Stahlkonzern Thyssen-Krupp-Aktie geht auf Tauchfahrt

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Analysten raten zum Verkauf
Schaufelräder, Zementwerke und U-Boote
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Künftig soll das reine Stahlgeschäft wie etwa die Produktion von veredelten Blechen für die Automobilindustrie nur noch 30 Prozent des Konzern-Geschäfts ausmachen. Dennoch bleiben Blechrollen wie diese ein Kernprodukt.

rolltreppen
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Rolltreppen und Fahrsteige – etwa in Flughafen-Terminals – gehören ebenfalls zum Thyssen-Krupp-Produktspektrum. Dieses Foto ist in einem Essener Einkaufszentrum aufgenommen worden.

Aufzüge
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Allen Negativ-Schlagzeilen zum Konzern trotzt das Aufzuggeschäft von Thyssen-Krupp. Vor allem starke Absatzzuwächse in Asien erfreuen das Unternehmen. Das Bild zeigt ein System mit zwei Kabinen in einem Aufzugschacht beim Einbau in der Essener Konzernzentrale Anfang 2010.

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Für die Automobilindustrie bietet Thyssen-Krupp auch den Aufbau von Anlagen, die etwa automatisch Fahrwerke oder andere Komponenten einbauen.

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Thyssen-Krupp setzt vermehrt auf Planung und Bau ganzer Chemie- und Industrieanlagen. Im Bild ein Zementklinkerwerk im Senegal.

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Dieses Schaufelradladgeärt steht im Hafen von Rotterdam und wird zur Verladung von Eisenerz eingesetzt. Geliefert wurde es von der Thyssen-Krupp-Sparte „Plant Technology“.

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Großwälzlager von Thyssen-Krupp kommen etwa in Kränen zum Einsatz, die schwere Lasten bewegen.

„Wir glauben, das seine breitere Restrukturierung sehr viel entfernter ist als manchen hoffen dürften, urteilte der Analyst Michael Shillaker von Credit Suisse. Er senkt das Kursziel auf 20 von 23,80 Euro. Auch DZ-Bank-Analyst Dirk Schlamp reagierte negativ: Obwohl Thyssen-Krupp Steel USA verkauft worden sei, sei dies nicht der erhoffte große Coup gewesen.

Die Stimmung bessern kann auch nicht die Nachricht, dass der Finanzinvestor Cevian womöglich bei der geplanten Kapitalerhöhung des angeschlagenen Thyssen-Krupp-Konzerns mitzieht. „Cevian schließt nicht aus, sich an einer Kapitalerhöhung zu beteiligen“, verwies eine Sprecherin auf frühere Aussagen des Hedgefonds. Die Schweden hatten im September mitgeteilt, die Schwelle von fünf Prozent bei Thyssen-Krupp überschritten zu haben und anschließend ihren Anteil auf 6,1 Prozent erhöht.

Eine entscheidende Rolle spielt auch die Krupp-Stiftung. Sie ist mit einem Anteil von 25,3 Prozent die wichtigste Aktionärin des Konzerns. Mit ihrer Sperrminorität galt sie als Bollwerk gegen eine feindliche Übernahme. Die neue Vorsitzende der Stiftung, Ursula Gather, schloss den Erwerb neuer Anteile nach Informationen des Handelsblatts nicht aus. Offiziell will die Krupp-Stiftung keine Stellung nehmen. DSW-Mann Hechtfischer glaubt, dass die Stiftung sich sogar verschulden könnte, um eine Kapitalerhöhung mitzumachen. Denn deren oberstes Ziel sei es offenbar, auf jeden Fall die Sperrminorität zu halten.

Die Stiftung finanziert ihre Arbeit allerdings wesentlich aus den Dividendenzahlungen von Thyssen-Krupp - und diese fallen angesichts eines neuen Milliardenverlustes nun das zweite Mal in Folge aus. Bislang kann die Stiftung drei Vertreter direkt in den Aufsichtsrat entsenden. Schrumpft der Anteil bei einer Kapitalerhöhung, könnten es künftig nur noch zwei sein. Den Platz könnte dann etwa Cevian einnehmen.

Die Krupp-Stiftung ist selbst im Umbruch begriffen. Mit dem Tod des 99-jährigen Patriarchen Berthold Beitz traf den Konzern Ende Juli ein Schicksalsschlag. Als Chef der mächtigen Krupp-Stiftung hatte Beitz über Jahrzehnte hinweg die Fäden in der Unternehmensgruppe gezogen.

