Mittelständler an der Börse Nicht zu viel auf dem Golfplatz herumstehen

Ein Analystenhaus hat das Management der deutschen Mittelständler an der Börse unter die Lupe genommen. Wer als Chef die Klatschspalten ziert und beim Golfen trödelt, sammelt Minuspunkte.
Nicht zu oft auf dem Golfplatz stehen und das eigene Ego klein halten – laut den Oddo-Analysten ist so ein Manager-Verhalten auch für den Aktienkurs gut. Quelle: IMAGO
Manager im Mittelstand

Nicht zu oft auf dem Golfplatz stehen und das eigene Ego klein halten – laut den Oddo-Analysten ist so ein Manager-Verhalten auch für den Aktienkurs gut.

(Foto: IMAGO)

FrankfurtDer Mittelstand gilt weltweit als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft – aber die „hidden champions“ machen ihrem Namen alle Ehre und tauchen kaum auf an der Börse. Sie scheuen Hauptversammlungen und das Urteil der Analysten, die Strategie ist oft eine Familienangelegenheit. Aber es gibt trotzdem einige wenige Perlen auf dem Kurszettel, die jetzt das Wertpapier-Analysten von Oddo Securities aufgespürt haben. Das Team unter Leitung von Jean-Philippe Desmartin konzentriert sich bei der Analyse auf die Qualität des Managements und die Personalpolitik der Unternehmen. Dafür wurden 21 Kriterien erstellt.

Extrem wichtig ist dabei, ob der Mann an der Spitze – der CEO – sowohl eine Führungskraft, ein Visionär als auch gleichzeitig eine vertrauenswürdige Persönlichkeit ist. „Er sollte kein Superstar sein, der die Bühne oder zu viele Mandate in Gremien sucht, nicht zu oft auf dem Golfplatz stehen und sein Ego nicht über die Sache des Unternehmens stellen“, sagt Desmartin. Kein Bling-Bling, fasst er kurz zusammen. Dafür untersuchen die Analysten schon mal via Google und in Gesprächen, wie „prominent“ der Chef ist. Wer zu oft „ich“ sagt anstatt „mein Team“ oder „mein Unternehmen“, der verursacht ebenfalls Stirnrunzeln. In die Bewertung fließen aber auch harte Fakten und Zahlen ein, etwa die Nachfolgeplanung, die Deckungsgleichheit zwischen Ankündigungen und Ergebnissen und die Erfolge und Fähigkeiten der übrigen Vorstandsmitglieder.
Außerdem sehen es die Analysten gerne, wenn sich die Top-Manager mit Aktien am Unternehmen beteiligen und wenn Akquisitionen ohne zu große Bremsspuren in der Bilanz verarbeitet werden. Schließlich gehört zu den Filtern für den Erfolg auch eine flache Hierarchie. Die Zufriedenheit der Mitarbeiter wird zum Beispiel über die Messung von streik- oder krankheitsbedingten Ausfalltagen ermittelt.
Die Analysten von Oddo Securities haben so aus 76 deutschen Midcaps eine Liste von 15 Unternehmen erstellt, davon empfehlen sie besonders das Biotechnologieunternehmen Morphosys, den Kfz-Zulieferer Norma, das Werbeunternehmen Ströer und den Einzelhändler Zooplus zum Kauf. Alle Top 15 aus dem Mittelstand haben laut der Analyse in den vergangenen zehn Jahren um durchschnittlich 208 Prozent zugelegt verglichen mit 135 Prozent beim Marktbarometer MDax.

Welche mittelgroßen Aktien Analysten beeindrucken

STO SE & CO. KGAA INHABER-VORZUGSAKT. O.ST.O.N.

