Missglückte Investorenkonferenz Commerzbank-Aktie gerät unter Druck

Commerzbank-Chef Martin Blessing macht auf einer Investorenkonferenz in London keine gute Figur. Analysten sind enttäuscht. Sie hatten sich mehr Tempo beim Umbau der Bank erhofft. Die Aktie gibt kräftig nach.
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Der Umbau der Commerzbank zieht sich hin. Quelle: dpa

Der Umbau der Commerzbank zieht sich hin.

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FrankfurtEin Abendessen mit Folgen: Die Commerzbank-Spitze hat Analysten bei einem Treffen in London mit Aussagen zum Geschäftsverlauf und zur Strategie des Instituts enttäuscht. Die Aktien des zweitgrößten deutschen Geldhauses gingen daraufhin am Mittwoch auf Talfahrt. Zeitweise verloren die Papiere 6,7 Prozent auf 8,72 Euro und waren damit mit Abstand größter Verlierer im Leitindex Dax.

Vorstandschef Martin Blessing und sein Team hatten laut Analysten bei dem Abendessen vor einer Investorenkonferenz von Bank of America/Merrill Lynch keine Hoffnung gemacht, dass es mit der Commerzbank bald bergauf gehe. Außerdem hätten die Frankfurter Banker nicht den Eindruck vermittelt, dass sie es eilig hätten, problembehaftete Papiere mit Verlust zu verkaufen und die Bilanz zu reinigen, erklärten die Experten von JPMorgan. „Das ist aus unserer Sicht enttäuschend.“

Die Commerzbank ist dabei, das Geschäft mit Schiffs-, Immobilien- und Staatskrediten abzubauen. Zur Jahresmitte standen hier noch 136 Milliarden Euro zu Buche, am Jahresende will die Bank unter der Marke von 125 Milliarden liegen. Einige Investoren hatten sich aber schnellere Fortschritte erhofft - und fürchten nach den zurückhaltenden Äußerungen von Blessing böse Überraschungen. „Die Commerzbank war nicht in der Lage oder willens, für das Nichtkerngeschäft eine Bruttorendite zu nennen. Deshalb ist zu vermuten, dass die um Risiken bereinigte Rendite enttäuschend niedrig ist“, sagte einer von ihnen.

Die Commerzbank lehnte eine Stellungnahme zu dem Abendessen ab und verwies auf ihre Präsentation auf der Investorenkonferenz. Die Bank hat im ersten Halbjahr rote Zahlen geschrieben vor allem wegen hoher Kosten für den Stellenabbau und des verlustträchtigen Verkaufs des Geschäfts mit gewerblichen Immobilienfinanzierungen in Großbritannien.

Die Verschuldungsquote (Leverage Ratio) bei vollständiger Anwendung der Basel-III-Regeln betrug Mitte des Jahres 3,2 Prozent. Diese Kennzahl, die nach dem Willen der Aufsichtsbehörden künftig eine wichtigere Rolle spielen soll, setzt das Eigenkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme. Bis Ende 2014 peile die Commerzbank eine Quote von 4,5 Prozent an, erklärten die Analysten von JPMorgan nach dem Abendessen.

Mit einem möglichen Verkauf der Commerzbank, über den in den vergangenen Monaten immer mal wieder spekuliert wurde, rechnet die Bankspitze nach Einschätzung von JPMorgan nicht. „Das Management scheint nicht besorgt zu sein und hält ein Angebot vor dem 'Asset Quality Review' für sehr unwahrscheinlich.“ Die „Asset Quality Review“ ist ein Teil der Prüfungen, mit denen die Aufsichtsbehörden die Robustheit der Geldhäuser vor der Übernahme der Bankenaufsicht durch die Europäische Zentralbank Ende 2014 sicherstellen wollen.

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12 Kommentare zu "Missglückte Investorenkonferenz: Commerzbank-Aktie gerät unter Druck"

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  • Man könnte Ihren "offenen Brief" auch ehrlicher ausdrücken.

  • @Hoepping

    Klasse! ;-)

  • Sehr geehrte Damen und Herren,
    die Commerzbank ist kein Tante Emma Laden und hat ein sehr grosses Potential. Ich bin sicher daß die Commerzbank wieder hochkommt, jedoch braucht das sehr viel Geduld. Bitte gebt den Leuten Zeit.

