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Marktbeobachter fürchten die Verstaatlichung des brasilianischen Bergbau-Riesen - Konzentration auf Erz hilft dem Papier Staatlicher Eingriff schadet CVRD-Aktie

Erst verkündete der brasilianische Bergbaukonzern Companhia Vale do Rio Doce (CVRD) unter dem Beifall der Analysten ein Rekordergebnis für das dritte Quartal. Doch dann schoss die den Konzern kontrollierende Regierung ein Eigentor: In einer Nacht- und Nebelaktion kaufte die staatliche Entwicklungsbank BNDES 8,5 % der Stimmaktien der Konzernholding für rund 500 Mill. $ zurück.

SAO PAULO. Diese Aktion war nicht mit der Regierung abgeklärt, sondern eine Einzelaktion des unberechenbaren Bankpräsidenten Carlos Lessa. Der linke Uniprofessor ist schon mehrfach mit seinem nationalistischen Kurs und chaotischen Aktionen aufgefallen. Mit der Erhöhung des Staatsanteils wolle man verhindern, dass der Konzern von einem ausländischen Konkurrenten übernommen werden könne, rechtfertigte sich Lessa in einer Sondersitzung in Brasília gegenüber Präsident Luiz Inácio Lula da Silva. Zusammen mit Previ, dem Pensionsfond der staatlichen Banco do Brasil besitzt die Regierung jetzt 60 % des Kapitals der CVRD-Holding (Valepar) und die Mehrheit der Sitze im Board des Unternehmens.

Die jüngste Maßnahme scheint vor allem gegen das japanische Erzunternehmen Mitsui gerichtet. Der Konzern besitzt einen Anteil von 18 % an brasilianischen Unternehmen. Würde es diesen Anteil auf 25 % erhöhen, besäße der japanische Konzern Vetorecht bei der CVRD. „So haben wir verhindert, dass der Konzern unter eine japanisch-brasilianische Führung kommt“, erklärt Lessa.

Hintergrund für die überraschende Aktion sind jedoch auch industriepolitische Ambitionen Lessas: Er will die Beteiligungen des Erzriesen in der Stahlindustrie des Landes nutzen, um eine eigenständige brasilianische Stahlbranche aufzubauen. „Wir wollen nicht für immer Erzexporteure sein“, erklärte Lessa.

Dass der BNDES-Chef für seine Eskapaden nicht gestraft wird, macht die Analysten unruhig: Droht eine Rückverstaatlichung des erst 1997 privatisierten Konzerns – immerhin eine der wichtigsten brasilianischen Aktien? Der Kurs des Wertpapiers, der seit Anfang Mai permanent gestiegen ist, reagierte zunächst mit einem Kursrutsch von 10%. Die Analysten sind vorsichtig geworden: Noch vor kurzem haben die meisten von ihnen die Aktie zum Kauf empfohlen. Jetzt haben sich die durchschnittlichen Empfehlungen erstmals leicht verschlechtert.

„Wenn die Regierung der CVRD die Strategien vorgeben wird, dann wird das den Profit schmälern und den Kurs drücken“, warnt Sebastian Luparia von JP Morgan. Dennoch glaubt kaum einer, dass sich am Strategieplan des Unternehmens bis 2010 so schnell etwas ändern wird.

Die Aktie des Bergbaukonzerns profitiert davon, dass die Aussichten für Eisenerz auf dem Weltmarkt weiterhin prächtig sind, vor allem wegen der stark gestiegenen Nachfrage aus China. „CVRD wird größere Mengen exportieren, bei weiter steigenden Preisen und profitiert zusätzlich von der stabilen lokalen Währung“, sagt Daniel Altman von Bear Stearns.

Durch massive Zukäufe hat der Konzern in den letzten Jahren sein Kerngeschäft der Eisenerzaktivitäten ausgebaut. Fünf Konkurrenten hat CVRD übernommen, darunter auch die brasilianische Thyssen-Tochter Ferteco. Damit ist der Konzern unangefochten die Nummer eins weltweit für Erz und Pellets. Die Analysten halten diesen größeren Eisenerzanteil für entscheidend für die künftige Renditeentwicklung der CVRD: Die drei dominierenden Anbieter auf dem Weltmarkt – CVRD, BHP Billiton und Rio Tinto – produzieren mit hohen Margen.

Der Konzern versucht zudem, das Brasilienrisiko zu verringern. Konzernpräsident Roger Agnelli will bei der Zentralbank erreichen, dass der Konzern seine Exporteinnahmen als Schuldgarantien verwenden darf, um so an den begehrten Investmentgrade zu gelangen. Zwar wird die CVRD bei Moody´s drei Grad besser als Brasilien insgesamt geführt. Doch mit dem Ba2-Risikoeinschätzung gelten Investitionen in die CVRD immer noch als hoch riskant. „Unser Ziel ist, das Unternehmensrisiko vom Land zu entkoppeln“, sagt Agnelli, „mit einem Investmentgrade könnten wir unsere Marktkapitalisierung um fast ein Viertel steigern.“ Doch mit der gestiegenen Staatsbeteiligung werden sich die Ratingagenturen eine Heraufstufung des Konzerns genau überlegen.

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