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Neuemissionen Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Börsengang von Traton

Diese Woche kommt die Nutzfahrzeug-Sparte von VW an die Börse. Bisher verläuft die Emission gut, das Interesse der Investoren ist da.
Update: 26.06.2019 - 12:06 Uhr Kommentieren
Die schwedische Marke zählt zu Traton. Quelle: Bloomberg
Inspektion eines Scania-Lkws

Die schwedische Marke zählt zu Traton.

(Foto: Bloomberg)

FrankfurtDer Börsengang von Traton geht in die heiße Phase. Die Nutzfahrzeug-Gruppe der Volkswagen AG will am 28. Juni ihr Debüt an der Frankfurter Börse feiern. Das Münchener Unternehmen bietet einschließlich einer Mehrzuteilungsoption bis zu 57,5 Millionen Aktien zu einem Preis zwischen 27 und 33 Euro an.

Insgesamt könnte der Börsengang, neudeutsch Initial Public Offering, IPO, genannt, damit bis zu 1,9 Milliarden Euro schwer werden. Das Geld soll in Investitionen in die Elektromobilität und in das autonome Fahren sowie in die internationale Expansion fließen.

Die Zeichnungsfrist für Kleinanleger läuft noch bis zum 27. Juni mittags. Wenn Traton die Preisspanne voll ausschöpfen kann, wird das Unternehmen mit rund 16,5 Milliarden Euro bewertet. Bis zu 11,5 Prozent der Aktien befinden sich nach dem Börsengang im Streubesitz, in weiteren Platzierungen können es am Ende bis zu 24,9 Prozent werden. Das Handelsblatt beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem IPO für Anleger:

Was passiert kurz vor dem IPO?

Rund vier Wochen vor dem Tag X gibt das Unternehmen eine offizielle Absichtserklärung für den Börsengang („Intention to float“) ab. Bei Traton geschah das Anfang Juni. Die vertraulichen Studien der das IPO begleitenden Banken zur Bewertung wurden an potenzielle Investoren verteilt, die Analysten sind eingestimmt worden.

Nach Angaben aus Bankenkreisen ist die Emission aktuell deutlich überzeichnet. Ob allerdings das obere Ende der Preisspanne erreicht wird, ist noch offen. Im Konzernumfeld werden die Aktien eher am unteren Ende vermutet. Seit der Veröffentlichung des Börsenprospekts können die Aktien gezeichnet werden. Die Vorstände und Investmentbanken werben auf Roadshows für das neue Wertpapier.

Den größten Anteil zeichnen in der Regel Profianleger aus dem Ausland, inländische Investoren erwarben im langjährigen Schnitt einen Anteil von rund fünf Prozent an heimischen Emissionen. Bei Traton gibt es dem Vernehmen nach institutionelle Investoren aus Schweden, Deutschland und den USA, die sich stärker engagieren wollen.

Welche Rolle spielt der Ankeraktionär?

Der schwedische Pensionsfonds AMF Pensionsförsakring AB (AMF) wird ein Ankeraktionär von Traton. Er hat sich bereit erklärt, Aktien im Wert von 200 Millionen Euro zu zeichnen. Auch beim IPO der RWE-Tochter Innogy hatte es mit dem US-Vermögensverwalter Blackrock einen Ankeraktionär gegeben. Bei Emissionen könne man solche Reservierungen für langfristig orientierte Investoren als Vertrauensbeweis sehen, sagt ein Investmentbanker. Ankerinvestoren sind aber keine Garantie, dass sich eine Aktie gut entwickelt. 

Was passiert, bis der Ausgabepreis festgelegt wird?

In der Zeit bis zur endgültigen Festlegung des Ausgabekurses sammeln die begleitenden Banken Kaufaufträge im sogenannten Orderbuch. Ziel ist, dass möglichst viele stabile Investoren drinstehen, die langfristig an der Aktie festhalten wollen. Doch auch kurzfristig agierende Anleger wie Hedgefonds sind gefragt, um für Liquidität zu sorgen.

Bei der Zuteilung der Aktien erhalten zudem die führenden Banken des IPOs Aktien für die sogenannte Schwankungsreserve, den Greenshoe, der ebenfalls im Markt platziert wird. Er dient der Stabilisierung des Aktienkurses, der sogenannten Marktpflege. Bei Bedarf werden Aktien zurückgekauft, um einen zu starken Kursdruck zu verhindern.

Wenn es gut läuft, wird die Platzierungsreserve am Ende auch an Aktionäre verkauft. Die Erstnotiz erfolgt an der Frankfurter Börse im strenger regulierten Segment Prime Standard und an der Nasdaq Stockholm.

Welche Banken begleiten die Transaktion?

