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Neuemission Suse startet verhalten an der Börse: Aktie pendelt nach schwachem Beginn um den Ausgabepreis

Der Linux-Softwarespezialist legt in Frankfurt ein eher enttäuschendes Börsendebüt hin. Was trotzdem für die Aktie spricht – und weitere neun Fragen zum Newcomer.
19.05.2021 - 09:27 Uhr Kommentieren
Der Börsengang „gibt uns die strategische und finanzielle Flexibilität, mit der wir unsere langfristige Unabhängigkeit sichern können“, sagt die Suse-Chefin. Quelle: SUSE
Melissa Di Donato

Der Börsengang „gibt uns die strategische und finanzielle Flexibilität, mit der wir unsere langfristige Unabhängigkeit sichern können“, sagt die Suse-Chefin.

(Foto: SUSE)

Ist der Börsengang von Suse ein Erfolg?

Der erste Kurs der Aktie des Linux-Softwareanbieters lautete auf 29,50 Euro. Der Ausgabepreis war zuvor mit 30 Euro je Aktie angesetzt, insofern ist das Debüt eher enttäuschend. Die Preisspanne war vor dem ersten Handelstag bei 29 bis 34 Euro fixiert worden, die Ausgabe wurde also eher am unteren Ende festgezurrt.

In den ersten Handelsminuten sank der Kurs um rund zehn Prozent bis auf 26,67 Euro. Danach erholte sich das Papier aber wieder und bewegte sich zunächst etwa auf dem Niveau des Ausgabekurses.

Firmenchefin Melissa Di Donato sprach von einem „historischen Tag“ für das Unternehmen. Thomas Book vom Vorstand der Deutschen Börse zitierte aus dem Handelsblatt, das Suse als „unbekannten Riesen“ bezeichnet habe, was mit dem Börsengang vorbei sein dürfte.

Positiv ist zu bewerten, dass das Initial Public Offering – abgekürzt IPO – trotz zuletzt größerer Turbulenzen bei den Technologiebörsen durchgezogen wurde. Schließlich war beispielsweise die Emission des Internet-Autohändlers MeinAuto in letzter Minute abgesagt worden. Ob Suse ein langfristiger Erfolg wird, ist offen; die 2019 an der Frankfurter Börse gestartete Aktie des Softwarekonzerns Teamviewer hatte zeitweise hohe Kursgewinne verzeichnet.

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    Was spricht für das Papier von Suse?

    Die begleitenden Banken und der Eigentümer EQT haben den Ausgabekurs niedrig angesetzt, das erhöht die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Kursgewinne. Mehr als 85 Prozent der Emission gingen an langfristige Investoren, das sind in der Regel Anlagegesellschaften wie etwa die DWS oder Union Investment. Diese Investoren sowie die beiden Ankeraktionäre Capital Research Global Investors und der Staatfonds aus Singapur (GIC) sorgen für eine relativ stabile Aktionärsbasis.

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    Die eher kurzfristig orientierten Hedgefonds sind sonst stärker vertreten. Firmenchefin Di Donato hat aus einem Anreizprogramm für das Management in Höhe von zehn Millionen Euro insgesamt acht Millionen Euro in Suse-Aktien investiert, das heißt, das Management ist vom Unternehmen offenbar überzeugt.


    Wie groß ist die Emission?

    Insgesamt werden von dem Nürnberger Unternehmen 37,3 Millionen Aktien ausgegeben, bei einem Ausgabepreis von 30 Euro kommt so ein Bruttoerlös von rund 1,13 Milliarden Euro zusammen. Trotz einer Überzeichnung der Emission, die nach Angaben aus Finanzkreisen im hohen einstelligen Bereich lag, verzichtete der Alteigentümer auf eine sogenannte „Upsize Option“, mit der das Basisangebot an Aktien erhöht worden wäre.

    Größer waren in diesem Jahr nur die Börsengänge von Auto1 (E-Commerce) und Vantage Towers (Funkmasten). Suse will den Emissionserlös für den Schuldenabbau und das Firmenwachstum nutzen, wobei auch Übernahmen denkbar sind.

    Was fließt an den Alteigentümer EQT?

    Dem schwedischen Investor EQT – hinter dem die Wallenberg-Familie steht – fließen aus der Emission rund 570 Millionen Euro zu. Nach dem Börsendebüt gehören dem Private-Equity-Haus weiterhin gut 75 Prozent der Aktien, der Streubesitz beträgt 24,3 Prozent. Zum Ausgabepreis von 30 Euro kommt Suse auf einen Börsenwert von gut fünf Milliarden Euro, EQT hatte vor drei Jahren etwa zwei Milliarden Euro bezahlt.

    Woher kommen die Investoren in Suse-Aktien?

