Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Marktüberblick Positive Halbjahresbilanz: Börsengänge in Deutschland auf höchstem Stand seit 20 Jahren

Weltweit sind im ersten Halbjahr so viele Unternehmen wie lange nicht an die Aktienmärkte gegangen. Nach der Sommerpause dürfte der Boom weitergehen.
30.06.2021 - 08:00 Uhr Kommentieren
Gutes Halbjahr für Börsengänge in Deutschland. Quelle: imago images/Marcel Lorenz
Frankfurter Skyline

Gutes Halbjahr für Börsengänge in Deutschland.

(Foto: imago images/Marcel Lorenz)

Frankfurt. Der weltweite Boom bei Börsengängen hielt im zweiten Quartal unvermindert an. Auch in Deutschland ist der Markt für die Initial Public Offerings – abgekürzt IPOs – auf Rekordkurs. In der zweiten Jahreshälfte erwarten Investmentbanker noch weitere, milliardenschwere Transaktionen.

„Die hohen Bewertungsniveaus und eine geringere Volatilität sorgen derzeit für ein positives Investorensentiment und einen regelrechten Ansturm aufs Parkett“, sagt Martin Steinbach, Partner und Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei der Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). „Im ersten Halbjahr verzeichneten wir in Deutschland das höchste Emissionsvolumen seit 20 Jahren – und weitere Börsenkandidaten sind in der Pipeline“, ergänzt der Experte.

Vieles spreche dafür, dass 2021 ein sehr erfolgreiches IPO-Jahr wird. Zu den Gründen heißt es, der Markt schätze das Risiko geopolitischer Schocks als gering ein, zudem sei nach wie vor „ungeheuer viel Liquidität im Markt“, die in einem Niedrigzinsumfeld nach attraktiven Anlagemöglichkeiten suche.

Mit 16 Börsengängen ergibt sich in Deutschland für das erste Halbjahr eine sehr positive Bilanz. Die IPOs von Vantage Towers (Funkmasten), Auto1 (E-Commerce), Suse (Software), About You (Mode), Synlab (Labordienste), Friedrich Vorwerk Group (Rohrleitungsbau) sowie einige mittelgroße und kleinere Emissionen addierten sich auf über 8,2 Milliarden Euro. Drei deutsche Unternehmen – Atotech, Atai Life Sciences und Mytheresa – zog es zudem an US-Börsen, das gesamte Emissionsvolumen betrug hier 1,3 Milliarden Dollar.

Der Emissionsreigen geht nach der Sommerpause weiter

Die größte Transaktion in Deutschland war der Börsengang von Vantage Towers, der im März 2,2 Milliarden Euro erlöste, gefolgt vom Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1, der bei seiner Erstnotiz im Februar 1,8 Milliarden Euro erzielte. Die drittgrößte Transaktion war der Börsengang von Suse mit einem Volumen von knapp 1,1 Milliarden Euro. Zudem kamen drei zunächst leere Börsenmäntel an den Markt, die nach Übernahmen Ausschau halten. 468 Spac I, Lakestar Spac I und Obotech Acquisition sammelten zusammen 750 Millionen Euro ein.

„Das positive Momentum aus dem ersten Quartal hat sich im zweiten Quartal fortgesetzt“, sagt Steinbach. Und weitere Börsengänge stünden unmittelbar bevor. Je nach Entwicklung der Konjunktur, der weiteren Impferfolge gegen Covid-19 und sofern geopolitische Schocks ausblieben, dürfte das Fenster für neue IPOs dann wieder nach der Sommerpause aufgehen.

Das Interesse potenzieller Kandidaten sei jedenfalls sehr groß, meint Steinbach. Aktuell läuft noch das IPO von Mister Spex (Online-Optiker), außerdem hat der Autozulieferer Novem den Startschuss gegeben und beim Solarparkbetreiber Blue Elephant Energy steht noch die Zeichnungsfrist aus. Rund 150 Millionen Euro will Blue Elephant über eine Kapitalerhöhung erlösen. Der bayerische Tastaturen-Hersteller Cherry feierte am Dienstag sein Debüt am Frankfurter Aktienmarkt.

„Für das zweite Halbjahr sind noch mindestens zehn IPOs in der Pipeline“, sagt Thorsten Pauli, Managing Director & Leiter Equity Capital Markets für den deutschsprachigen Raum bei der Bank of America (BofA). Außerdem werden die Spin-offs der Truck-Sparte von Daimler und der Antriebstechnik Vitesco von Continental erwartet, während das IPO des Öl- und Gasunternehmens Wintershall Dea, an dem der Chemiekonzern BASF beteiligt ist, verschoben wurde.

In diesem oder im nächsten Jahr sehen Investmentbanker auch noch das Vergleichsportal Check24, die Dating-Plattform Parship und den Mobilitätskonzern Flixmobility als IPO-Kandidaten, auch der Online-Modehändler Best Secret sowie der E-Commerce-Uhrenhändler Chrono24.

Oftmals kommen die Kandidaten aus dem Bestand von Private-Equity-Häusern, was sich im weiteren Jahresverlauf fortsetzen dürfte. „Wir erwarten, dass einige Finanzinvestoren sich für Börsengänge für Unternehmen aus ihren Portfolios entscheiden werden. Klar ist aber auch, dass diese nicht die einzige Quelle für Börsengänge sein werden“, sagt Patrick Frowein, Co-Leiter des Investmentbankings der Deutschen Bank in Europa.