Die Federführung bei der Emission haben die Deutsche Bank, JP Morgan, Citi sowie Goldman Sachs als gleichberechtigte globale Koordinatoren. Sie erstellen ein Emissions- und Platzierungskonzept. Gleichzeitig führen sie das wichtige Orderbuch, in dem man jederzeit sehen kann, wie gefragt die Aktie innerhalb der Preisspanne ist. Außerdem teilen sie die Aktien den Interessenten zu.

Grafik

Wie steht Traton wirtschaftlich da?

Die VW-Lkw-Sparte lockt Investoren mit geplanten Synergieeffekten. Die Hauptmarken Scania und MAN sollen ihre Zusammenarbeit in weiterer Zukunft noch stärker intensivieren und etwa auch gemeinsame Antriebsstränge verwenden. Finanzvorstand Frank Witter begründete den geplanten Börsengang damit, dass es zwischen Pkw- und Lkw-Produktion kaum Synergien gebe. Traton sei eine vergleichsweise selbstständige Unternehmenseinheit, die deshalb recht problemlos an die Börse gebracht werden könne. Umsatz und Ertrag entwickelten sich auch 2019 positiv bei Traton, sagt Witter. Stark ist Traton in Brasilien und Europa. Das Unternehmen wies 2018 einen operativen Gewinn von 1,7 Milliarden Euro und einen Umsatz von 25,9 Milliarden Euro aus.

Wie realistisch ist die Bewertung?

Investmentbanker halten die Bewertung von Traton für angemessen. „Die Preisspanne entspricht ungefähr der Bewertung von Volvo an der Börse“, sagte ein Insider mit Blick auf den Kurs des Konkurrenten. Allerdings handelt die Volvo-Aktie derzeit in der Nähe ihres 52-Wochen-Hochs. „Der Branchenzyklus ist sicher in einem Hoch, und die Aktie hängt klar an der Konjunkturentwicklung“, erläutert ein Bankmanager.

Eigentlich hatte Volkswagen die Sparte schon vor Ostern an die Börse bringen wollen. Das Vorhaben wurde aber mit Verweis auf ein schwaches Marktumfeld aufgeschoben. Ursprünglich war angedacht, bis zu 25 Prozent der Anteile zu platzieren, beim Erlös hatte Traton auf bis zu sechs Milliarden Euro gehofft. Investmentbanker hatten dieses Ziel aber als zu ehrgeizig bezeichnet.

Soll man die Aktie kaufen?

Analysten sehen bei Traton ein zweigeteiltes Bild. Scania gilt bei den Experten als sehr margenstark. Außerdem sorge eine neue Modellreihe für zusätzlichen Schub, was wegen der langen Entwicklungszeiten nur selten passiere. Bei MAN müsse man darauf vertrauen, dass die versprochenen Synergien gehoben und die Kosten reduziert werden. „In der Gruppe liegt die Marge bei rund 6,5 Prozent, bei Volvo sind es zehn Prozent“, meint ein Analyst.

Traton habe hier noch Verbesserungspotenzial. In den vertraulichen Researchpapieren der Banken liege die gesamte Bewertung bei 18 bis 22 Milliarden Euro gegenüber maximal 16,5 Milliarden bei der jetzigen Preisspanne. Das Kurspotenzial betrage also etwa zehn bis 20 Prozent.

Aber: Wenn die Konjunktur in Europa abschmiert, dürfte das Papier stark leiden. Deshalb lautet das Fazit eines Analysten: Langfristig werde sich Traton an der Börse positiv entwickeln, kurzfristig könne es in den nächsten zwölf bis 18 Monaten aber zu Rückschlägen kommen.

Ist Traton die größte Emission in diesem Jahr?

Ja, denn im deutschen Markt herrscht Flaute. Sie fällt allerdings deutlich kleiner aus als der Börsengang des Medizintechnikkonzerns Siemens Healthineers, der auf ein Volumen von 4,2 Milliarden Euro im März 2018 kam.

Wie liefen die letzten Aktienneuemissionen?

Die Bilanz der schwergewichtigen Neulinge sieht gemischt aus. Siemens Healthineers, die Medizintechnik-Tochter des Konzerns, überzeugte bisher mit einem Kursplus von rund 35 Prozent, Knorr-Bremse mit gut 20 Prozent. Dagegen bereitete etwa die Fondstochter der Deutschen Bank, DWS, Anlegern bisher keine rechte Freude. Die Internetaktien Home24, Westwing und Hellofresh waren für die Anleger bisher sogar eine herbe Enttäuschung.

Was ist noch in der Pipeline?

Für den Börsengang des Online-Modehändlers Global Fashion Group wurde die Zeichnungsfrist bis zum 28. Juni verlängert – wegen schleppender Nachfrage. Dieses Jahr könnte zudem noch der Softwarespezialist Teamviewer ein milliardenschwerer Börsengang werden, ansonsten ruhen die Hoffnungen auf 2020.

Mehr: Lesen Sie hier, warum der Traton-Börsengang wegweisend ist – und im Falle eines Erfolgs, Nachahmer ermutigen könnte.

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