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Türkische Börse Das steckt hinter dem jüngsten Höhenflug der türkischen Aktien

Die türkische Wirtschaft muss derzeit einen Abschwung verkraften. Doch türkische Börsenwerte legen eine Rally hin. Das könnte auch an der Notenbankpolitik liegen.
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Der türkische Finanzminister hat mehrere nötige Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Inflation zu mäßigen und das Vertrauen wiederherzustellen. Quelle: Reuters
Berat Albayrak

Der türkische Finanzminister hat mehrere nötige Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Inflation zu mäßigen und das Vertrauen wiederherzustellen.

(Foto: Reuters)

Istanbul Nusret Altinbas kann es offenbar selbst kaum glauben. Seit Tagen rechnet der Inhaber der Istanbuler Investmentfirma Alnus Yatirim vor, was sich gerade an der türkischen Börse ereignet. Seit 19 Tagen schließt der wichtigste Börsenindex des Landes BIST100 stets mit einem Plus.

Am Mittwoch schloss der Index mit 104.189 Punkten. Am 3. Januar dieses Jahres zählte er noch 87.399 Punkte. Zu den größten Gewinnern zählen Banken. Der Kurs der türkischen Akbank kletterte im Januar um rund 27 Prozent. Aktien der Garantibank verteuerten sich im selben Zeitraum um rund 18 Prozent.

Der Optimismus an der Börse hängt jedoch noch mit einer anderen Aussicht zusammen: dass sich die Inflation in dem Land endlich verringert. Die nationale Zentralbank hat in diesem Zusammenhang jüngst ein Zeichen gesetzt – und die Hoffnung auf eine längere Aktienrally genährt.

Für das laufende Jahr senkte die Notenbank ihre Inflationsprognose auf 14,6 Prozent von zuvor 15,2 Prozent. Innerhalb der nächsten drei Jahre will sie die Inflation auf unter zehn Prozent drücken. Zum Jahresausklang 2018 war die Teuerung wegen Steuersenkungen und Rabatten kräftiger als erwartet zurückgegangen. Im Dezember lag sie bei 20,3 Prozent, nachdem sie noch im Oktober mit 25 Prozent ein 15-Jahreshoch markiert hatte.

Im Jahr 2020 wolle die Türkei eine einstellige Teuerungsrate von 8,2 Prozent erreichen, sagte der Chef der türkischen Zentralbank, Murat Cetinkaya, am Mittwoch in Ankara. Analysten wie Altinbas von Alnus Yatirim oder Piotr Matys von der Rabobank begrüßen die Ankündigungen der Notenbank. „Die Notenbank verdient Respekt dafür, einen Inflationsreport zu veröffentlichen, der marktfreundlich ist“, erklärt Matys. Das zeigt sich an den Märkten. Der türkische BIST100 reagierte prompt auf die niedrigere Inflationserwartung für das aktuelle Jahr.

Im vergangenen Jahr hatte die Zentralbank des Landes nach einem Interview von Präsident Erdogan an Vertrauen eingebüßt. Erdogan hatte in dem Interview unter anderem angekündigt, größeren Einfluss auf die Geldpolitik des Landes ausüben zu wollen. Die türkische Lira begann daraufhin eine Talfahrt.

Viele fürchteten, Erdogan würde die Stärke der Lira opfern, um leichter Schulden machen zu können. Jetzt scheint das Vertrauen zurückgekehrt zu sein. „Die Märkte erkennen an, dass die Zentralbank wieder orthodoxe Entscheidungen trifft“, erklärte zum Beispiel Timothy Ash von Bluebay Asset Management in London.

Das zeigt sich auch an weiteren Kennzahlen. Die türkische Lira notierte am Donnerstag um 0,6 Prozent stärker zum US-Dollar. Die Rendite auf zehnjährige Staatsanleihen – ein Indiz für Nervosität unter Marktteilnehmern – sank um 0,28 Prozentpunkte auf unter 15 Prozent.

Auch die Politik darf ihren Anteil an der derzeitigen guten Entwicklung geltend machen. Die türkische Wirtschaft befindet sich zwar derzeit in einem erwarteten makroökonomischen Abschwung. Doch hat Finanzminister Albayrak mehrere nötige Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Inflation zu mäßigen und das Vertrauen wiederherzustellen.

So hatte Albayrak im vergangenen Jahr in einer Telefonkonferenz mit mehr als 1000 Analysten sein Programm erläutert. Außerdem brachte er einen Großteil des türkischen Einzelhandels dazu, einen Rabatt in Höhe von zehn Prozent auf alle Produkte einzuführen, um die Inflation einzudämmen. Und er verdonnerte Staatskonzerne dazu, Geld einzusparen. Etliche Großprojekte werden derzeit auf Wirtschaftlichkeit überprüft.

Einschätzungen von kurzfristigen Aktienrallys seien nicht nur in Schwellenländern mit Vorsicht zu genießen, warnt der Ökonomieprofessor Reto Foellmi von der Universität St. Gallen. „Dennoch scheint mir, dass die Anleger eine stabilere Währung und einen Rückgang der Inflation für wahrscheinlich halten. Somit machen die Aktien den Teil der Kursverluste des letzten Jahres, die mit den Währungsturbulenzen zusammenhingen, wieder wett.“

Die heitere Stimmung unter Türkeianalysten und -investoren könnte jedoch bald getrübt werden. In wenigen Wochen beginnt wieder einmal ein Wahlkampf in der Türkei. Sollte die Regierung mit teuren Wahlgeschenken versuchen, ihre Mehrheit zu verteidigen, könnte das zwar Stimmen einbringen. Investoren dürften davon jedoch weniger begeistert sein.

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