Facebook-IPO Zuckerberg hat die Wall Street überzeugt

Mark Zuckerberg ist am Ziel: Die Facebook-Aktie ist einer der größten IPOs aller Zeiten. In der Nacht vor dem Börsengang wurde der Preis für das neue Papier sehr hoch angesetzt. Analysten rechnen mit einem Feuerwerk.
Update: 18.05.2012 - 04:51 Uhr 14 Kommentare

„Facebook so schnell wie möglich verkaufen“

New YorkFacebook hat den größten Internet-Börsengang der Geschichte erfolgreich über die Bühne gebracht. Das soziale Netzwerk konnte seine Aktien zum anvisierten Höchstpreis losschlagen. Facebook und seine Alteigentümer nahmen insgesamt 16 Milliarden Dollar ein (12,3 Mrd Euro).

Pro Stück gingen die Anteilsscheine für 38 Dollar an die Investoren. Das lag am oberen Ende der Preisspanne von 34 bis 38 Dollar. Das teilte Facebook am späten Donnerstag mit.

An diesem Freitag wird die Aktie zum ersten Mal an der US-Börse Nasdaq gehandelt. Facebook-Gründer und CEO Mark Zuckerberg wird von der Konzernzentrale aus die Eröffnungsglocke zur Handelssitzung läuten.

Experten trauen der Aktie bei ihrem Debüt einen Kurssprung von über 50 Prozent zu. "Ich denke, alles über 50 Prozent wird als erfolgreiche Emission betrachtet - alles unter 50 Prozent als enttäuschend. Viele Privatanleger kümmern sich nicht um die Bewertung", sagte Jim Krampfel, Analyst bei Morningstar.

Die Gesamtbewertung von Facebook liegt bei rund 104 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Google hatte bei seinem Börsengang im Jahr 2004 Aktien für 1,7 Milliarden Dollar verkauft und kam auf eine Gesamtbewertung von 23 Milliarden Dollar. Heute sind es gut 200 Milliarden Dollar.

Zuckerberg selbst hat 30 Millionen seiner eigenen Anteilsscheine verkauft und damit gut 1,1 Milliarden Dollar eingenommen. Mit dem Geld will er fällige Steuern begleichen. Er besitzt aber noch einen Anteil im Gegenwert von gut 19,1 Milliarden Dollar und kontrolliert 57 Prozent aller Stimmrechte. Damit wird Zuckerberg auch künftig die Geschicke von Facebook bestimmen.

Der Börsengang ist der Höhepunkt einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Mark Zuckerberg hatte Facebook zusammen mit Kommilitonen 2004 als digitales Jahrgangsbuch für Studenten auf die Beine gestellt. Schon im ersten Jahr zog das Netzwerk rund eine Million Nutzer an. Mittlerweile sind es gut 900 Millionen.

Die hohe Nutzerzahl macht Facebook für die Werbeindustrie interessant und erklärt die hohe Nachfrage der Investoren. Facebook ist allerdings eine Wette auf die Zukunft, denn noch sehen die Geschäftszahlen im Vergleich zu anderen Konzernen mau aus: Im vergangenen Jahr lagen der Umsatz bei 3,7 Milliarden Dollar und der Gewinn bei 1 Milliarde Dollar.

Was die Facebook-Euphorie überschattet

Facebook-Nachrichten im Nasdaq-Ticker am Times Square in New York. Quelle: AFP

Facebook-Nachrichten im Nasdaq-Ticker am Times Square in New York.

(Foto: AFP)

Zuletzt waren Zweifel aufgekommen, dass die Megamilliarden-Wette aufgeht. So will General Motors als einer der weltgrößten Werbetreibenden vorerst keine Anzeigen mehr auf Facebook schalten, weil die Nutzer dadurch kaum erreicht würden.

Überdies nutzen immer mehr Nutzer Facebook auf ihren Smartphones, wo kaum Werbung zu sehen ist und entsprechend die Einnahmen ausbleiben.

Dennoch war der Ansturm der Investoren enorm. Facebook hatte seinen Börsengang drei Mal aufgestockt. Zunächst sollten die Einnahmen nur bei 5 Milliarden Dollar und damit bei weniger als einem Drittel der jetzigen Summe liegen. Zusammen mit der sogenannten Mehrzuteilungsoption - eine Art Aktienreserve der Banken - könnte Facebook sogar bis zu 18,4 Milliarden Dollar einsammeln.

Damit würde das Zuckerberg-Unternehmen an die beiden größten Börsengänge der US-Geschichte anschließen: Die Kreditkartenfirma Visa hatte 2008 inklusive Mehrzuteilung 19,7 Milliarden Dollar eingenommen und der Autokonzern General Motors im Jahr 2010 nach seinem Neustart 18,1 Milliarden Dollar.

