Steinhoff International Börsengang ohne Chef

Drei Tage nach Bekanntwerden einer Razzia in der Europa-Zentrale ist der Möbelgigant Steinhoff in Frankfurt an die Börse gegangen. Doch einer fehlte: Vorstandschef Markus Jooste.
Bruno Steinhoff, Gründer des gleichnamigen Möbelkonzerns, eröffnet am Montag den Handel an der Frankfurter Börse. Quelle: PR
Börsengang nach Razzia

Bruno Steinhoff, Gründer des gleichnamigen Möbelkonzerns, eröffnet am Montag den Handel an der Frankfurter Börse.

(Foto: PR)

FrankfurtDer Börsengang war perfekt inszeniert. In edlen schwarzen Containern präsentierte der weltweit zweitgrößte Möbelhändler seine aktuelle Kollektion vor dem Haupteingang zum Handelssaal. Im Halbrund angeordnet waren eine Küche, ein Wohn-, ein Schlaf- und ein Kinderzimmer zu bewundern.

In der gleichzeitig ausgesandten Pressemitteilung jubelte Vorstandschef Markus Jooste: „Heute ist ein sehr wichtiger Tag in der Geschichte von Steinhoff. Die Notierungsaufnahme an der Frankfurter Wertpapierbörse zusammen mit einer Zweitnotierung an der Börse in Johannesburg wird das internationale Profil der Gruppe stärken.“

Nur: Wie groß ist der Jubel wirklich? Jooste war an diesem historischen Tag gar nicht anwesend. Seine Vertreter entschuldigten ihn mit Nackenschmerzen, die eine Reise von der Zentrale in Kapstadt unmöglich gemacht hätten. Dabei wäre Jooste gerade in diesen Tagen ein gefragter Gast gewesen. Denn der vergangene Freitag war ein weniger rühmlicher Tag für Steinhoff.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg meldete eine Razzia in der Europa-Zentrale des Möbelgiganten. Im Fokus der Fahnder stehen vier Manager. Sie sollen jahrelang überhöhte Umsätze gebucht haben. Und zwar so massiv, dass sie den Wert des gesamten Konzerns schönten. Der Konzern erklärte bisher nur, man werde die Behörden in vollem Umfang unterstützen und habe bereits Maßnahmen zur weiteren Aufklärung eingeleitet.

Der Start auf dem Börsenparkett verlief angesichts dieser Umstände sachlich und ohne große Euphorie. Um 9.05 Uhr läutete der sichtlich angespannte Konzerngründer Bruno Steinhoff symbolisch die goldene Glocke. Erst packte er mit beiden Händen zu, dann schwang er die Glocke auf Wunsch der Fotografen noch einmal einhändig. Der erste Kurs notierte auf 5 Euro.

Das Unternehmen wird an der Börse mit umgerechnet gut 20 Milliarden Euro bewertet und ist damit der weltweit zweitgrößter Möbelkonzern hinter Ikea. Steinhoff hat mehr als 90.000 Mitarbeiter und erzielte zuletzt knapp zehn Milliarden Euro Umsatz. In Deutschland ist der Konzern mit der Möbelkette Poco bekannt.

Die erfolgreichsten Möbelhäuser
Platz 10: Schaffrath*
1 von 10

Umsatz: 335 Millionen Euro (Vorjahr: 340 Mio.)

Mitarbeiter: 1.200

Mit seinen 29 Häusern in Nordrhein-Westfalen schafft es Schaffrath gerade noch unter die Top Ten. Dabei gibt es nicht nur Komplett-Einrichtungshäuser, sondern auch spezielle Küchenmärkte, Naturholzmöbel-Fachgeschäfte, Young-Stores, Elektrofachmärkte und eine Mega-Küchen-Fachmarkt.

 

*Quelle: möbel kultur, Stand Juli 2012

Platz 9: Otto
2 von 10

Umsatz: 680 Millionen Euro (Vorjahr: 700 Mio.; abweichendes Geschäftsjahr: 1.3. - 28.2.)

Mitarbeiter: 53.103

Der Versandhändler aus Hamburg gehört zu den sogenannten Universalversendern, die neben Kleidung auch Haushaltswaren und Möbel verkaufen. Für diese Sparte hat Otto - neben seinem Online-Angebot - einen eigenen "wohntrend"-Katalog im Angebot.

Platz 8: Dänisches Bettenlager
3 von 10

Umsatz: 878 Millionen Euro (für das Jahr 2010/11; 2009/10: 858 Millionen Euro für Deutschland)

Mitarbeiter: 7.600 (insgesamt)

Das zum Jysk-Konzern gehörige Dänische Bettenlager betreibt allein in Deutschland 846 seiner insgesamt 1.042 Filialen. Die weiteren zentrale Standorte befinden sich in Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien und Spanien. Neben dem Kerngeschäft - der Schlafzimmeraustattung - werden mittlerweile auch Büro-, Wohn- und Badezimmermöbel angeboten.

Platz 7: Segmüller
4 von 10

Umsatz: ca. 1.050 Millionen Euro (im Jahr 2011; 2010: 1.050 Millionen Euro)

Mitarbeiter: über 4.000

Neben den sieben Segmüller-Filialen gehören dem Unternehmen fünf weitere Küchenhäuser, vier Möbel Maxx-Filialen, drei Mega Stores und drei Babyland-Filialen. Segmüller betreibt Möbelhäuser vornehmlich im süddeutschen Raum.

Platz 6: Poco-Domäne
5 von 10

Umsatz: 1.080 Millionen Euro (im Jahr 2011; 2010: 945 Millionen Euro)

Mitarbeiter: 6.800

Seit dem Zusammenschluss im Jahr 2008 sind die die Discounter Poco, Domäne und Möbelix in der Poco-Domäne Holding zusammengefasst. Poco-Domäne betreibt 96 Märkte bundesweit. Im Jahr 2011 erlangte der Konzern zusätzliche Bekanntheit durch eine Werbekampagne mit der TV-Blondine Daniela Katzenberger.

Platz 5: Roller / Tejo (Tessner-Gruppe)
6 von 10

Umsatz: 1.200 Millionen Euro (im Jahr 2010/11; 2009/10: 1.160 Millionen Euro)

Mitarbeiter: über 5.500

Allein Roller betreibt in Deutschland 101 Märkte, darüberhinaus gehören zu Tejo 17 weitere SB-Lagerverkäufe, vier Einrichtunghäuser und drei Einrichtungs-Shopping-Center. Auch der Medea Küchenfachmarkt ist ein Teil der Tessner-Gruppe.

Platz 4: Porta
7 von 10

Umsatz: 1.250 Millionen Euro (im Jahr 2011; 2010: 1.200 Millionen Euro)

Mitarbeiter: 6.500

Den Umsatz bringen insgesamt 121 Möbelhäuser namens Porta, Happy Porta, Möbel Boss und Möbel Hausmann zusammen.

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