Nach dem Börsen-Absturz Wirecard-Aktie wieder im Aufwind

Vor gut einem Monat stürzte die Wirecard-Aktie nach dubiosen Vorwürfen ab. Doch der Zahlungsabwickler stemmt sich dagegen – und lässt die Verdächtigungen ziemlich absurd erscheinen.
Die Aktie von Wirecard, Anbieter elektronischer Zahlungs- und Risikomanagementlösungen, profitiert von den positiven Geschäftszahlen. Quelle: obs
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Die Aktie von Wirecard, Anbieter elektronischer Zahlungs- und Risikomanagementlösungen, profitiert von den positiven Geschäftszahlen.

(Foto: obs)

Der Zahlungsdienstleister Wirecard stockt nach einem Gewinnsprung die Dividende leicht auf. Die Ausschüttung für voriges Jahr werde um einen Cent auf 14 Cent je Aktie angehoben, teilte Wirecard am Donnerstag mit.
Der Konzernüberschuss stieg auf 142,6 Millionen Euro von 107,9 Millionen Euro im Jahr zuvor. An der bereits bekannten Prognose hält Vorstandschef Markus Braun fest: Im laufenden Jahr erwartet das Münchner Unternehmen einen Betriebsgewinn von 290 Millionen Euro bis 310 Millionen Euro. 2015 lag die Kennzahl bei 227 Millionen Euro.

Die Wirecard-Aktie ist im Technologie-Index TecDax gelistet und war im Februar abgestürzt, nachdem im Internet dubiose Betrugs- und Geldwäschevorwürfe gegen das Unternehmen erhoben wurden.
Als Folge stürzte der Aktienkurs von 47,60 auf 29,40 ab – ein Minus von mehr als 30 Prozent. Anteilseigner erlitten innerhalb eines Handelstags einen Verlust von insgesamt 1,3 Milliarden Euro. Doch die neuesten Entwicklungen geben dem Wertpapier Auftrieb. Der Kurse notiert derzeit nur noch knapp unterhalb der Marke von 35 Euro. Allein heute erzielte der Titel ein Plus von 2,8 Prozent.

Das sind die schwächsten Branchen Europas
Platz 13: Stoxx 600 Banks
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Am härtesten hat es seit Jahresanfang Europas Banken getroffen. Fast 22 Prozent ging es für den europäischen Bankenindex ins Minus. Die älteste Bank der Welt, die italienische Banca Monte dei Paschi, sackte innerhalb des Indizes sogar um 60,8 Prozent ins Minus. Die heimischen Konkurrenten Banco Popolare und Unicredit haben seit dem 1. Januar 43,4 und 33,7 Prozent verloren. In Deutschland bildet die Deutsche Bank mit minus 32,3 Prozent die rote Laterne. Die Commerzbank notiert 21,5 Prozent leichter.

Kursentwicklung (seit dem 1. Januar 2016): - 21,9 Prozent*

*Stand: 16. Februar 2016

Platz 12: Stoxx 600 Automobiles & Parts
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Die globale Konjunkturabkühlung setzt vor allem den Automobilherstellern zu. Am schwächsten haben sich seit Jahresanfang die Aktien von Fiat Chrysler entwickelt (- 33,6 Prozent) Ferrari ist seit kurzem an der Börse, doch bislang bleibt der Erfolg aus (- 29 Prozent). Die Deutschen Autobauer gehören ebenfalls zu den größten Verlierern. BMW hat seit dem 1. Januar 25,2 Prozent verloren, VW 23,9 und Daimler 19,1 Prozent. In Frankreich rutschten Renault 21,7 und Peugeot 21,4 Prozent ins Minus. Bei den Zulieferern hat es Valeo mit einem Verlust von 22,5 Prozent am schlimmsten erwischt.

Kursentwicklung: - 20,0 Prozent

Platz 11: Stoxx 600 Insurance
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Für Europas Versicherer wird das anhaltend niedrige Zinsniveau zu einem immer größer werdenden Problem. Wie bei den Banken sind auch bei den Versicherern italienische Konzerne am stärksten betroffen. Unipol verlor seit Jahresanfang 31,6 Prozent und Generali 31,4. In Deutschland sackte die Allianz um 19,6 Prozent und die Münchener Rück um 8,1 Prozent ins Minus.

Kursentwicklung: - 18,3 Prozent

Platz 10: Stoxx 600 Technology
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Der europäische Technologiesektor kann sich den Börsenturbulenzen nicht entziehen. Am schwächsten entwickelt hat sich das niederländische STMicroelectronics mit einem Minus von 22,6 Prozent. Das finnische Netzwerkunternehmen Nokia verlor 21,1 Prozent. Bei den deutschen Einzelwerten werteten die Aktien von Infineon mit minus 19,1 Prozent am meisten ab, gefolgt vom Apple-Zulieferer Dialog Semiconductor (- 11,2 Prozent) und SAP (- 8,5 Prozent).

