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Softwarekonzern Was Anleger zum Börsengang von Teamviewer wissen müssen

Der Börsengang bringt Teamviewer 2,2 Milliarden Euro ein. Aber wie steht der Softwarekonzern wirtschaftlich da? Wie realistisch ist die Bewertung? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Update: 25.09.2019 - 06:17 Uhr Kommentieren
Mit Teamviewer gibt ein milliardenschweres Unternehmen sein Debüt auf dem Börsenparkett. Quelle: dpa
Software-Hersteller Teamviewer

Mit Teamviewer gibt ein milliardenschweres Unternehmen sein Debüt auf dem Börsenparkett.

(Foto: dpa)

Frankfurt An diesem Mittwoch wird es spannend an der Frankfurter Börse: Mit Teamviewer gibt ein weiteres milliardenschweres Unternehmen sein Debüt auf dem Parkett. Fondsmanager sprechen der Aktie aus dem Portfolio des Finanzinvestors Permira Potenzial zu, weil Investmentprofis in vielen Bereichen des Technologiesektors positive langfristige Aussichten erkennen.

„Technologieaktien generell und vor allem Softwareunternehmen wie Teamviewer profitieren derzeit stark davon, dass viel in Digitalisierung und Automatisierung investiert wird und die mittelfristigen Wachstumsperspektiven daher sehr gut aussehen“, sagt Portfoliomanager Markus Golinski von Union Investment. Für Neuankömmlinge biete sich in vielen Fällen ein gutes Umfeld, ergänzt Gunnar Heinze, Deka-Experte für europäische Technologieaktien. Allerdings „variieren die Erfolgsaussichten im heterogenen Technologiesektor enorm“, und sie hingen stark vom einzelnen Geschäftsmodell ab, schränkt er ein.

Gerade bei den in dieser Gruppe gewichtig vertretenen Softwareaktien sei die Bewertung gegenüber dem Gesamtmarkt schon auf ein Rekordniveau gestiegen, betont Golinski – die Investoren seien daher vorsichtiger geworden. In den letzten Wochen hätten sich die Aussichten gerade für schnell wachsende und hoch bewertete Technologiewerte etwas eingetrübt.

Teamviewer aus dem baden-württembergischen Göppingen hat 84 Millionen Aktien zu einem Preis von 26,25 Euro bei neuen Investoren untergebracht, wie der Hersteller von Software zur Fernwartung von Computern und anderen Geräten am Dienstag mitteilte. Damit schöpfte Teamviewer die Preisspanne nicht ganz aus, die von 23,50 bis 27,50 Euro je Aktie reichte.

Insgesamt ist der Börsengang, neudeutsch „Initial Public Offering“ (IPO) genannt, damit 2,21 Milliarden Euro schwer. Das Geld soll voll und ganz dem Finanzinvestor Permira zufließen. Zum Ausgabepreis wird Teamviewer nun mit 5,25 Milliarden Euro bewertet. Bis zu 42 Prozent der Aktien befinden sich nach dem Börsengang im Streubesitz. In weiteren Platzierungen können es am Ende bis zu 100 Prozent werden. Das Handelsblatt beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem IPO für Anleger:

Was passiert kurz vor dem IPO?

Rund vier Wochen vor der Erstnotiz gibt das Unternehmen eine offizielle Absichtserklärung für den Börsengang („Intention to float“) ab. Bei Teamviewer geschah das Ende August. Die vertraulichen Studien der das IPO begleitenden Banken zur Bewertung wurden an potenzielle Investoren verteilt. Die Analysten sind eingestimmt worden.

Nach Angaben aus Finanzkreisen ist die Emission mehrfach überzeichnet. Es soll Nachfrage über die gesamte Preisspanne hinweg geben und sogar noch darüber hinaus. Das obere Ende bei 27,50 Euro wurde allerdings nicht ausgeschöpft werden. Der Preis für eine Aktie liegt bei 26,25 Euro. Seit der Veröffentlichung des Börsenprospekts konnten die Aktien gezeichnet werden.

