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Microsoft, Google, Apple Facebook-Panne zieht Tech-Aktien herunter – doch für den Kursrutsch gibt es mehrere Gründe

Nach dem Ausfall von Facebook geraten auch die Aktien von Microsoft, Apple und Google unter Druck. Politik und Zinsentwicklung setzen den Kursen ebenfalls zu.
05.10.2021 - 17:00 Uhr Kommentieren
Einen derart heftigen Verlust bei der Facebook-Aktie wie am Montag gab es zuletzt im November 2020. Quelle: imago images/Cris Faga
Facebook-Kurse deutlich im Minus

Einen derart heftigen Verlust bei der Facebook-Aktie wie am Montag gab es zuletzt im November 2020.

(Foto: imago images/Cris Faga)

Frankfurt Es war ein Schock, nicht nur für die etwa 3,5 Milliarden Nutzer, die auf Facebook, WhatsApp oder Instagram unterwegs sind. Der stundenlange Ausfall der Facebook-Dienste am Montag traf auch Investoren hart. Die Facebook-Aktie verlor am Montag fast fünf Prozent. Einen so großen Tagesverlust hatte das Papier zuletzt Anfang November vergangenen Jahres erlitten.

Facebook räumte am Dienstag ein, dass der Ausfall wegen Konfigurationsfehlern selbst verschuldet war. Der Datenverkehr zwischen den Rechenzentren war deshalb zusammengebrochen. Schon zuvor stand der Konzern wegen der Enthüllungen der Whistleblowerin Frances Haugen unter Druck. Sie wirft dem Onlinenetzwerk vor, Profit über das Wohl der Nutzer zu stellen.

Das wirft ein Schlaglicht auf die fünf größten US-Tech-Giganten, die nicht erst seit gestern an der Börse unter besonderer Beobachtung stehen. Die Aktien von Apple, Microsoft, der Google-Mutter Alphabet, Amazon und Facebook liegen deutlich unter ihren in diesem Jahr erreichten Allzeithochs. Am Dienstag stiegen sie im frühen Handel nur leicht.

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Für den Kursverfall gibt es nach Ansicht von Analysten mehrere Gründe. Der wichtigste: der Anstieg der Anleiherenditen in den USA. Höhere Kapitalmarktzinsen sind nach Ansicht von Mike Mullaney, einem der leitenden Kapitalmarktstrategen bei Boston Partners, die „Achillesferse“ für die Technologiewerte.

Die Erklärung dafür ist folgende: Tech-Unternehmen sind stark wachstumsgetrieben bzw. wachstumsorientiert. Die Entwicklung der Aktienkurse hängt in besonderem Maße davon ab, welche Erträge Investoren in der Zukunft erwarten. Die künftigen Gewinne werden bei höheren Kapitalmarktzinsen aber stärker auf die Gegenwart abgezinst, sind also gegenwärtig weniger wert. Anders ausgedrückt: Die Aktien von Wachstumsunternehmen verlieren schon allein aufgrund des höheren Kalkulationszinses in den Modellen von Analysten an Wert.

Steigende Anleiherenditen belasten

Die Kapitalmarktzinsen – gemessen an der Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen – sind seit Anfang August von unter 1,2 Prozent auf 1,5 Prozent und damit den höchsten Stand seit Juni gestiegen. Der größte Teil des Anstiegs erfolgte nach der jüngsten Sitzung der US-Notenbank (Fed) in der vergangenen Woche.

Zentralbankchef Jerome Powell hatte relativ unverblümt angekündigt, dass die Fed im November einen Fahrplan für die Reduzierung ihrer monatlichen Anleihekäufe von noch 120 Milliarden Dollar pro Monat vorlegen wird. Gleichzeitig erwartet die Hälfte der Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses der Notenbank die erste Zinserhöhung schon im Jahr 2022 – und damit ein Jahr früher als die Märkte vermutet hatten. Die extrem lockere Geldpolitik hatte die Rally an den Aktienmärkten in den vergangenen Jahren aber entscheidend begünstigt.

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Skeptischer sehen Investoren die Technologiewerte aber auch aus politischen Gründen. Die Marktmacht der Konzerne beunruhigt die Politik schon lange. In den USA sind sich Demokraten und Republikaner einig, dass die Konzerne stärker reguliert werden sollten.