    Nach Angaben aus Finanzkreisen ging der Löwenanteil an Investoren aus den USA und aus Großbritannien. Hier sitzen die großen Pensionskassen und Vermögensverwalter wie etwa Blackrock, die stark auf Aktien zur Altersvorsorge setzen. Rund 15 Prozent der Emission zeichneten institutionelle Investoren aus Deutschland. Der Anteil der privaten Anleger ist bei den Börsengängen meistens verschwindend gering und bewegt sich zwischen einem und fünf Prozent.

    Wie läuft das Geschäft von Suse?

    Der Börsenprospekt zeigt: Suse wächst ordentlich, ist aber nicht profitabel. Im Geschäftsjahr 2020, das mit dem 31. Oktober endete, erwirtschaftete das Unternehmen mit seinen 1900 Mitarbeitern 466 Millionen Dollar Umsatz, ein Plus von 13 Prozent. Inklusive des Cloud-Spezialisten Rancher Labs, der seit der Übernahme Anfang Dezember zum Konzern gehört, wären es 503 Millionen Dollar gewesen. Fast die Hälfte des Geschäfts läuft in den Regionen Europa, Naher Osten und Afrika.

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    Die Bruttomarge war mit 93 Prozent hoch, die operative Marge (Ebitda) betrug immerhin 40 Prozent. Allerdings fielen hohe Kosten an, sodass bei einem bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von 126 Millionen Dollar unter dem Strich ein Verlust von 52 Millionen Dollar stand.

    Wie verdient das Unternehmen Geld?

    Suse vermarktet Open-Source-Software: Der IT-Konzern passt frei verfügbare Lösungen, die eine Community von Programmierern entwickelt, für den Einsatz in Unternehmen an und bietet zusätzliche Dienstleistungen wie Wartung und Beratung. Mehr als 60 Prozent der 500 größten Konzerne zählen zu den Kunden.

    Ein Produkt hat besondere Bedeutung: Suse Linux Enterprise Server, also ein Betriebssystem für Server, auf dem beispielsweise SAP-Systeme oder andere wichtige Anwendungen laufen. Ein kleiner, aber stark wachsender Markt sind Programme, mit denen Suse die Datenverarbeitung in der Cloud erleichtert – Experten sprechen von Container-Management. Das Marktpotenzial beziffert Suse mit 18 Milliarden Dollar.

    Wer ist die Konkurrenz?

    Im Börsenprospekt verweist Suse selbst auf die intensive Konkurrenz bei Unternehmenssoftware. Einerseits gibt es Anbieter, die ebenfalls auf die Vermarktung von Open-Source-Lösungen spezialisiert sind, beispielsweise Red Hat, das inzwischen zu IBM gehört, sowie Canonical. Andererseits gibt es für die Datenverarbeitung in der Cloud eine Vielzahl von Programmen – auch die großen Cloud-Spezialisten Amazon Web Services, Microsoft und Google seien hier aktiv, warnt das deutsche Unternehmen in der Übersicht der Risiken.

    Wie will Suse die Einnahmen verwenden?

    Die Erlöse fließen zu einem beträchtlichen Teil in die Tilgung: Mit den 520 bis 540 Millionen Dollar bezahlt Suse gut 400 Millionen Dollar Schulden zurück, außerdem plant das Unternehmen den Aufbau eines Aktienprogramms für Mitarbeiter. Der Börsengang „gibt uns die strategische und finanzielle Flexibilität, mit der wir unsere langfristige Unabhängigkeit sichern können“, sagt Unternehmenschefin Di Donato. Derzeit beträgt die Nettoverschuldung knapp 900 Millionen Dollar.

    Wie profitiert das Management vom Börsengang?

    Die beiden Vorstandsmitglieder sollen für einen erfolgreichen Börsengang Boni bekommen. Bei Konzernchefin Melissa Di Donato sind es 966.000 Dollar, bei Finanzchef Andy Myers 427.000 Dollar. Die Amerikanerin bekommt zusätzlich zwei Millionen Dollar, wenn sie für eine nicht bezifferte Frist im Unternehmen verbleibt.

    Ohnehin darf sie auf eine stattliche Bezahlung hoffen: Ihr Festgehalt beläuft sich auf 1,1 Millionen Dollar pro Jahr, zudem entwickelt der Aufsichtsrat laut Börsenprospekt gerade ein System für die variable Vergütung. Bei 100-prozentiger Erfüllung der Ziele soll ihr kurzfristiger Bonus 1,1 Millionen Dollar betragen, im ersten Jahr des langfristigen Programms bekommt sie zudem 1,6 Millionen Dollar zugeteilt.

    Mehr: Linus Capital Finance AG geht am Mittwoch an die Börse

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