Türkei-Krise Warum Lira und Schwellenländer-Aktien weiter abrutschen

Die Zeichen stehen auf Krise: Die türkische Lira ist gegenüber dem Dollar weiter auf Talfahrt. Auch der Ausverkauf bei Schwellenland-Aktien geht ungebrochen weiter.
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Lira stabilisiert: Warum Schwellenländer-Aktien trotzdem abstürzen Quelle: AP
Wechselstube in Istanbul

Der Ausverkauf an der türkischen Börse geht trotz der Stabilisierung der Lira weiter.

(Foto: AP)

FrankfurtDie Bilder des schweißgebadeten türkischen Finanzministers Berat Albayrak sind um die Welt gegangen – als Symbol für die Krise am Bosporus. Und so dürfte Albayraks Erleichterung über eine Stabilisierung der Lira nur kurz gewährt haben: Am Freitag brach der Wechselkurs der türkischen Währung zum Dollar erneut um rund sechs Prozent ein. Der Grund waren neue Sanktionsdrohungen der USA.

Auch der Ausverkauf bei Schwellenländer-Aktien, den die Türkei-Krise losgetreten hatte, geht weiter. In den vergangenen drei Tagen gab der Leitindex für Schwellenlandwerte, der MSCI Emerging Markets Index, um rund zwei Prozent nach.

Mit einem Minus von zwischenzeitlich 3,7 Prozent war die Börse in Istanbul der größte Verlierer unter den Schwellenland-Märkten. Doch auch die Börsen in Südkorea, China, Brasilien und Chile mussten deutliche Einbußen hinnehmen.

Seit seinem Hoch zum Jahresbeginn hat der Schwellenland-Index etwa 20 Prozent verloren, was an den Finanzmärkten als Eintritt in den Bärenmarkt interpretiert wird. Das bedeutet: Die Wahrscheinlichkeit ist aus Sicht vieler Investoren hoch, dass es bei Emerging-Markets-Titeln weiter abwärts geht.

So empfiehlt beispielsweise die US-Investmentbank Morgan Stanley, vorerst die Finger von der Anlageklasse zu lassen: „Trotz gesunkener Bewertungen glauben wir nicht, dass es bereits an der Zeit ist, das Risiko in den Schwellenländern zu erhöhen“, schreiben die Analysten in einer Studie. „Wir sind bearish eingestellt.“ Probleme in einzelnen Ländern könnten sich über die globalen Finanzströme auf weitere Schwellenländer übertragen, warnen die Morgan-Stanley-Analysten.

Das bestätigen auch Daten des Institute of International Finance (IIF): Demnach haben Investoren seit der Eskalation der Lira-Krise am 9. August rund 1,3 Milliarden US-Dollar aus Schwellenland-Aktienfonds abgezogen.

Am stärksten seien Südafrika und China von der Türkei-Krise erfasst worden, heißt es in der IIF-Studie weiter. Andere asiatische Länder hätten ebenfalls moderate Mittelabflüsse verkraften müssen. Brasilien, Thailand und Katar sei dagegen Kapital zugeflossen. „Der Einfluss von Marktturbulenzen ist vor allem bei jenen Ländern hoch, die stark auf Finanzierung aus dem Ausland angewiesen sind“, schreiben die IIF-Autoren weiter.

Ebenfalls auf die Stimmung drückten schwache Gewinne chinesischer Techfirmen. Die Aktie des Telekommunikations- und Unterhaltungsriesen Tencent verlor innerhalb von drei Tagen knapp zehn Prozent, der Han Sen Index in Hong Kong notierte im gleichen Zeitraum rund drei Prozent tiefer.

Auch der Ausverkauf der Industriemetalle lastete auf den Schwellenland-Märkten: Der Kupferpreis ist seit Wochen auf Talfahrt und mittlerweile deutlich unter 5800 Dollar pro Tonne gerutscht – ein Einbruch von über 20 Prozent im Vergleich zum Jahreshoch im Juni.

Wegen seiner breiten Verwendung im Bausektor und der Industrie gilt Kupfer als Frühindikator der Weltwirtschaft. Der Eintritt von Kupfer und Co in den Bärenmarkt nährt zusätzlich Rezessionssorgen.

Selbst eine sich abzeichnende Entspannung im Handelskonflikt zwischen den USA und China konnte die seit nunmehr einer Woche anhaltende Verlustserie des MSCI Emerging Markets Index nicht durchbrechen. Wie am Donnerstag bekannt wurde, will die Regierung in Peking noch im August einen neuen Anlauf zur Beilegung der Meinungsverschiedenheiten nehmen.

„Der starke Ausverkauf der Schwellenländer lastet auf den Märkten“, sagte auch Ken Cheung, Devisenmarktexperte der Mizuho Bank in Hong Kong der Nachrichtenagentur Bloomberg. Doch die Nachricht über eine Wiederaufnahme der Handelsgespräche zwischen USA und China ließen auf eine Pause im Handelskonflikt hoffen – von der auch die Emerging Markets profitieren könnten.

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1 Kommentar zu "Türkei-Krise : Warum Lira und Schwellenländer-Aktien weiter abrutschen"

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  • Sehr geehrter Herr Blume,

    Ihrem Artikel entnehme ich, dass es mit den Kursen mancher Schwellenländer-Aktien abwärts geht. Aber die Gründe bleiben entgegen Ihrer Überschrift weitgehend im Dunkeln.

    Dass die Gründe ausschließlich im Anstieg der US-Zinsen liegen, kann ich mir nicht vorstellen. Und eine viel zu hohe Verschuldung haben nicht nur einige emerging markets, sondern auch viele Industrieländer. Zu den Schuldenkönigen zählen insbesondere auch die USA, deren Aktien beinahe jede Woche ein neues all-time-high aufstellen.

    Wo also, bitte schön, liegt das Geheimnis?

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