Möbelhersteller Die Steinhoff-Aktie ist zu einem gefährlichen Zockerpapier geworden

Ein Bilanzskandal hat den Möbelriesen erschüttert. Auch wenn die Banken weiter stillhalten: Die Chancen für die Aktie stehen schlecht.
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Der Titel des Möbelriesen hat zwischenzeitlich 90 Prozent an Wert eingebüßt. Quelle: Steinhoff International
Steinhoff

Der Titel des Möbelriesen hat zwischenzeitlich 90 Prozent an Wert eingebüßt.

(Foto: Steinhoff International)

DüsseldorfEs waren die ersten einigermaßen glaubwürdigen Zahlen seit Jahren: Ende Juni haben externe Wirtschaftsprüfer der Aktie des schwankenden Möbelriesen Steinhoff doch noch einen gewissen Wert attestiert. Sie kamen auf 58 Cent, das Siebenfache des damaligen Börsenkurses von 7,5 Cent.

Die Aktie reagierte prompt: Wenige Tage später lag sie bei 22 Cent, gestern waren es zeitweise sogar 25 Cent, weil sich eine Einigung unter den Geldgebern abzeichnete. Das ist auf niedrigem Niveau eine ordentliche Wertsteigerung binnen drei Wochen. Doch auf eine dauerhafte Erholung des „Pennystocks“ sollten Anleger lieber nicht setzen.

Ein Bilanzskandal hatte das in Frankfurt notierte Papier Ende 2017 ins Bodenlose stürzen lassen. Von rund 3,50 Euro Kurswert waren über 90 Prozent verpufft. Großaktionäre wie der südafrikanische Milliardär Christo Wiese verloren große Teile ihres Vermögens.

Der Steinhoff-Konzern, der auch an der deutschen Möbelkette Poco beteiligt war, hatte in großem Umfang Gewinne geschönt und Vermögenspositionen aufgeplustert. Die Prüfer errechneten: Allein der Goodwill, der Mehrwert übernommener Firmen, war um zwei Milliarden Euro zu hoch angesetzt.

Insgesamt mussten die Rechnungsleger über elf Milliarden Euro, also fast zwei Drittel aller Vermögenspositionen, streichen. Die Werte hatten damit nur auf dem Papier existiert.

Steinhoff kämpft seither ums Überleben: Bei Bekanntwerden der Unregelmäßigkeiten haben Geldgeber und Lieferanten ihre Kreditlinien sofort gekappt. Der Konzern konnte sich nur mit immer neuen Verkäufen liquide halten: Den deutschen Poco-Anteil veräußerte man ebenso wie die österreichische Kette Kika/Leiner. Südafrikanische Töchter haben ihre Kredite an den Mutterkonzern zurückgezahlt. Sogar das Geschäftsflugzeug vom Typ Gulfstream 550 wurde versilbert.

Banken geben Steinhoff eine Atempause

Jetzt gibt es vielleicht eine Verschnaufpause: Ein Stillhalteabkommen der Kreditgeber läuft an diesem Freitag aus. Die Chancen stehen gut, dass es bis Ende 2020 verlängert wird. So lange wollen Banken und andere Investoren auf Rückzahlungen ihrer Kredite verzichten. Die Zinsen sollen über drei Jahre auflaufen. Damit gewinnt der Konzern Zeit, um seine Geschäfte auf eine solidere Basis zu stellen. Besonders der milliardenschwere Zukauf einer Matratzenkette in den USA hatte hohe Verluste beschert.

Doch auch wenn die Kreditgeber von der Commerzbank über JP Morgan bis hin zu neu eingestiegenen Hedgefonds nun erst einmal ihr Geld im Konzern lassen, heißt das noch nicht, dass Steinhoff als Ganzes überlebt – und für Aktionäre noch Werte übrig bleiben.

Die Schuldenlast von 10,6 Milliarden Euro ist erdrückend. Fast 600 Millionen Euro Verlust hat der Konzern im bis März 2018 laufenden Halbjahr geschrieben, trotz einiger gut laufender Handelsketten. Vor Abschreibungen und Steuern lag der Gewinn nur bei ein paar Hundert Millionen Euro. Die Schulden sind damit achtmal so hoch wie der Gewinn vor allen Abzügen (Ebitda): „Solch eine Quote ist für uns nicht akzeptabel“, sagt Saul Miller von der Johannesburger Vermögensverwaltung Truffle Asset Management.

Es sei nicht einmal eingerechnet, dass noch Gerichtsverfahren und Regressansprüche auf den Konzern zukommen. „Wir haben die Aktie nicht mehr in unserem Bestand“, erklärt Miller.

Eine Zerschlagung des Konzerns steht noch immer im Raum. Und selbst wenn der internationale Möbelriese fortbesteht, dürfte es zu weiteren Verkäufen von Randgeschäften kommen. Bis jetzt ist offen, ob sie sich zu Preisen veräußern lassen, die den von Wirtschaftsprüfern errechneten Wert widerspiegeln. Jeder Preisabschlag geht dabei zunächst auf Kosten des Eigenkapitals, also der Aktienbesitzer. Die Kreditgeber werden aus Verkaufserlösen zuerst bedient.

Die Zahlen der externen Wirtschaftsprüfer von PwC sind außerdem noch völlig unverbindlich. Erst im Dezember wollen sie mit testierbaren Ergebnissen kommen. Gut möglich, dass im weitverzweigten Firmenkonstrukt mit seinen vielen nicht bilanzierten Einheiten noch weitere böse Überraschungen lauern. Das jetzt noch errechnete Vermögen von 3,8 Milliarden Euro wäre dann rasch dahingeschmolzen.

