Zahlen.

Klasse 3 – Deutsche Bank
7 von 12

Die Deutsche Bank ist das einzige deutsche Geldhaus, das vom Finanzstabilitätsrat als systemrelevant eingestuft wird. Sie muss zwei Prozent Kapital vorhalten. Der britische Neu-Chef John Cryan greift momentan durch und zeigt mit einem umfangreichen Stellenabbau und dem Streichen der Dividende Härte.

„Wir werden alles tun, damit wir dieses Kapitel schnell schließen können“, hatte Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen am Mittwochabend mit Bezug auf die Altlasten der Bank gesagt. Der Kulturwandel bei der Bank werde weiter vorangetrieben. Der künftig alleinige CEO, John Cryan, baut derzeit mit gewaltigem Tempo die Bank um. Tausende Stellen werden abgebaut, wichtige Geschäftsbereiche etwa im Investmentbanking sollen schrumpfen und die Postbank soll abgespalten werden.

Wegen des geplanten Börsengangs der Postbank besteht derzeit Unsicherheit. So hängt der Erfolg der Abspaltung nach Informationen des Handelsblatts und der Nachrichtenagentur Reuters auch vom Votum der Steuerbehörden ab. Die Bank habe den Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit der Tochter anders als geplant zum Jahresende nicht gekündigt, sagten mehrere mit dem Prozess vertraute Personen.

Beherrschungsverträge müssen mindestens fünf Jahre laufen – das aber wäre bei der Postbank erst Ende 2016 der Fall. Eine vorzeitige Kündigung ist aus steuerlicher Sicht nur „aus wichtigem Grund“ möglich. Ob und unter welchen Bedingungen die Behörden den Börsengang als Grund anerkennen, halten Banker und Wirtschaftsjuristen für offen.

Das Finanzamt habe noch nicht entscheiden, ob es einer vorzeitigen Kündigung zustimme. Wenn nicht, drohen saftige Steuernachzahlungen, weil mit dem Beherrschungsvertrag Steuervorteile verbunden sind. „Das würde finanziell Schmerzen bereiten“, sagte ein Insider. Solange die Deutsche Bank keine Klarheit habe, werde es keinen Börsengang der Postbank geben, hieß es in Finanzkreisen.

Ziel der Abspaltung der Postbank bleibt bestehen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Kursverfall an der Börse - Deutsche-Bank-Aktie rutscht auf Finanzkrisen-Niveau

18 Kommentare zu "Kursverfall an der Börse: Deutsche-Bank-Aktie rutscht auf Finanzkrisen-Niveau"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Für wem, Herr Spiegel, schreiben Sie. Anträge gibt es beim Amt, die könnten Sie doch vollschreiben, wenn Sie morgens voll sind.

  • interessiert

  • Eigentlich interesiert mich dieser Artikel gar nicht, betrifft mich noch nicht mal.
    Ich habe kein Depot,keine Aktien und bin bei der Sparkasse.
    Aber Kommentare schreiben macht Spaß.
    Schade nur, dass die Kommentarfunktion schon um 20 Uhr geschlossen wird :(

  • So möge sich endlich eine der durchaus erfolgreichen und sehr viel größeren europäischen Spitzenbanken erbarmen und diese herabgewirtschaftete Deutsche Bank übernehmen. Die Riege der Manager, Breuer, Ackermann, Jain, Fitchen sollte sich schämen ob der Tatsache, was diese aus der ehemals großen Bank gemacht haben!
    Und nein, man kann ein schwaches und unfähiges Management nicht auf die Finanzkrise und die EZB abwälzen. es gibt sehr erfolgreiche Banken, auch diese hatten Finanzkrise.

  • Das ist der Grund für den vorläufigen Absturz.
    Neppich, die DB hat zu wenig Eigenkapital, weil die Amis ca, 9% sehen wollen,
    also können sie die Bilanz verkürzen, was verkaufen oder neu Aktien verkaufen.
    Alles nicht gut für den Kurs, daher wird er weiter fallen.

  • Ausgerechnet die Bank Société Générale reißt den Mund ziemlich weit auf. Sie, die vom deutschen Steuerzahler während die Griechenland Pleite gerettet wurde Ausgerechnet die.
    Seit mal bescheiden, die Deutsche Bank wird in den nächsten beiden Jahren keine Dividenden zahlen. Das ist der Grund für den vorläufigen Absturz.

  • Immer die letzte Dividende Sie Experte. Sie sollten nicht krakehlen sondern aufs Eigenkapital der DB achten, sofern Sie wissen was das ist.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Verglichen mit dem Goldmännchen ist bei der DB das
    Eigenkapital mager 4%, der Gewinn mager , die Dividende mager 0,75E, der Kurs mager 20E. und weg mit der Aktie.

  • Die Scheichs müssen überall derzeit raus das werden auch "internationale Premiumaktien" zu spüren bekommen, was das auch immer sein mag. Jeder hat in sein Portfolio nur "internationale Prämiumaktien" darum steigt immer alles.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%