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Ölkonzern Mehr als 25 Milliarden Dollar erwartet: Saudi Aramco startet größten Börsengang der Welt

Der weltgrößte Ölkonzern hat die Preisspanne für seine Aktien auf rund acht US-Dollar festgelegt. Aramco könnte so bis zu 25,6 Milliarden Dollar einnehmen.
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Der Börsengang des saudischen Ölkonzern soll mehr als 25 Milliarden US-Dollar einbringen. Quelle: dpa
Werbetafel für Saudi Aramco

Der Börsengang des saudischen Ölkonzern soll mehr als 25 Milliarden US-Dollar einbringen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Der Startschuss ist gefallen. Nach Jahren des Wartens hat der weltgrößte Ölkonzern Saudi Aramco die heiße Phase seines Börsengangs eingeleitet. Von Sonntag an bis zum Mittwoch, den 4. Dezember, wirbt der Konzern weltweit um Großinvestoren.

Der saudische Ölriese legte die Preisspanne seiner Aktien zwischen 30 und 32 Riyal festgelegt, was umgerechnet 8,00 beziehungsweise 8,53 US-Dollar entspricht. Aramco will 1,5 Prozent oder etwa drei Milliarden seiner Anteile verkaufen, wie das Unternehmen am Sonntag mitteilte. Damit könnte Aramco bis zu 25,6 Milliarden Dollar einnehmen und den Rekord für den größten Börsengang knapp brechen, den derzeit die chinesische Handelsplattform Alibaba mit Einnahmen von 25 Milliarden Dollar hält.

Der Firmenwert, des künftig an der Börse Tadawul in der saudischen Hauptstadt Riad notierten Unternehmens, wird damit vorbörslich zwischen 1,6 bis 1,71 Billionen Dollar taxiert - ein Stück weg von den Vorstellungen des saudischen Kronprinzen und faktischen Herrschers Mohammed bin Salman, der immer auf eine Marktkapitalisierung von zwei Billionen Dollar abgezielt hatte.

Der endgültige Preis soll am 5. Dezember festgelegt werden. Es wird erwartet, dass die Aramco-Aktien einige Tage später erstmals an der saudi-arabischen Wertpapierbörse gehandelt werden. Ein internationales Angebot soll erst im Jahr 2020 oder 2021 folgen. Laut dem Sender CNBC sind die USA allerdings als Börsenplatz aus dem Rennen.

Trotzdem hat der Mega-Konzern gute Chancen zum wertvollsten Konzern der Welt zu werden. So wollen die Saudis an der Börse zwischen 24 bis 25,6 Milliarden Dollar einsammeln, indem sie einen Anteil von 1,5 Prozent an den Aktienmarkt bringen. Aramco würde damit Alibaba in den Schatten stellen, die mit einem Börsenerlös von 25 Milliarden Dollar bisher die Bestmarke markieren. Der Ölkonzern würde auch die US-Technologiekonzerne Microsoft sowie Apple an der Börse als wertvollste Firmen ablösen, deren Marktwert bei jeweils rund 1,1 Billionen Dollar liegen.

Wie wichtig dem saudischen Kronprinz, Mohammed bin Salman, kurz MbS genannt, der Börsengang ist, geht aus den Heerscharen von Investmentbanken hervor, die an der Emission beteiligt sind. Insgesamt 25 Institute mischen mit, darunter auch die Deutsche Bank, die in der zweiten Reihe als sogenannter Joint Runner arbeitet.

Lange Zeit war nicht klar, ob die Deutsche Bank überhaupt ein Mandat erhalten würde, da das Institut Großaktionäre aus Katar hat. Das Verhältnis von Saudi Arabien und Katar ist unterkühlt, hat sich aber in den vergangenen Wochen wieder etwas verbessert. Das sei mit ein Grund, warum die Frankfurter am Ende doch dabei seien, berichten Finanzkreise. Hinzu kommen mit Lazard, M. Klein & Company und Moelis auch noch drei Berater.

Mit dem Geld aus dem Börsengang will der saudische Kronprinz die starke Abhängigkeit seines Landes vom Öl verringern. Es fließt in den saudischen Staatsfonds Public Investment Fund (PIF), der nach dem „Vision Plan 2030“ mit zwei Billionen Dollar zum Größten weltweit aufgebaut werden soll.

Deswegen sind weitere Emissionen geplant. Auf Dauer werde der Konzern wahrscheinlich fünf Prozent an die Börse bringen, sagt Salah Shamma von Franklin Templeton Emerging Markets. Unter den Staatsfonds ist der norwegische derzeit mit einem Volumen von rund einer Billion Dollar die Nummer eins.

Mit dem Fondskapital des PIF soll der Staatshaushalt gegen Preisschwankungen auf dem Rohstoffmarkt abgefedert, Entwicklungsvorhaben finanziert und Investitionen sowie Know-how aus dem Ausland ins Königreich geholt werden.

Massive Untergewichtung

Platz für neue Aktien von Saudi Aramco in den Portfolien der Fonds besteht ausreichend. Saudi Arabien sei vor dem Börsengang bisher massiv untergewichtet, analysiert Copley Fund Research. Das Land weise die drittstärkste Anlage-Untergewichtung weltweit relativ zum weit verbreiteten Maßstab MSCI Emerging Markets Index aus. 87 Prozent der Schwellenländer-Fonds seien überhaupt nicht engagiert in Aktien aus Saudi-Arabien.