WKN
ISIN
DE0007274136
Börse
Xetra

-4,00 -3,80%
0,00€
Chart von STO SE & CO. KGAA INHABER-VORZUGSAKT. O.ST.O.N.
Sto
1 von 15

Sto ist ein international führender Hersteller von Farben, Putzen und Lacken aus Baden-Württemberg. Außerdem hat er sich auf Wärmedämmungssystemen spezialisiert. Die Aktie hat seit Januar rund zwei Prozent verloren. Doch die Oddo-Analysten bescheinigen ihr offenbar Potenzial.

Management Score: 68,5 von 100 Punkten

Quelle: Oddo Securities

SAF HOLLAND S.A. ACTIONS AU PORTEUR EO-,01

WKN
ISIN
LU0307018795
Börse
Xetra

-0,40 -3,04%
0,00€
Chart von SAF HOLLAND S.A. ACTIONS AU PORTEUR EO-,01
SAF Holland
2 von 15

Der LKW-Zulieferer SAF Holland hat seinen Firmensitz in Luxemburg, das operative Geschäft wird aber von Unterfranken aus gesteuert. Die Anleger dürften mit dem Unternehmen allerdings nicht sonderlich zufrieden sein. Seit Jahresbeginn hat die Aktie mehr als 13 Prozent verloren.

Management Score: 68,5 von 100 Punkten

Quelle: Oddo Securities

CEWE STIFTUNG & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005403901
Börse
Xetra

-0,10 -0,13%
0,00€
Chart von CEWE STIFTUNG & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.
Cewe
3 von 15

Europas größtes Fotoentwicklungsunternehmen, Cewe, dürfte Anlegern deutlich besser gefallen. Seit Jahresbeginn ist die Aktie im Plus. Seinen Sitz hat das Unternehmen in Oldenburg. Die Aktien sind im SDax gelistet.

Management Score: 68,5 von 100 Punkten

AXEL SPRINGER SE VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005501357
Börse
Xetra

+0,10 +0,17%
0,00€
Chart von AXEL SPRINGER SE VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Axel Springer
4 von 15

Ein gutes Management bescheinigen die Analysten auch dem im MDax notierten Medienkonzern Axel Springer.

Management Score: 68,5 von 100 Punkten

STRATEC BIOMEDICAL AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000STRA555
Börse
Xetra

-3,90 -6,03%
0,00€
Chart von STRATEC BIOMEDICAL AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Stratec Biomedical
5 von 15

Noch besser schneidet das Management von Stratec Biomedical ab. Das Unternehmen spezialisiert sich auf Schwangerschaftsdiagnostik.

Management Score: 69 von 100 Punkten

RATIONAL AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007010803
Börse
Xetra

+16,00 +2,48%
0,00€
Chart von RATIONAL AG INHABER-AKTIEN O.N.
Rational
6 von 15

Maschinen von Rational stehen in Mensen und Großküchen. Das Unternehmen aus Landsberg am Lech macht sich auch an der Börse ganz gut.

Management Score: 69,5 von 100 Punkten

STROEER SE & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007493991
Börse
Xetra

-0,12 -0,24%
0,00€
Chart von STROEER SE & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.
Ströer
7 von 15

Zuletzt hatte die Kölner Werbefirma Ströer gute Nachrichten für ihre Anleger. Im vergangenen Jahr gelang es dem Unternehmen, seinen Gewinn um rund 14 Prozent zu auf 824 Millionen Euro zu steigern. Analysten bescheinigen auch dem Management der Firma eine gute Performance.

Management Score: 70 von 100 Punkten

Wie sich familienbestimmte Konzerne nicht nur in Deutschland sondern weltweit schlagen, kann man übrigens am Solactive Global Family Owned Companies Index ablesen. Laut "Financial News" hat das Barometer seit dem Start 2005 auf Euro-Basis den MSCI World deutlich geschlagen. Schaut man sich den Index an, dann findet man neben bekannten Namen wie Campbell Soup oder Loews auch weniger populäre Adressen wie Hormel Foods, Canadian Tyre oder den Einzelhändler Colruyt.

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