Nach Kursrutsch Wie die Berenberg-Bank die Nfon-Aktie rettete

Nach einer erfolgreichen Startphase an der Börse brach die Aktie des Telefonspezialisten Nfon ein. So hat Berenberg die Talfahrt gestoppt.
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Aktien von Telefonanbieter Nfon steigen bei Börsendebut Quelle: imago/argum
Nfon

Das Unternehmen ist Hersteller von Cloud-Telefonanlagen.

(Foto: imago/argum)

FrankfurtEs ist eine Kurve wie aus dem Lehrbuch der Investmentbanker: Sie zeigt ein gelungenes Debüt, darauf folgend einen drastischen Abstieg, dann eine überlegte Rettungsaktion und zum „Happy end“ eine Erholung, die bis heute anhält. Die Rede ist von der Aktie des Unternehmens Nfon. Es bietet virtuelle Telefonanlagen an, bei denen die Gespräche über die Internetverbindung abgewickelt werden.

Die zu zwölf Euro ausgegebene Aktie kletterte am ersten Börsentag – es war der 11. Mai dieses Jahres – in der Spitze bis auf 13,95 Euro, zum Handelsschluss kostete sie 13,11 Euro, immerhin ein Plus von gut neun Prozent.

Allerdings hatte sich Nfon an die Börse gezittert: Die Aktien konnten nur nahe dem unteren Ende der gesenkten Preisspanne untergebracht werden. Insgesamt brachte der Börsengang so nur 80,5 Millionen Euro ein, statt der ursprünglich geplanten bis zu 138 Millionen Euro. Von dem Emissionserlös gingen 50 Millionen an das Unternehmen selbst zur Finanzierung des weiteren Wachstums, den Rest sackten die Altaktionäre ein.

Wer den Kursaufschlag am ersten Handelstag durch einen Verkauf gesichert hatte, der war fein raus, denn die Aktie ging von da an auf Talfahrt. Zwei Wochen lang bröckelte der Kurs ab – bis es dann Ende Mai dramatisch wurde. Die Aktie näherte sich ihrem Ausgabekurs – jetzt schlug die Stunde der Berenberg Bank, die als „Sole Global Coordinator“ sowie als „Joint Bookrunner“ eine besondere Verantwortung für das Papier hatte.

Berenberg ist eine der renommiertesten Adressen in Deutschland, wenn es um Initial Public Offerings geht – abgekürzt IPOs. Doch bei Nfon drohte ein Imageschaden – die Aktie war dabei, abzuschmieren. „Das Sentiment im Markt war Ende Mai einfach schlecht“, sagt ein Insider. Italien-Krise, Ängste vor steigenden Zinsen, Mittelabflüsse aus den Fonds: ein schlechter Mix.

Hinzu kam, dass die Investoren besonders gerne Neulinge an der Börse verkaufen, weil sie hier noch keinen track record haben. Das heißt, es fehlen historische Erfahrungswerte, wie sich die Aktie geschlagen hat. IPO-Titel würden dann gerne abgestraft, und wenn dann auch noch Hedgefonds verkauften, verstärke sich dieser Trend, sagt ein Investmentbanker.

Auf jeden Fall schritt Berenberg am 30. Mai, 31. Mai und am 1. Juni ein, um als „Stabilisierungsmanager“ insgesamt 555.000 Aktien zu kaufen – zu einem Durchschnittskurs von genau zwölf Euro, dem Ausgabepreis. Das geht aus einer Pflichtmitteilung vom 6, Juni hervor.

Dabei ging es Schlag auf Schlag: In zahllosen Transaktionen wurden mal nur 100 Stücke, dann wieder 10.000 Stücke gekauft. Was allerdings vorerst nicht bekannt war: Berenberg wartete ab, bis es im Markt zu einer kurzen Bodenbildung beim Kurs gekommen war, und löste dann gemäß ihrer Verpflichtung mit den Käufen die Aufwärtsdynamik aus.

Man müsse das richtige Timing erwischen, sonst greife man in ein fallendes Messer, sagt ein Insider. Am Donnerstag notierte die Nfon-Aktie bei 12,40 Euro – mit dem Titel wurde man bisher also nicht reich, aber es hätte auch schlimmer kommen können, wenn die Aktie unter den Ausgabekurs gerutscht wäre.

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