Den größten Anteil an IPOs zeichnen in der Regel Profianleger aus dem Ausland, bei Technologieaktien vor allem Investoren aus den USA und Großbritannien. Inländische Anleger erwarben im langjährigen Schnitt einen Anteil von rund fünf Prozent an heimischen Emissionen. Bei Teamviewer soll es allerdings anders sein. Finanzkreise sprechen von einem großen Interesse aus Deutschland.

Welche Rolle spielt der Alteigentümer?

Die Private-Equity-Gesellschaft Permira hat den Konzern vor fünf Jahren für 870 Millionen Euro gekauft. Heute liegt der Wert des schwäbischen über dem Sechsfachen des Einsatzes. Permira liegt viel daran, dass das IPO bei Anlegern gut ankommt, da auch in den nächsten Jahren noch eine Menge Aktien zu verkaufen sind. Deshalb will der Finanzinvestor auf jeden Fall einen Erfolg beim Schritt an die Börse sehen.

Einen geschickten Schachzug hat Permira mit der Entscheidung gemacht, Teamviewer an die Frankfurter Börse zu bringen. Da hier mit dem Softwarekonzern SAP derzeit nur ein großes Technologieunternehmen von Weltruf notiert ist, hat Teamviewer beste Chancen, besonders große Aufmerksamkeit von Investoren zu erhalten. Dem Finanzplatz Deutschland tut das jedenfalls gut.

Welche Banken begleiten die Transaktion?

Die globale Koordination liegt bei Goldman Sachs und Morgan Stanley, die sich die Federführung mit der Bank of America sowie Barclays teilen. Sie erstellen ein Emissions- und Platzierungskonzept. Gleichzeitig führen sie das wichtige Orderbuch, in dem man jederzeit sehen kann, wie gefragt die Aktie innerhalb der Preisspanne ist. Außerdem teilen sie die Aktien den Interessenten zu.

Wie steht Teamviewer wirtschaftlich da?

Teamviewers Umsatz war 2017 um acht Prozent auf 157 Millionen Euro gesunken, der Gewinn eingebrochen. Das hing allerdings mit der Umstellung des Geschäfts vom Verkauf von Softwarepaketen auf Lizenzen zur Nutzung zusammen. Vorstandschef Oliver Steil führte das Unternehmen, das Fernwartungssoftware für die IT anbietet, dann wieder zum Erfolg. 2018 machte Teamviewer einen Umsatz von 230 Millionen Euro. Teamviewer wächst mit seiner Software für Fernwartung, Videokonferenzen und Dateitransfer, die auf 340 Millionen Geräten weltweit genutzt wird. Etwa 80 Prozent der umsatzstärksten 500 US-Firmen gehören zu den Kunden. Ende 2018 verbuchte Teamviewer 678 Millionen Euro langfristige Schulden. Das ist eine Belastung in Zeiten, in denen sich Investor Permira schrittweise zurückzieht. Denn das Geld aus dem Börsengang kassiert lediglich Permira. Ein Abbau der Schulden über die Emissionserlöse erfolgt nicht. Allerdings beträgt der operative Gewinn mehr als 50 Prozent und soll Prognosen zufolge weiterwachsen. Dadurch können auch die Schulden heruntergefahren werden, zugleich kann in den Ausbau des Geschäfts investiert werden. Vor allem Asien lockt Teamviewer. Auch in der digitalen Technik, dem „Internet of Things“, will Teamviewer in den Bereichen E-Health und Smartcity vorankommen. Dies könnte auch durch kleinere Akquisitionen geschehen.

Wie realistisch ist die Bewertung?

Investmentbanker halten die Bewertung von Teamviewer für recht hoch. 2018 machte das Unternehmen noch einen Verlust. Für das erste Halbjahr 2019 weist der Wertpapierprospekt zwar einen Gewinn in Höhe von 45 Millionen Euro aus. Je nach Preis, zu dem die Anleger die Aktie zeichnen, würden sie den Anteilsschein aber mit dem 103- bis 120-Fachen des Gewinns bewerten. Allerdings handelt es sich bei Teamviewer um eine Firma, die sehr schnell wächst. In diesem Jahr sollen die Umsätze um über ein Drittel zulegen, im nächsten Jahr um 24 Prozent. Der Markt für Anwendungen, in dem Teamviewer unterwegs ist, soll laut dem Berater McKinsey von 2018 auf 2030 von zehn auf 30 Milliarden Euro wachsen.