Kursentwicklung: - 13,3 Prozent

Platz 9: Stoxx 600 Health Care
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Aktien aus der Pharmabranche entwickeln sich eigentlich weitestgehend konjunkturabhängig. Seit Jahresanfang müssen die Papiere allerdings wie konjunktursensible Werte ebenfalls Verluste hinnehmen. Am größten sind sie beim deutschen Biotechkonzern Morphosys (- 33,7 Prozent). Dahinter folgt der dänische Konkurrent Genmab (- 28,6 Prozent) und der heimische Mitbewerber BB Biotech (- 22,2 Prozent). Der Schweizer Pharmariese Novartis verlor seit Jahresanfang 19,4 Prozent. Der deutsche Generika-Hersteller Stada muss ein Minus von 17,5 Prozent hinnehmen.

Kursentwicklung: - 12,8 Prozent

Platz 8: Stoxx 600 Industrial Goods & Services
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Bei den Industrie- und Dienstleistungsunternehmen führt der schwedische Fingersensorhersteller Fingerprints Cards die Verliererliste mit einem Minus von 34,3 Prozent an. Im vergangenen Jahr war die Aktien noch die stärkste in ganz Europa mit einem sagenhaften Kurssprung von über 1100 Prozent. Thyssen-Krupp hat sich mit einem Minus von 23,8 Prozent schlechter als der Branchenindex entwickelt, genauso wie die Deutsche Post (- 19,5 Prozent) und Duerr (- 21,2 Prozent). Für eine positive Überraschung sorgte hingegen die Gea Group, die gegen den Branchentrend 6,2 Prozent zulegen konnte.

Kursentwicklung: - 10,5 Prozent

Platz 7: Stoxx 600 Telecommunications
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Der europäische Telekommunikationsindex hat seit Jahresanfang knapp zehn Prozent verloren. Angeführt wird die Verliererliste von Telecom Italia mit einem Minus von 24,3 Prozent. Sogar das griechische Telekomunternehmen Hellenic Telecommunication entwickelte sich mit einem Verlust von 23,7 Prozent leicht besser. In Deutschland musste Freenet die größten Verluste hinnehmen (- 13,6 Prozent). Dahinter folgen die Deutsche Telekom (- 12,2 Prozent) und Telefonica Deutschland (- 9,0 Prozent). Einziger Gewinner im Stoxx 600 Telecommunications: Das belgische Unternehmen Proximus mit einem Plus von drei Prozent.

Kursentwicklung: - 9,9 Prozent

Experten vermuteten sogenannte Leerverkäufer hinter der Attacke - also Spekulanten, die mit fallenden Wertpapierkursen Geld verdienen. Dabei leihen sich Investoren Papiere, um diese sofort zu verkaufen. Ihr Ziel ist es, die Aktien bis zur Rückgabe billiger zurückzukaufen und die Differenz als Gewinn einzustreichen. Ende März 2016 war die Aktie noch die am stärksten leerverkaufte Aktie im Stoxx-600-Industrieindex.

Als Autor der ominösen Publikationen trat eine bis dahin unbekannte Firma namens Zatarra Research & Investigations auf. Die Webseite von Zatarra Research wurde erst vor einer Woche bei der Agentur ICANN registriert, die die Vergabe von Internet-Adressen koordiniert. Antragsteller war die Firma Perfect Privacy. Sie wirbt damit, dass die Betreiber der von ihr angemeldeten Seiten nicht zurückverfolgt werden können. Die einzige abrufbare Studie im Zatarra-Internetauftritt ist diejenige zu Wirecard.

„Wir sind allen Vorwürfen nachgegangen. Jeder einzelne Punkt ist falsch. Das sind haltlose Unterstellungen“, hatte Braun vor drei Wochen in einem Interview mit Reuters gesagt. Es handle sich um Kursmanipulation.
Eine Einschätzung, die auch Experten stets teilten: Der Ratschlag an Anleger von zehn Analysten, die Wirecard laut dem Informationsdienstleister Bloomberg nach Bekanntwerden der ersten Betrugsvorwürfe unter die Lupe genommen haben, fällt eindeutig aus: Sämtliche Experten stufen die Aktie als "Kauf" ein. Im Schnitt prognostizieren sie auf Jahressicht ein Kursziel von rund 53 Euro.

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