Der republikanische Senator Lindsay Graham beklagte schon Anfang des Jahres auf Twitter: „Big Tech sind die einzigen Unternehmen in Amerika, die praktisch absolute Immunität haben, für ihre Handlungen verklagt zu werden – und das nur, weil der Kongress ihnen Schutz gewährt hat.“

Ein Problem für die Branche ist außerdem der interne Machtkampf. Zum Schutz der Privatsphäre müssen Nutzerinnen und Nutzer bei den Apple-Geräten iPhone und iPad der Sammlung persönlicher Daten aktiv zustimmen. Das schränkt die Werbemöglichkeiten besonders von Facebook und Google ein.

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Die Entwicklung der Aktien der Tech-Giganten ist deshalb so wichtig, weil sie – auch nach dem Kursrutsch – gemessen an ihrem Börsenwert die fünf wertvollsten Unternehmen der USA sind. Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon und Facebook haben zusammen einen Anteil von mehr als 22 Prozent am breiten Leitindex S&P 500 und von gut 14 Prozent am breiten Index MSCI World.

Seit der Finanzkrise sind die Kurse der großen Technologieaktien in die Höhe geschnellt. Der Siegeszug des mobilen Internets, der im Prinzip mit der Einführung des iPhones im Jahr 2007 begann, bescherte den Technologieunternehmen enorme Gewinne – in den Bilanzen und an der Börse.

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Einen neuen Schub bekamen die Tech-Werte im vergangenen Jahr. Sie profitierten davon, dass sich das Alltagsleben in die virtuelle Welt verlagerte und gleichzeitig Unternehmen die Digitalisierung massiv vorantrieben.

Auch für die kommenden Jahre erwarten die meisten Analysten für die großen Technologiekonzerne überdurchschnittliche Gewinne. Christian Preussner, Investmentspezialist für US-Aktien bei JP Morgan Asset Management, erklärt das damit, dass viele aus der Coronapandemie hervorgegangenen Trends „auch in Zukunft eine größere Rolle spielen werden“.

Aktien von Facebook und Amazon haben besonders viel verloren

Doch der Gegenwind wird rauer – und das zeigt sich eben auch an der Börse. Besonders hart hat es die Aktien von Facebook und Amazon getroffen. Sie notieren knapp 14 beziehungsweise gut 13 Prozent unter ihren in diesem Jahr erreichten Rekordständen. Damit befinden sie sich inmitten einer Korrektur. Davon sprechen Strategen, wenn eine Aktie mindestens zehn Prozent unter ihrem jüngsten Hoch liegt.

Die Aktien von Apple sind mit einem Abschlag von knapp elf Prozent von ihrem Rekordhoch im September ebenfalls im Korrekturmodus. Bei Alphabet und Microsoft ist es noch nicht ganz so weit – aber auch hier haben die Kurse seit September zwischen sechs und sieben Prozent an Wert eingebüßt.

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Am Optimismus der Analysten rüttelt die jüngste Bewegung aber kaum. Bei den fünf großen Tech-Werten überwiegen die Kaufempfehlungen. Selbst bei der Facebook-Aktie zogen nur wenige Analysten wie Ingo Wermann von der DZ Bank ihre Kaufempfehlung zurück. Wermann fasst seine Entscheidung so zusammen: „Werbeeinnahmen in Gefahr, Ansehen am Boden, Dienste offline.“ Laut dem Informationsdienst Bloomberg raten aber immer noch über 80 Prozent der Analysten, die die Facebook-Aktie beobachten, zum Kauf.

Einhellig auf „kaufen“ lauten die Empfehlungen bei Amazon. Das ist schon seit Juni so, obwohl das Papier inzwischen sogar leicht unter den Stand vom Jahresanfang gerutscht ist. Das liegt vor allem daran, dass der Onlinegigant im zweiten Quartal nicht ganz so stark gewachsen ist.

Analysten erwarten aber, dass sich das wieder ändert. Für Eric Sheridan von Goldman Sachs bleibt Amazon jedenfalls „eine der wichtigsten Investmentideen“ für die nächsten ein bis eineinhalb Jahre.

Mehr: Facebook nennt Konfigurationsfehler als Ursache für Ausfall

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