Selbst Anleihebesitzer glauben aktuell nicht so recht daran, dass sie ihr an Steinhoff verliehenes Geld in Gänze wiedersehen. Die 2022 fällige Anleihe etwa notiert mit einem Abschlag von zwölf Prozent. Wer immer noch auf die Aktie wettet, hat kaum bessere Chancen als im Spielkasino.

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4 Kommentare zu "Möbelhersteller: Die Steinhoff-Aktie ist zu einem gefährlichen Zockerpapier geworden"

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  • Sehr geehrte Frau Hussla, sehr geehrte Leserbriefschreiber,

    ich würde gerne versuchen, zwischen den unterschiedlichen Auffassungen zu vermitteln. Mein erster Punkt ist, dass wir in Deutschland Meinungsfreiheit haben. Das bedeutet, dass jeder seine Meinung frei äußern und wegen seines Standpunktes nicht beschimpft werden darf.

    Nun kommt ein feiner Unterschied. Eine Meinung ist eben eine bloße Meinung, d.h. eine subjektive Einschätzung. Das verlangt, dass man sie auch als solche kenntlich macht. Wenn jemand beispielsweise sagt, "ich glaube, dass..." wird ihm niemand an den Karren fahren können. Damit macht er deutlich, dass es auch andere Auffassungen geben kann, dass sein eigener Glaube keine allgemeinverbindliche Wahrheit darstellt.

    Ist es wirklich zu viel verlangt, wenn jedermann seinen Meinungsbeitrag auch als eigene Meinung bezeichnet? Wenn er von vornherein nicht den Anspruch erhebt, im Besitz der ewigen Wahrheit zu sein? Vielleicht sogar sagt, dass er sich auch irren kann und sich gelegentlich schon geirrt hat? Oder möchte jemand als unfehlbar gelten? Dann soll er dies auch sagen.

  • Sehr geehrte Frau Hussla,

    die Warnung des Konzerns unterhalb der Meldungen bedeutet keineswegs, dass Sie mit Ihren Angaben im Recht sind. Die Warnung vor dem Handel mit eigenen Aktien ist in einer solchen Situation des Konzerns aus rechtlichen Gründen erforderlich. Es tut mir leid, dass Ihnen mein Ton nicht gefällt. Wenn Sie meinen, solche Kommentare schreiben zu müssen, sollten Sie wenigstens etwas Kritik vertragen. Es bleibt dabei, dass Sie mit Ihren Angaben im Grunde genommen, nichts Neues von sich gegeben haben, sondern wiederholt haben, was längst aus den Meldungen des Konzerns und der übrigen Medien ersichtlich (bekannt) ist. Bedauerlich ist aber, dass Sie mit Ihren Schlussfolgerungen m. E. viele Kleinanleger verschrecken und evtl. dazu verleiten, ihre Aktien aus Angst, womöglich mit Verlust, zu verkaufen (wollen Sie das wirklich?). Bitte teilen Sie der Öffentlichkeit Ihre Quellen mit, und sagen Sie uns, von welchen Insidern Sie sprechen, damit Ihre Angaben überprüfbar werden. Bitte gestatten Sie mir Ihnen höflich zu empfehlen, etwas mehr Zurückhaltung zu üben.

  • Lieber Herr Shokoui, der Konzern warnt selbst unter jeder Ad-hoc-Meldung vor dem Handel mit Steinhoff-Papieren. Die Zahlen der Wirtschaftsprüfer von PWC sind nur vorläufig. Noch immer stecken Milliarden Goodwill und Intangible Assets in der Bilanz. Der Aufsichtsrat schreibt selbst, dass er in dem Firmen-Geflecht noch nicht alle Einzelheiten durchschaut hat. Insider bestätigen, dass der Konzern als Ganzes noch lange nicht gerettet ist. Hätten Sie vor drei Wochen die Aktie gekauft, hätten Sie einen großartigen Gewinn gemacht. Aber viele haben viel mehr Geld damit verloren. Wenn Sie Spielgeld übrig haben, dann nur zu. Im Übrigen ist Ihr Ton nicht gerade passend.
    Schönen Gruß, G. Hussla

  • Der Artikel von Frau Gertrud Hussla besteht einerseits aus bereits längst bekannten Nachrichten, die anderweitig mehrfach kommentiert wurden, und andererseits aus ihren eigenen Schlussfolgerungen, die vollkommen abenteuerlich sind.
    Allein das Schlusswort: "Wer immer noch auf die Aktie wettet, hat kaum bessere Chancen als im Spielkasino" ist dermaßen dreist, um nicht zu sagen rufschädigend, dass Steinhoff sich überlegen sollte, Frau Gertrud Hussla zu verklagen.
    Die Angaben sind unbelegt. Woher will diese Redakteurin z. B. wissen, dass die Zerschlagung des Konzerns immer noch im Raum steht, und selbst wenn schon, heißt das noch lange nicht, dass dies unbedingt schlecht für die Aktionäre wäre, und insofern sind ihre Angaben auch vollkommen daneben (nicht fundiert). Wenn sie hellseherische Fähigkeiten hat, sollte sie besser Lotto spielen. Aktionäre die in Steinhoff investiert sind, aber auch andere Personen im Umfeld des Unternehmens müssen sich fragen, ob bei solchen Artikeln nicht Eigeninteressen und/oder Interessen von anderen Personen und/oder Gesellschaften im Vordergrund stehen. Was ich nicht verstehe, ist, dass Handelsblatt es zulässt, dass solche armselige Kommentare öffentlich gemacht werden. Mehr muss man zu diesem Kommentar einer offenkundig nicht sachkundigen Person nicht sagen!

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