Auch bei der Credit Suisse konstatiert man, dass in Europa eine „IPO-Bonanza“ losgebrochen ist. „Die Pipeline sieht sehr gut aus“, sagte Joachim von der Goltz, Leiter Equity Capital Markets Nordeuropa bei der schweizerischen Großbank. Auch die Kursschwankungen seien derzeit moderat, was weitere IPOs begünstigen dürfte.

Der Volatilitätsindex VIX lag zuletzt bei knapp 16 Punkten im grünen Bereich. Das Bewertungsniveau sei zwar erhöht, aber noch nicht zu teuer. Die jüngsten Börsengänge habe der Kapitalmarkt sehr gut aufgenommen, so von der Goltz. Tatsächlich haben sich etwa Aktienkäufe von Vantage oder Suse aus Sicht der Kleinanleger bisher gelohnt.

Die meisten Börsengänge finden in Fernost statt

Auch global gesehen präsentierte sich der IPO-Markt im zweiten Vierteljahr in hervorragender Verfassung. Insgesamt wagten zwischen April und Juni weltweit 589 Unternehmen den Sprung aufs Parkett – dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Das Emissionsvolumen kletterte laut EY um 152 Prozent auf 106 Milliarden Dollar.

Das stärkste Wachstum wurde in Europa registriert, im Vergleich zum Vorjahresquartal hat sich die Zahl der Börsengänge von 27 auf 142 mehr als verfünffacht, das Emissionsvolumen stieg von 6,4 auf 21,1 Milliarden Dollar.

Die meisten Börsengänge wurden aber erneut in China und Hongkong registriert: Dort wagten im zweiten Quartal 161 Unternehmen den Schritt an die Börse, das waren 81 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Emissionsvolumen stieg um 66 Prozent auf 30,9 Milliarden Dollar. Auch in den USA entwickelte sich das IPO-Geschehen sehr dynamisch, das wurde mit 37,1 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt.

Im ersten Halbjahr zogen vor allem Tech-Unternehmen das Interesse der Investoren auf sich: Gut jeder vierte Börsengang weltweit und sogar 39 Prozent des gesamten Emissionsvolumens entfielen auf Technologieunternehmen. „Der Digitalisierungstrend, der durch die Pandemie noch mal enorm verstärkt wurde, rückt digitale Geschäftsmodelle in den Mittelpunkt des Investoreninteresses“, beobachtet Steinbach.

Der größte Börsengang im bisherigen Jahresverlauf fand in Hongkong statt: Die Kurzvideoplattform Kuaishou Technology erlöste 6,2 Milliarden Dollar. An zweiter Stelle rangiert die Erstnotiz des südkoreanischen Onlinehändlers Coupang mit einem Emissionsvolumen von 4,6 Milliarden Dollar, gefolgt vom Börsengang des polnischen Paketdienstleisters Inpost und der Warenhaus- und Logistiksparte von JD.com.

Börsenmäntel befeuern das Geschäft

Das Phänomen der leeren Börsenhüllen, die über Firmenkäufe gefüllt werden sollen, hält die Börsianer weiter in Atem. 305 dieser Mantelgesellschaften – oder Special Purpose Acquisition Corporations (Spacs) – wurden im ersten Quartal gelistet und erzielten ein Emissionsvolumen von 98,6 Milliarden Dollar. Im zweiten Quartal kamen 63 solcher Transaktionen mit einem Volumen von 13,4 Milliarden Dollar hinzu.

Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2020 waren 255 Emissionen mit einem Gesamtvolumen von 81,5 Milliarden Dollar registriert worden. Von den 368 Spacs im ersten Halbjahr 2021 entfielen 350 auf US-Börsen. „Nach wie vor sind Spacs weitgehend ein US-Phänomen, aber das Interesse ist auch hierzulande sehr groß“, sagt Steinbach.

An europäischen Börsen waren im Jahr 2020 insgesamt sechs Spacs gezählt worden, im ersten Halbjahr 2021 waren es 18 mit einem Emissionsvolumen von insgesamt fünf Milliarden Dollar. „Über 420 gelistete Mantelgesellschaften sind nun auf Akquisitionstour, auch in Europa. Die Spac-Kassen sind mit über 134 Milliarden Dollar prall gefüllt, sodass mit mehr indirekten Börsengängen von europäischen Kandidaten über diesen Weg und überwiegend in den USA gerechnet werden kann“, so Steinbach.

Allerdings wird es in Deutschland keinen vergleichbaren Hype wie in den USA geben. „Der Spac-Boom hat sich abgekühlt, in Deutschland werden wir vielleicht noch ein knappes Dutzend neuer Börsenmäntel sehen“, glaubt Investmentbanker Pauli.

Mehr: Perella-Weinberg-Chef: „Europäische Spacs können von den Fehlern der Amerikaner lernen“

Startseite
Mehr zu: Marktüberblick - Positive Halbjahresbilanz: Börsengänge in Deutschland auf höchstem Stand seit 20 Jahren
0 Kommentare zu "Marktüberblick: Positive Halbjahresbilanz: Börsengänge in Deutschland auf höchstem Stand seit 20 Jahren"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%