Vor seinem Tod hatte Beitz noch die Entflechtung von Stiftung und Konzern eingeleitet. Hiesinger hat damit weiteren Spielraum für den nötigen Neuanfang. Er will Thyssen-Krupp vom Stahlunternehmen weg stärker auf die sogenannten Technologiebereiche ausrichten - und vor allem das Geschäft mit Aufzügen und Rolltreppen, mit dem Bau großer Industrieanlagen und mit Autoteilen ausweiten.

Für 2013 hatte sich Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger viel vorgenommen. Alte Seilschaften sollten gekappt, fragwürdige Gewohnheiten über Bord geworfen und drängende Probleme endlich gelöst werden. „Alle Weichen sind gestellt“, versprach der Konzernlenker den Aktionären noch bei der Hauptversammlung zum Jahresbeginn. Doch mit dem angekündigten Strukturwandel ist der 53-Jährige auch fast ein Jahr später noch nicht am Ziel, die Lage bei dem Traditionsunternehmen ist ernst. Bei der Bilanzvorlage musste der Manager nun allen Hoffnungen auf ein schnelles Ende der Krise eine klare Absage erteilen.

Hiesinger bemühte sich nun, die Erwartung rascher Lösungen zu dämpfen: „Befreiungsschläge gibt es nicht.“ Ein Unternehmen, das sich über Jahre hinweg in eine tiefe Krise manövriert habe, benötige auch Jahre, um wieder auf eine vernünftige Basis zu kommen. „Wir lassen uns nicht treiben. Manchmal muss man kleine Schritte gehen.“ Zuvor hatte er seine Pläne aufgeben müssen, beide amerikanische Problem-Stahlwerke auf einmal abzustoßen. Immerhin: Die bestehenden Risiken seien nicht bestandsgefährdend, so Hiesinger.

Rolle-Rückwärts bei Edelstahlwerken
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4 Kommentare zu "Stahlkonzern: Thyssen-Krupp-Aktie geht auf Tauchfahrt"

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  • .......das, was beim U-Boot-Bau von Thyssen geleistet wurde und wird, z. B. den Wasserstoff-Antrieb und die technisch militärisch ohne Konkurrenz hergestellten U-Boote, dieses hätte Thyssen-Krupp auch beim Stahl bringen sollen. Also einen völlig neuen leichten Stahl, rostfrei für die Automobil-Industrie, einen Stahl made in Germany ohne Konkurrenz. Aber Massenstahl machen andere billiger und vielleicht sogar besser. Warum wurde nicht die Situation erkannt, also z. B. ein Rückgang bei den Autoherstellern. Und die wahnsinnige Größe der Werke. Größenwahn? Ja! Und so kommt die Bestrafung auf den Fuß........Und so fragt sich die Stiftung in Essen und woanders.....wie soll es weiter gehen?...............

  • Es ist schon beeindruckend, wie tief und lang andauernd die Folgewirkungen der geistig-moralischen Wende von 1982 sind. Aber es verwundert nicht. Immerhin hat ja die mindestens seit 1985 verkündete Karriererezeptur der Kohl-Genscher-Truppe genau beschrieben, was kommen würde: "Können? Können muss nicht sein. Kennen! Kennen muss sein!".

    Und so ist sie denn entstanden. Eine hybride Elite von größenwahnsinningen, schizioid-narzistischen Leistungsträgern, die heute noch immer als "Manager" tituliert werden, obwohl sie, vom Standpunkt der Praxis aus betrachtet, als neufeudalistischen Erbbesitzfeudalhöflinge und Cretins beschrieben werden müssten, wenn man denn deren Realleistungsfähigkeit zugrunde legen würde.
    Es wird wohl mit dem Neuen Deutschland und dessen Neuer Sozialen Marktwirtschaft in dem gesamtgesellschaftlichen Bankrott enden, in dem alle realleistungsunfähigen Feudalgesellschaften verenden. Bleibt zu hoffen, dass wir das in diesem Falle einmal ohne einen großen Krieg abarbeiten und die bedingungslose Kapitulation dieser Finanzspekulations-, -anlagenbetrugs-, Steuergestaltungs-, -vermeidungs- und -hinterziehungskriminalitätswirtschaft auf kalter Basis abwickeln können.

  • Wie konnte das passieren mit Topmanagern, die viel Boni kassieren?

  • Der Hiesinger kann es offenkundig auch nicht. US-Werk zu verschenken, sich von den Finnen übers Ohr hauen lassen und die größte Qual - sprich Brasilien nicht loszuwerden - das hätte auch ein dressierter Affe geschafft.

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