Für Forschung und Entwicklung hat Teamviewer laut Analyse von Goldman Sachs im vergangenen Jahr 23 Millionen Euro oder acht bis neun Prozent der Erlöse ausgegeben. Das liege deutlich unter dem, was die Softwarekonkurrenten aufwendeten. Die Banker sehen Google und Microsoft als eine mögliche Gefahr an. Genannt werden auch die Konkurrenten Citrix und VM Ware. Der Firmenwert von Teamviewer dürfte etwa beim 21- bis 24-Fachen des Umsatzes liegen. Konkurrenten wie Citrix und Service Now liegen deutlich darunter. 

Wird Teamviewer zum neuen SAP?

Teamviewer habe ein attraktives Geschäftsmodell aufgebaut, urteilt Deka-Experte Heinze, und verfüge über Wachstumsperspektiven in wichtigen Zukunftsmärkten: „Nichtsdestotrotz adressierte SAP seinerzeit sicherlich einen größeren Gesamtmarkt mit einem Produkt, das für die Kunden eine größere Bedeutung hat und schwerer zu ersetzen ist.“ Auf jeden Fall hält es Union-Fondsmanager Golinski für erfreulich, dass in Deutschland „wieder einmal ein Softwareunternehmen an die Börse geht“. Grundsätzlich fehle es anders als in den USA in Deutschland und Europa im Technologiesektor an börsenfähigen Unternehmen.

Ist Teamviewer die größte Emission 2019?

Ja, denn im deutschen Markt herrschte bislang Flaute. Beim Börsengang seiner Lkw-Tochter Traton nahm Volkswagen rund 1,5 Milliarden Euro ein. Die Emission fiel deutlich kleiner als erwartet aus. Mit voraussichtlich über zwei Milliarden Euro ist Teamviewer da schon größer. Trotzdem fällt der Börsengang deutlich kleiner aus als die Aktienneuemission des Medizintechnikkonzerns Siemens Healthineers, die auf ein Volumen von 4,2 Milliarden Euro im Frühjahr 2018 kam.

Wie liefen die letzten Aktienneuemissionen?

Die Bilanz der Neulinge in diesem Jahr sieht nicht gut aus. Traton hat im Vergleich zum Ausgabekurs um über sieben Prozent verloren. Noch schlimmer erwischte es die Global Fashion Group. Ihr Kurs halbierte sich. Anders sieht es bei den beiden Großemissionen Siemens Healthineers und Knorr Bremse aus, die im vergangenen Jahr an die Börse gingen. Die Medizintechniktochter des Siemens-Konzerns überzeugte bisher mit einem Kursplus von rund 25 Prozent, Knorr Bremse mit einem Zugewinn von gut zehn Prozent. Dagegen bereitete etwa die Fondstochter der Deutschen Bank, DWS, mit einem Minus von über zehn Prozent Anlegern keine rechte Freude. Die Internetaktien Home24 und Westwing waren für die Anleger bisher sogar eine herbe Enttäuschung.

Was ist noch in der Pipeline?

Der Hamburger Konzern für Logistikimmobilien Logistrial plant im Herbst seinen Börsengang und will damit bis zu 605 Millionen Euro einnehmen. Das Unternehmen hat sich bereits ein Immobilienportfolio von 20 Objekten im Wert von 768 Millionen Euro gesichert. Davon müssen acht Projekte noch gebaut werden. Im nächsten Jahr soll Logistrial in einen börsennotierten Immobilienaktienfonds, auch „Reit“ genannt, umgewandelt werden. Die Firma profitiert dann von der Steuerbefreiung auf Unternehmensebene. Das Unternehmen plant eine Dividendenrendite von fünf Prozent und will das Immobilienportfolio mittelfristig auf einen Gesamtwert von zwei Milliarden Euro ausweiten.

Mehr: Nach den Anschlägen auf Ölfelder von Saudi Aramco wird ein Börsengang in diesem Jahr unwahrscheinlicher. Der Börsengang wäre 100 Milliarden Dollar schwer.

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