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Ölkonzern Billionenschwerer Börsengang von Saudi Aramco wird wohl erneut verschoben

Saudi Aramco ist der profitabelste Konzern der Welt. Am Sonntag sollte der Börsengang verkündet werden. Doch es könnte einen erneuten Aufschub geben.
Update: 17.10.2019 - 21:47 Uhr Kommentieren
Arbeiter von Aramco im Werk in Abqaiq in Saudi-Arabien. Das Land will den Weg in die Moderne gehen. Quelle: AFP
Saudi Aramco

Arbeiter von Aramco im Werk in Abqaiq in Saudi-Arabien. Das Land will den Weg in die Moderne gehen.

(Foto: AFP)

Berlin Saudi Aramco ist ein Konzern der Superlative. Mit 111,1 Milliarden Dollar hat er 2018 so viel Gewinn gemacht wie Apple, Google und der US-Ölriese Exxon-Mobil zusammen.

Mit fast zehn Millionen Barrel (je 159 Liter) täglich fördert der profitabelste Konzern der Welt mit Abstand so viel Rohöl wie kein anderes Unternehmen, etwa ein Zehntel des globalen Ölverbrauchs. Und mit 336 Milliarden Barrel Reserven verfügt Aramco, das die alleinige Lizenz zum Ölfördern in Saudi-Arabien hat, über die größten Vorräte.

Der lange geplante Börsengang des Unternehmens dürfte somit eigentlich einfach über die Bühne gehen. Aber es gibt ein großes Problem: Mohammed bin Salman, der mächtige Kronprinz des Königreichs und Chairman des Staatsfonds PIF (Public Investment Fund), des Aramco-Eigners, hat seit der Verkündung des Börsendebüts immer wieder eine Bewertung des Megakonzerns von zwei Billionen Dollar gefordert. Da Analysten den realen Aramco-Wert aber eher bei 1,5 Billionen sehen, wurde das Initial Public Offering (IPO) bisher immer wieder verschoben.

Und wie es heißt, könnte der nächste Verzug anstehen. Der Sprung auf das Handelsparkett könnte sich um einige Wochen verzögern, berichtet die „Financial Times“ am Donnerstag unter Berufung auf drei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Das Unternehmen wolle zunächst seine Quartalszahlen abwarten, um Klarheit über die Auswirkungen der Angriffe auf die Bilanz zu erhalten. Bei Saudi Aramco war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die wichtigsten Ölanlagen Aramcos waren am 14. September bei einer Drohnen- und Raketenattacke, hinter der der Iran vermutet wird, zerstört wurden. Analysten der Ratingagentur Fitch sehen mögliche weitere Angriffe als Risiko für Aramco.

Zankapfel Bewertung

Am Donnerstag kam nun der Aramco-Board, der Aufsichtsrat und die Führung des PIF-Gouverneurs Yasir Al-Rumayyan, mit den 25 für das IPO angeheuerten Investmentbanken und Finanzberatern zusammen. Am Freitag sollten Analystenberichte der beteiligten Banken veröffentlicht werden. Und am Sonntag sollte schließlich der Börsengang offiziell verkündet werden.

Wie groß der Anteil sein soll, der an die Börse Riad (Tadawul) gebracht wird, soll spätestens mit der Veröffentlichung des Börsenprospekts klar sein.

Eine Platzierung an ausländischen Börsen soll 2020 erfolgen, heißt es bei mit dem IPO beteiligten Personen. Gerechnet wird mit einer Erstplatzierung von bis zu drei Prozent der Aramco-Anteile.

Aber selbst bei der Erstausgabe von nur zwei Prozent und der erhofften Bewertung des Konzerns mit zwei Billionen Dollar wäre das Aramco-IPO mit 40 Milliarden Dollar der weltgrößte Börsengang. Der chinesische Internethändler Alibaba hatte 25 Milliarden und die japanische Softbank-Gruppe 21 Milliarden Dollar für ihren Telekomkonzern eingespielt.

Doch enorme Risiken belasten den Aramco-Börsengang: „Geopolitische Unsicherheiten“ sowie das schlechte Umfeld wegen des amerikanisch-chinesischen Handelskriegs führt Naeem Aslam, Analyst bei ThinkMarkets in London, ins Feld. Andere Analysten stört der relativ niedrige Ölpreis.

Grafik

Hinzu kommt ein miserables Börsenumfeld: Seit dem Vier-Jahres-Höchststand im Mai sind die Kurse der am Tadawul, der heimischen Wertpapierbörse, notierten saudischen Aktien stark gefallen. Um den Aramco-Börsengang dennoch zu einem Erfolg zu machen und eine hohe Bewertung zu erzielen, unternimmt die Regierung einiges: So wurden die Steuerlast und die Zahlungen für Förderlizenzen deutlich gesenkt und für 2020 eine 75 Milliarden Dollar hohe Dividende garantiert.

Dennoch wäre selbst diese Dividendenhöhe mit einer Rendite von 3,75 Prozent – bei einer Bewertung des Konzerns mit zwei Billionen Dollar – deutlich unter der von Wettbewerbern wie Shell (6,2 Prozent) oder Exxon-Mobil (4,9 Prozent). Aber: „Regierungshilfe reicht dem Aktienkurs nicht, wenn der Gegenwind zu stark ist“, meint Hasnain Malik, Aktienstratege von Tellimer in Dubai.

Familien sollen zeichnen

Und so macht Riad mächtig Druck: Reiche saudische Familien, von denen einige Mitglieder 2017/18 festgenommen und teilweise monatelang in Riads Ritz-Carlton-Luxushotel festgehalten worden waren, werden erpresst. Sie sollten Aramco-Aktien kaufen oder ihre für die Freilassung aus dem Ritz erpressten, eingefrorenen Vermögen in Aramco-Anteile tauschen, heißt es bei einem Insider unter der Bedingung, nicht namentlich zitiert zu werden.

Auch werden Staatsfonds in befreundeten und abhängigen Ländern wie Kuwait oder den Vereinigten Arabischen Emiraten zu Investments gedrängt, ebenso Großkunden wie chinesische oder japanische Ölfirmen. Gerade vor der erstmaligen Präsidentschaft Saudi-Arabiens bei der G20-Gruppe im Jahr 2020 will der König, dass sein Land mit Aramco auch öffentlich sichtbar das wertvollste Unternehmen der Welt besitzt.

Mehr: Geopolitische Analyse zum Angriff auf das Herzstück der saudischen Ölindustrie

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