Verhaltene Zuversicht für den ersten Biotech-Börsengang in Deutschland seit mehr als drei Jahren Epigenomics testet Biotech-Klima

An neuen Diagnoseverfahren für Krebs und andere Erkrankungen arbeiten die Forscher der Epigenomics AG. Einen Früherkennungstest ganz anderer Art hat das Management des Berliner Unternehmens gestern gestartet: Der erste Börsengang (IPO) einer deutschen Biotech-Firma seit mehr als drei Jahren gilt als wichtiger Indikator für die künftigen Finanzierungsbedingungen der Branche.

shf/ant FRANKFURT/M. „Eine erfolgreiche Emission wäre ein deutliches Zeichen dafür, dass die Entwicklung in den USA nach Europa übergreift und auch hier wieder Biotech-IPOs vom Kapitalmarkt akzeptiert werden“, sagt Biotech-Experte Siegfried Bialojan von Ernst & Young.

Eine solche Entwicklung könnte nach Ansicht von Fachleuten nicht nur einem halben Dutzend weiterer Biotech-Firmen den Weg in Richtung Börse ebnen, sondern indirekt auch den Zufluss von Risikokapital auf privater Ebene stärken. Denn viele Wagniskapital-Gesellschaften warten schon lange darauf, dass sich das Börsenfenster wieder öffnet. Als weitere Kandidaten für einen Börsengang gelten unter anderem die Firmen Jerini, Micromet und Wilex.

Anders als in den USA ist das Klima für Biotech-Börsengänge in Europa relativ rau. Lediglich drei Firmen – den britischen Firmen Ark und Vectura sowie der Schweizer Basilea – gelang in diesem Jahr ein IPO. Die britische Microscience und die französische IDM mussten entsprechende Pläne dagegen wieder auf Eis legen. Analysten und Fondsmanager beurteilen die Pläne von Epigenomics daher nur mit verhaltener Zuversicht. Im telefonischen Handel per Erscheinen wurden Epigenomics-Aktien nach Angaben der Börsenmakler Schnigge AG sowie Lang & Schwarz gestern zu Preisen unterhalb der Preisspanne von 11,90 bis 14,50 Euro gehandelt. Die im Telefonhandel gestellten Kurse gelten als erster Indikator für die Aussichten eines Börsengangs. Epigenomics war schon seit längerem als Börsenkandidat gehandelt worden. Dennoch sorgte es am Finanzplatz Frankfurt für Überraschung, dass der Schritt so schnell kam.

Firmenchef Alexander Olek begründete die Emissionspläne vor allem mit dem Ziel, die Produktentwicklung auszubauen und neue Tests künftig möglichst in eigener Regie bis zur Marktreife zu entwickeln. Das Berliner Unternehmen setzt dabei auf ein Verfahren, das die so genannten Methylierungsmuster am Erbmolekül DNS misst. Diese neuartige Technik ermöglicht es nach Einschätzung des Unternehmens, viele Krebsarten einfacher und genauer zu diagnostizieren. Darüber hinaus denke man auch an neue Diagnoseverfahren im Bereich Alzheimer und Rheuma, sagte Firmenchef Olek.

Wichtigste Finanzierungsquelle und Bestätigung für Epigenomics ist bislang eine umfangreiche Kooperation mit dem Schweizer Roche-Konzern, dem Weltmarktführer im Diagnostikageschäft. Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen mit den Pharmakonzernen Astra-Zeneca und Wyeth zusammen. Unter Fachleuten gilt die Technologie der Berliner als interessante Ergänzung im Bereich der molekularen Diagnostik. Zudem sind neuartige Biomarker derzeit auch in der Pharmabranche gefragt, um die Entwicklung von Medikamenten zu beschleunigen. Allerdings muss auch Epigenomics noch mehrere wichtige Hürden auf dem Weg zur Marktreife überwinden. Erste Lizenzeinnahmen aus Produktverkäufen werden frühestens für 2006 erwartet. Die Gewinnschwelle dürfte kaum vor 2008 in Sicht sein – zumal die Entwicklungsaktivitäten zunächst noch deutlich erweitert werden sollen. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen bei 10,7 Mill. Euro Umsatz einen Fehlbetrag von 6,7 Mill. Euro ausgewiesen und gut acht Mill. Euro Cash verbraucht.

Wie fast alle Biotech-Firmen ist damit auch Epigenomics durch lange Entwicklungszeiten, Anlaufverluste und Risiken in der Entwicklung gekennzeichnet. Konsortialführer Morgan Stanley richtet sich daher darauf ein, dass die Aktie kaum ein Papier für Kleinanleger ist, sondern vor allem von erfahrenen institutionellen Anlegern gezeichnet wird.

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