Siemens Vorbereitung für Börsengang von Healthineers läuft an

Der Münchener Industriekonzern Siemens bereitet den Börsengang für die Medizintechnik-Sparte Healthineers vor. Die US-Bank Goldman Sachs könnte dabei die Rolle der begleitenden Investmentbank spielen.
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Der Börsengang von Healthineers würde frühestens im Herbst stattfinden. Quelle: AP
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Der Börsengang von Healthineers würde frühestens im Herbst stattfinden.

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FrankfurtDie Börsenpläne für die Siemens-Medizintechnik-Sparte Healthineers nehmen Finanzkreisen zufolge bereits Gestalt an. Der Münchener Industriekonzern wolle Anfang April beginnen, die begleitenden Investmentbanken auszuwählen, sagten drei Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Die besten Karten habe dafür die US-Bank Goldman Sachs, die als Hausbank von Siemens gilt und bereits mit vorbereitenden Arbeiten beschäftigt sei, sagte einer der Insider. Weder Siemens noch Goldman Sachs wollten sich dazu äußern. Stattfinden dürfte der Börsengang dann – wenn die Aktienmärkte mitspielen – frühestens im Herbst. Michael Sen, der im Siemens-Vorstand für die Medizintechnik verantwortlich sein wird und den Börsengang organisierten soll, kehrt im April von E.ON nach München zurück.

Siemens Healthineers könnte einer der größten Börsengänge in Deutschland der vergangenen Jahre werden, auch wenn der Konzern nur einen Minderheitsanteil an die Börse bringen und die Mehrheit auf Dauer behalten will. Experten veranschlagen den Wert der Sparte auf 36 Milliarden bis 37 Milliarden Euro. Wie viele Schulden der Mutterkonzern der Tochter aufhalst, ist aber offen.

Ein Weltkonzern in stetem Wandel
1847
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Werner von Siemens wurde 13. Dezember 1816 in Niedersachsen geboren. Nach der Konstruktion des Zeigertelegrafen gründet er im Oktober 1847 zusammen mit dem Feinmechaniker Johann Georg Halske die „Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske“ in Berlin. Der heutige Siemens-Chef Joe Kaeser betont gern, dass der Konzern in Berlin in einem Hinterhof gegründet wurde, als es im Silicon Valley noch gar keine Garagen gab. Auch Siemens war einmal ein Start-up, soll das heißen.

1866
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Die Entdeckung des dynamoelektrischen Prinzips im Jahr 1866 legt die Basis für den Einsatz der Starkstromtechnik. Die Elektrifizierung ist bis heute neben der Industrieautomatisierung und der Medizintechnik zentrales Standbein des Technologiekonzerns.

1879
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Auf der Berliner Gewerbeausstellung 1879 präsentiert Siemens & Halske die erste elektrische Eisenbahn der Welt mit Fremdstromversorgung. Heute macht Siemens mit Hochgeschwindigkeitszügen, U-Bahnen und anderen Zügen Milliardenumsätze. Die Sparte wurde durch den Kauf des Bahngeschäfts des britischen Invensys-Konzerns zudem in der Signal- und Leittechnik gestärkt. Allerdings ist die langfristige Zukunft der Sparte offen, Siemens hatte sich schon öfter nach Partnern umgesehen, um zum Beispiel einen europäischen Bahnchampion nach dem Vorbild von Airbus zu formen. 1903 werden die Starkstromabteilungen von Siemens & Halske mit der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vorm. Schuckert & Co. zur Siemens-Schuckertwerke GmbH fusioniert.

1919
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1919 schließen sich die führenden Glühlampenhersteller Deutschlands zur Osram GmbH KG zusammen. Siemens & Halske ist mit 40 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen beteiligt. Später wird Siemens Alleineigentümer von Osram – bis sich der Konzern entschied, die Tochter an die Börse zu bringen. Noch hält Siemens 17,5 Prozent an der Osram Licht AG, wird sich aber wohl in absehbarer Zeit auch von dieser Restbeteiligung trennen.

1932
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1932 gründet Siemens zusammen mit der Erlanger Firma Reiniger, Gebbert & Schall die Siemens-Reiniger-Werke AG. Das Joint Venture entwickelt sich rasch zu einer führenden elektromedizinischen Spezialfirma. Die Medizintechnik gilt heute als Ertragsperle im Konzern. Vorstandschef Joe Kaeser hat angekündigt, sie an die Börse zu bringen. Mit einem Wert von 25 bis 30 Milliarden Euro könnte sie den Einzug in den Dax schaffen. Während des Zweiten Weltkriegs beschäftigt Siemens auch Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge in seinen Werken. Zu Kriegsende ist auch Siemens in der Existenz bedroht. Die meisten Gebäude und Werksanlagen sind zerstört, das Vermögen wird konfisziert.

1945
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Teile der Unternehmensführung werden noch im Februar 1945 nach München, Mülheim a.d. Ruhr und Hof verlagert. Siemens & Halske bekommt den Hauptsitz in München, die Siemens-Schuckertwerke in Erlangen. Berlin bleibt jeweils zweiter Firmensitz. In diesem Jahr eröffnete Konzernchef Joe Kaeser die neu gebaute Konzernzentrale am Wittelsbacher Platz in München.

1966
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Die Unternehmensteile werden zusammengelegt. Zum 1. Oktober 1966 wird die Siemens Aktiengesellschaft gegründet. 1969 gründen Siemens und die AEG die Kraftwerk Union AG. Im Jahr 2001 ging Siemens auch an die US-Börse. 2014 kündigte der Konzern aber den Rückzug von der Wall Street an. Die Kosten für eine US-Notierung sind hoch, der Nutzen aber überschaubar.

Mit der Börsennotiz soll Healthineers Zugang zum Kapitalmarkt bekommen, um seine Expansion zu finanzieren, aber auch um Übernahmen stemmen zu können. Siemens-Chef Joe Kaeser bezeichnete den Börsengang im November als „logischen Schritt“. Healthineers gilt als Marktführer bei bildgebenden Verfahren wie Computer-Tomografie (CT), will aber weiter in Wachstumssegmente vorstoßen, etwa in der Molekulardiagnostik. Analysten nennen als Übernahmekandidaten Firmen wie GenMark Diagnostics und Oxford Immunotec.

Derzeit entwickelt Siemens gerade ein neuartiges Labor-Diagnostik-System mit dem Namen Atellica, um Konkurrenten wie Roche und Abbott Paroli zu bieten. Das dürfte aber die Renditen der nächsten zwei Jahre drosseln. Mit einem Umsatz von 13,5 Milliarden Euro und einem operativen Gewinn (Ebit) von 2,3 Milliarden Euro war Healthineers im Geschäftsjahr 2015/16 (Ende September) die Siemens-Sparte mit der höchsten Rendite.

Siemens hatte den Bereich mit heute 46.000 Mitarbeitern 2006 mit den Übernahmen von Bayer Diagnostics (für 4,2 Milliarden Euro) und DPC (für 1,9 Milliarden Dollar) aufgebaut. Ein Jahr später kam für sieben Milliarden Dollar Dade Behring hinzu.

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