Weltweit noch größer waren lediglich die Börsengänge dreier chinesischer Finanzkonzerne. Schon gibt es Bedenken, Facebook könnte den Markt für Aktienplatzierungen austrocknen: Denn die Investoren können ihr Geld nur einmal ausgeben und für andere Unternehmen, die aufs Parkett streben, bleibt weniger übrig.

Experte: Facebook-Börsengang in Ruhe abwarten

  • dpa
  • afp
  • dapd
  • rtr
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14 Kommentare zu "Neuemission von Facebook: Der seriöse Mr. Zuckerberg hat die Wall Street überzeugt"

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  • Mr. Zuckerberg wird einst als das größte Schlitzohr in die Annalen eingehen. Wer eine schon fast mafiös operierende Bude auch noch für so viel Geld verkaufen kann, verdient zunächst mal Respekt vor derartiger Juzpe. Darüber hinaus ist aber feststellbar, das sich große Unternehmen bereits zurückziehen (GM), die erkannt haben, dass Werbung in diesem Medium kein Äquivalent zum Investment erbringt. Das wird Mr. Sugarmountain den Kopf kosten...

  • So sehe ich es auch. Aber Zocker wollen ihren Stoff, erstmal verkaufen und dann mitnehmen was geht.
    Dafür sind die dot.coms etc immer gut gewesen.
    Google hat tatsächlich ein Geschäftsmodell, welches sich rechnet. Durch die Suche selbst sind die 100mal schlauer als ein Bot das jemals aus dem Mainstream doktern könnte. Vielleicht klappt das ja mit Parfüm, Kosmetika und Schuhen, aber die Ansage von GM sagt schon viel. Die Werbewirtschaft bestimmt ob FB platzt oder nicht, nicht die 1 Millarde Accounts, davon gehören schon ca. 5000 einem bekannten Kunden von mir, der sich per Agentur welche schaffen läßt. Sonst klappt das mit den Likes nicht so gut :).

  • Voll die Ironie: der "seriöse" Mr. Zuckerberg....
    besonders, wenn man an die getricksten Anfänge denkt

    Man lese mal den Bericht bei der ZEIT:

    Die dunkle Vergangenheit des Mark Zuckerberg

    Dass der Facebook-Gründer Idee und Code für sein Netzwerk geklaut haben soll, ist nicht neu. Doch tat er möglicherweise einiges, um seine Gegner auch noch zu behindern

    http://www.zeit.de/digital/internet/2010-03/facebook-zuckerberg-connectu

  • @hallowach

    "Geld wird aus Luft gemacht! "

    Nö, das Geld wird nur eingesammelt und umverteilt.

  • Habe mich mal mit der Technologie von Google beschäftigt.

    Google "sucht" über Eigenwerte und Eigenvektoren der Inzidenzmatrix und bekommt ein besseres Suchergebnis, als wenn es das ganze Internet kennen würde.

    Diese Technologie ist mehr als nur genial. Auf sowas muss man erstmal kommen - selbst als Doktor/Professor kommt man nicht auf sowas.

    Und wenn ich mir nur diesen asozialen Verein Facebook anschaue, das nur dazu da ist, die eigene Zeit totzuschlagen und Partys öffentlich bekannt zu machen, dann kann der Wert dieser Dekadenz-Bude unmöglich der von Google sein.

  • das wird wie Yahoo, AOL sowie die komplette DOT.Com Blase enden.
    Google ist da ein ganz anderes Kaliber, die haben messbares Marketingpotential.

    ... Geld wird aus Luft gemacht!

  • Richtig, auf jedenfall erstmal abwarten und dann short gehen, man sieht ja am Kursverlauf deutlich wenn ein Titel überkauft ist und eine techn. Korrektur ansteht.
    In jedem fall wird dieser Titel auch mit der allgemeinen Finanzlage in Europa fallen bzw. steigen.

  • Es gibt Optionsscheine auf Facebook.

    Würde aber mindestens eine Woche abwarten, bevor ich bei Facebook short gehe. [... Zuckerberg, Goldman und Morgan Stanley ...]

    Die werden hier einen Hype veranstalten, abkassieren und dann erst wird Facebook vom Markt bewertet.

    Das wird ähnlich wie damals bei Sommer und DTE AG. Nur, dass die DTE AG damals während der Asien-Krise an die Börse ging und es gab am Markt keinen Hype.

    Bei Facebook ist es etwas anders. Es gibt bereits jetzt einen Hype. Der Kurs wird aber noch verdoppelt - dann ist Short-Zeit.

    +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

  • Nehmen wir einmal an Facebook hätte 1 Mrd Accounts (irgendwann). So wäre jeder Account 100,-$ wert. Frage: Was soll an jedem Account im Schnitt 100,- wert sein? Und bei 1 Mrd. sind viele Millionen Fake-Accounts dabei.... Gier macht blind...

  • ...genauso sieht es aus Brasse, - Chapeau !

    Vor allem aber, - bleibt man unter seinesgleichen.

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