Für den Research-Chef Steven Holden bietet diese massive Untergewichtung in den Schwellenländer-Portfolien die Möglichkeit, „die freien Gelder in Aramco anzulegen“. Investoren hätten sich in Saudi-Arabien wegen des Reputations-Risikos seit dem Skandal um den ermordeten Exil-Journalisten Jamal Khashoggi zurückgehalten und fürchteten, dass Aramco den Markt überschwemmen könnte.

Der saudische Kolumnist Jamal Khashoggi war im Herbst 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul grausam ermordet worden.

Der Börsengang ist nun ein wichtiges Prestigeprojekt. Um einen erfolgreichen Sprung auf das Parkett präsentieren zu können, wurde der Druck auf die reichsten Familien Saudi-Arabiens erhöht, Aktien in größerem Umfang zu zeichnen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unlängst. Dazu gehöre die Milliardärsfamilie Olayan, die zu den größten Anteilseignern von Credit Suisse zählt.

Angeblich erwägt die Familie, Aramco-Aktien im Wert von mehreren Hundert Millionen Dollar zu zeichnen. Auch Al-Walid Bin Talal verhandele über ein größeres Engagement beim sogenannten IPO. Der Prinz ist beispielsweise Aktionär von Citigroup und Twitter.

Dem Vernehmen nach sind Vertreter von Aramco zudem um Investments der Familie Almajdouie bemüht, deren Geschäftsinteressen vom Vertrieb von Fahrzeugen von Hyundai Morot im Königreich bis zu einem großen Logistikbetrieb reichen. Ebenfalls im Fokus des Konzerns steht laut Bloomberg der Al-Turki-Clan, der unter anderem in Immobilien und Häfen investiert ist.

Zwischen Euphorie und Skepsis

Internationale Investoren reagieren unterschiedlich auf den Börsengang. Der norwegische Staatsfonds und die Holdinggesellschaft Temasek aus Singapur investieren wegen der starken Abhängigkeit von Öl nicht in die Aktie, wie sie bereits im Vorfeld deutlich gemacht haben.

Andere Anleger wie Franklin Templeton klingen fast euphorisch. Für Salah Shamma von Franklin Templeton Emerging Markets bietet sich mit dem Börsengang eine „einzigartige Investitionsmöglichkeit“. Ähnlich sieht es Guinness Asset Management: Der Konzern verfüge „über mehr als 20 Prozent der globalen Ölreserven“.

Das sei das Fünffache der der nachgewiesenen Reserven der anderen Öl-Konzerne zusammen. Außerdem verfüge Aramco über eine „makellose Bilanz und wird in den Jahren 2019 und 2020 im Wesentlichen keine Nettoverschuldung benötigen, wenn die Ölpreise von Brent im Durchschnitt bei 60 Dollar je Fass (159 Liter) liegen“.

Niedrige Ölpreise hatten den Gewinn des Energieriesens in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres zwar um 18 Prozent absacken lassen: Bis Ende September erzielte Aramco jedoch noch immer einen stattlichen Gewinn von 68,2 Milliarden Dollar. Damit lag Aramco immer noch vor Apple, das jahrelang als das profitabelste Unternehmen der Welt galt. Der Tech-Riese aus Kalifornien verdiente im ganzen Jahr 2018 knapp 60 Milliarden Dollar.

Laut Guinness Asset Management ist Aramco gerade dabei, eine 70-prozentige Beteiligung am saudischen Petrochemieunternehmen Sabic zu erwerben. Die künftigen Wachstumsinvestitionen würden sich auf „nachgelagerte Öl-, Chemie- und Erdgasproduktion konzentrieren“.

Andere Fondsmanager geben sich weitgehend „vorsichtig optimistisch“. Sie begründen ihre Zurückhaltung mit dem kleinen Anteil an Aktien, der frei handelbar ist. Außerdem seien die Anteilsscheine nicht an einer internationalen Börse, sondern nur am Tadawul in Riad notiert.

Der jüngste Angriff auf die Ölfelder in Saudi Arabien habe zudem die Anfälligkeit gegen Anschläge deutlich gemacht. Gleichzeitig sei der Kronprinz MbS der faktische Herrscher. Seine Reaktionen seien schwer vorherzusagen, wie der Druck auf die reichen Familien Saudi Arabiens in Aramco-Aktien zu investieren.

Der Schutz der Minderheitsaktionäre sei entscheidend, hieß es bei einem großen Fondshaus. Für Bernd Schröder, Fondsmanager von Union Investment, ist eine verlässliche Ausschüttungspolitik entscheidend, um Unsicherheiten etwa im politischen Bereich oder dem Ölpreis auszugleichen. Ein Selbstläufer wird die Mega-Emission wohl nicht.

Mehr: Auch in zwanzig Jahren bleibt Öl der Opec zufolge der wichtigste Rohstoff zur Energiegewinnung. Doch ausgerechnet die Nachfrage nach Öl des Kartells werde sinken.

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