Telekom

Die Stimmungslage bei Investoren hat sich verbessert.

(Foto: dpa)

Starker Wettbewerb Telekomaktien sind günstig bewertet – warum sie trotzdem kein Schnäppchen sind

Die Aktien der großen Telekomkonzerne entwickeln sich schon seit Jahren schlechter als der Markt. Die Probleme sind allerdings politisch gewollt.
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FrankfurtEigentlich sind sie am Puls der Zeit. Weltweite Vernetzung, Digitalisierung, Social Media – kaum ein Schlagwort des Internetzeitalters, das sich Telekomanbieter nicht auf die Fahne schreiben können. Dabei verdienen die Unternehmen sogar Geld. Und ihre Aktien sind billig. Trotzdem haben Telekomaktien an der Börse den Anschluss verloren. In den vergangenen drei Jahren haben sie im Schnitt ein Drittel ihres Werts eingebüßt.

Damit haben sie mehr verloren als jede andere Branche in Europa. Eine Folge der Kursverluste: Telekomaktien sind günstig bewertet. „Sie handeln aktuell gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis mit einem Abschlag von 20 Prozent gegenüber dem Gesamtmarkt“, sagt Christian Reuter, Portfoliomanager für europäische Aktien bei der DWS. Auch die durchschnittliche Dividendenrendite von über fünf Prozent ist ordentlich.

Sind die Papiere damit ein Schnäppchen? Die meisten institutionellen Investoren meinen: nein. Entwarnung gibt es damit auch für Privatanleger, die in Telekomaktien investiert sind, noch nicht – trotz der eigentlich vielversprechenden Aspekte. Aber immerhin gibt es erste Hoffnungszeichen. So sind Großanleger zumindest nicht mehr ganz so skeptisch wie zuvor.

Im Juli waren laut der jüngsten Umfrage der BofA Merrill Lynch unter dem Strich 19 Prozent der weltweiten Portfoliomanager in Telekomaktien untergewichtet. Das waren etwas weniger als noch im April. Außerdem hat sich die Branche an der Börse zuletzt etwas erholt. Seit der europäische Sektorindex Mitte Juli auf ein Fünfjahrestief gefallen ist, ging es um vier Prozent nach oben.

Reuter von der DWS bringt die Stimmungslage vieler Investoren auf den Punkt: „Wir sind noch relativ vorsichtig mit Blick auf Telekomaktien, beobachten jedoch leichte Verbesserungen.“ So überraschten zuletzt Unternehmen wie die spanische Telefónica, die französische Orange und die niederländische KPN mit höheren Umsätzen und Betriebsergebnissen im ersten Halbjahr.

Die Deutsche Telekom legt ihre Zahlen erst am heutigen Donnerstag vor, hat aber die Prognose für ihr bereinigtes Betriebsergebnis für das Gesamtjahr bereits auf 23,3 Milliarden Euro erhöht. Dazu hoffen Anleger darauf, dass die Telekom in den USA den Wettbewerber Sprint übernimmt. Doch nicht überall läuft es so gut. Die britische Vodafone und Telecom Italia haben Anleger mit ihren Zahlen enttäuscht.

Auf Telecom Italia lastet zudem das Länderrisiko. Im Herbst verhandelt die neue Regierung aus Links- und Rechtspopulisten in Rom über das Haushaltsbudget. Investoren fürchten, dass der hochverschuldete Staat noch mehr ausgibt. Ohnehin sind es nicht die Einzelfälle, die Investoren vorsichtig machen, sondern die grundlegenden Probleme der Branche.

Regulierer begrüßen Wettbewerb

„Der Wettbewerb ist groß, die Unternehmen müssen viel investieren und haben nur geringe Preissetzungsmacht“, fasst Stefan Raetzer die Knackpunkte zusammen. Auch er hat als Fondsmanager für europäische Aktien bei Allianz Global Investors Telekomaktien in seinen Fonds untergewichtet – die Untergewichtung aber ebenfalls bereits etwas reduziert.