  • Offener Brief an Herrn Martin Blessing.

    Sehr geehrter Herr Blessing,
    ich möchte Ihnen auch mal etwas Versöhnliches schreiben. Wüsste Kritik gibt es ja reichlich. Ihr Vorsatz, den Umbau der Commerzbank zu Ende zu führen, ehrt sie. Sie haben den Aktionären der Commerzbank einen großen Schaden zugefügt und wollen das wieder ausgleichen. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass Ihnen das zu Lebzeiten gelingen wird. Die 30 Jahre, die auf die Übernahme der Dresdner Bank folgen, werden in der Firmengeschichte vermutlich irgendwann als die „Verlorene Generation“ Erwähnung finden.

    Auch persönlich habe ich Verständnis. Als Nachfahre einer Familie von großen Bankiers wollen Sie nicht als der Familienversager Ihre berufliche Laufbahn beenden. Mit einer neuen Aufgabe in einer deutschen Bank oder als Manager in einem deutschen Konzern können Sie wirklich nicht rechnen. Jeder Mensch hat irgendein Talent oder eine Begabung. Nur weil Sie unfähig sind, eine Bank zu führen, können müssen Sie nicht unglücklich sein. Vielmehr würde ich Ihnen empfehlen, sich neu zu erfinden und Ihre wahre Berufung zu finden.

    Ich halte Sie für einen ehrenvollen Mann. Sie werden selbst irgendwann zu der Erkenntnis kommen, dass Sie nicht ewig zum Schaden der Aktionäre der Commerzbank leben wollen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    einer Ihrer Aktionäre.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Hätten die beiden einen erstklassigen Job gemacht, würde die Bank nicht mit so einem beschissenen KBV von 0,41 dar stehen. Warum dieses schön Gerede wo es nichts aber gar nichts schön zu reden gibt!

  • Müller und Blessing machen einen erstklassigen Job. Die Mitarbeiterzahl wurde von über 63.000 auf unter 49.000 gesenkt. Das Goldene Kalb Quartalszahlen muß endlich mal begraben werden. Sanfter Mitarbeiterabbau ist angesagt - oder wollten Sie verantwortlich sein für eine steigende Selbstmordrate in der CoBa !?!?!

  • Die Commerzbank wird vom "Markt" gnadenlos bestraft, weil sie im Feuer stehende Kreditrisiken nicht mit Verlust verscherbelt, dabei ist absehbar das diese Risiken sich ab nächstem Jahr ohne Verluste allmählich auflösen werden. Jeder Reeder, nicht nur in dieser Republik, sagt, ab nächstem Jahr werden die Frachtraten, nach dann sechs schrecklichen Jahren, wieder rasant anziehen und zum Beispiel die infrage stehenden Schiffskredite entlasten. Nur weil großen und asozialen Investmenthaien ein vermeintlich gutes Geschäft entgeht wird die Commerzbank seit Monaten unter Wert schlecht geredet, selbst als die Erholung des Aktienkurses in vollem Gange war. Den Leerverkäufern wurde richtig die Fresse poliert und jetzt versuchen sie es wieder, so einfach ist das!

    Natürlich ist das Image der Commerzbank, gerade wegen Müller und Blessing, völlig im Eimer gar keine Frage, deshalb müssen auch beide weg!

    Dennoch, zeigt mir mal eine Bank in Europa die derzeit diesen Kundenzuwachs verzeichnet. Mit einer anderen Führung und ohne weitere Fehler hat die Commerzbank eine mittelfristige Chance wieder zum Buchwert von ca. 22 Euro aufzuschließen, natürlich nur wenn uns nicht der Himmel auf den Kopf fällt.

  • Ich glaube Sie wissen nicht wie eine Aktiengesellschaft funktioniert. Bei 25% liegt die Sperrminorität. Will heissen; wer 25% der Aktien hält kann jede Entscheidung blockieren aber keine Entscheidungen durchsetzen. Der Deutsche Staat hält aber nur noch 17% der Aktien und hat daher nicht einmal mehr die Sperrminoritàt in der Hand. Ergo hat der Deutsche Staat auch nicht die Befugnis die Commerzbank AG "abzuwickeln".

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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