Die große Konkurrenz und die fehlende Preissetzungsmacht, die der Branche zu schaffen machen, sind politisch gewollt. „Die Regulierer begrüßen den Wettbewerb, um niedrige Preise für die Konsumenten zu gewährleistet“, erklärt Reuter. James Rutland, Fondsmanager für Europa-Aktien bei Schroders Investment Management, spricht vom „Gegenwind“ für die Branche durch die „Vielzahl regulatorischer Maßnahmen“.

Dazu gehört die Abschaffung der Roaming-Gebühren. Seit gut einem Jahr kostet ein Telefonat mit dem Handy aus dem EU-Ausland nicht mehr als im Heimatland. Auch die sogenannten Terminierungsentgelte sind für die Anbieter gering. „Ein Unternehmen, das seine Netzinfrastruktur für Wettbewerber zur Verfügung stellt, bekommt dafür nur wenig Durchleitungsgebühren“, betont Reuter.

Für die europäischen Telekomkonzerne sei es von daher strukturell schwer, ihre Gewinne und Umsätze dauerhaft und deutlich zu steigern. Dazu kommt, dass die Konzerne viel investieren müssen. Der Ausbau der Glasfasernetze für schnelleres Internet ist in ganz Europa in vollem Gang. Zudem laufen die Versteigerungen für die Lizenzen unter dem geplanten Echtzeit-Mobilfunkstandard 5G, der für Anwendungen wie autonomes Fahren oder Telemedizin unverzichtbar ist.

„Die Investitionen werden auch in diesem Jahr ein großer Belastungsfaktor für die Branche sein“, fürchtet Reuter. Die Unternehmen hätten zwar schon viel in Glasfasernetze und die Aufrüstung ihrer Mobilfunknetze auf das schnelle 4G (LTE) investiert: „Aber das allein reicht nicht, jetzt steht 5G an.“ Schroders-Mann Rutland sieht das entspannter: „5G ist eine Evolution der vorhandenen Netzwerkinfrastrukturen. Im Vergleich dazu waren die Investitionsanforderungen an 4G viel größer.“

Es kommt aber auf die Differenzierung an. Es gibt Unterschiede beim Ausbau der Glasfasernetze, die nicht nur für das Internet zu Hause oder im Büro, sondern auch für 5G nötig sind. „In Spanien zum Beispiel ist es relativ günstig, Glasfaserkabel zu verlegen, es gibt weniger Auflagen als in Deutschland“, sagt Raetzer von Allianz Global Investors.

Für Rutland gehören vor allem die spanische Telefónica und die niederländische KPN zu den Unternehmen, die bereits signifikant in Glasfasernetzwerke investiert haben. Die Folge: „Die Investitionsausgaben bewegen sich nun langsam von diesem hohen Niveau nach unten, sodass sich die Cashflows wieder verbessern dürften.“ Rutland hat Telefónica und KPN schon länger in seinem Aktienfonds, der auf 30 bis 35 Titel fokussiert ist.

Das führt dazu, dass 8,2 Prozent des Fonds auf Aktien aus der Telekombranche entfallen. Damit ist der Fonds gegenüber seiner Benchmark MSCI Europe in Telekomaktien klar übergewichtet. Wegen des Kursverfalls hat die Branche in diesem und anderen Indizes einen Anteil von nur um gut drei Prozent. Um übergewichtet zu sein, müssen Manager von europäischen Aktienfonds also nicht sonderlich viele Telekomaktien halten.

Aufstocken würden die meisten Portfolioverwalter die Aktien von Telekomanbietern aber wohl nur, wenn die Unternehmen es nachhaltiger schaffen, ihre Gewinne zu steigern und Investoren positiv zu überraschen. Daran ändert auch nichts, dass die Konzerne zumeist auf ihren Heimatmarkt konzentriert sind und ihnen der Handelsstreit mit den USA wenig anhaben kann.

„Die relative Immunität gegen Zölle, die günstigen Bewertungen und leichten Verbesserungen genügen uns nicht als Argument für größere Umschichtungen in den Sektor“, meint Raetzer: „Für Aufwärtspotenzial bräuchte es noch mehr positive Gewinnrevisionen.“ Doch daran zu glauben, fällt ihm angesichts der Regulierung und des Preisdrucks auf die Branche noch nicht leicht.

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