Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Volkswagen Börsengang von VW-Lkw-Sparte Traton fällt kleiner aus

Volkswagen nimmt einen zweiten Anlauf für den Börsengang der Lkw-Holding. Vorgesehen ist eine Notierung in Frankfurt und Stockholm.
Update: 03.06.2019 - 21:33 Uhr Kommentieren
Der Erfolg der VW-Nutzfahrzeug-Holding Traton fußt vor allem auf dem schwedischen Lkw-Bauer. Quelle: Reuters
Trucks von Scania

Der Erfolg der VW-Nutzfahrzeug-Holding Traton fußt vor allem auf dem schwedischen Lkw-Bauer.

(Foto: Reuters)

Wolfsburg/München Der Börsengang der VW-Lkw-Sparte Traton nimmt konkrete Formen an. Die Traton-Aktien sollen voraussichtlich noch vor dem Sommer in Frankfurt und in Stockholm gehandelt werden, teilte der VW-Konzern am Montagabend mit.

Eine Kapitalerhöhung sei dabei nicht geplant. Volkswagen will die Aktien aus dem eigenen Bestand an die Börse nehmen.

Am Montagabend äußerte sich der VW-Konzern zunächst nicht zu dem geplanten Volumen. „Volkswagen wird nach Abschluss des Börsengangs die Mehrheit an Traton halten“, hieß es in der Mitteilung des Wolfsburger Autoherstellers.

Spekulationen zufolge wird der Börsengang der Volkswagen-Lkw-Tochter Traton kleiner ausfallen als ursprünglich erwartet. Der Autokonzern will demnach zunächst nur zehn bis 15 Prozent der Traton-Anteile platzieren.

Bei einer Bewertung von ungefähr 15 Milliarden Euro für die Muttergesellschaft der Lkw- und Bus-Hersteller MAN und Scania wäre die Emission damit etwa zwei Milliarden Euro schwer. Eine Entscheidung über das Volumen sei aber noch nicht gefallen, hieß es am Abend in Wolfsburg.

Der genaue Anteil werde sich erst im Lauf der kommenden Wochen im Rahmen der Preisbildung („Bookbuilding“) ergeben. Anfänglich war erwartet worden, dass von Traton etwa 25 Prozent der Anteile an die Börse gebracht werden sollten. Die geplante Notierung im Prime Standard verlangt, dass mindestens zehn Prozent an die Börse gebracht werden.

„Der Börsengang ist ein wichtiger Meilenstein für Traton“, sagte Vorstandschef Andreas Renschler am Abend. Die Notierung verschaffe der Lkw-Sparte von Volkswagen mehr Bewegungsspielraum, sich als globaler Anbieter zu etablieren.

Für VW-Finanzvorstand Frank Witter ist der Börsengang ein Schritt, um sich im Konzern „auf den Kern unseres Geschäfts zu fokussieren“. Volkswagen hatte in den vergangenen Wochen angedeutet, dass eine Trennung von Randbereichen möglich ist. Im Kern steht die Produktion von Pkw.

„Man muss auf die Investoren hören“

VW hatte im vergangenen März in letzter Minute die Reißleine gezogen und die Börsenpläne zunächst unerwartet auf Eis gelegt. Erst Mitte Mai zur Hauptversammlung wurden die Vorbereitungen wieder konkret.

Von der offiziellen Ankündigung bis zur Erstnotiz dauert es etwa vier Wochen. Mit dem geringeren Volumen reagiere VW auf das immer noch wacklige Umfeld, das keine höhere Bewertung erlaube, erklärte einer der Insider. „Man muss auf die Investoren hören“, sagte ein anderer Börsenkenner.

Dem Wolfsburger Konzern kommt es bei Traton nicht primär auf den Emissionserlös an. Vielmehr soll der Lkw-Hersteller sein Geschäft eigenständig ausbauen können, etwa durch eine Aufstockung der Anteile am amerikanischen Lastwagenbauer Navistar, an dem die VW-Sparte bisher knapp 17 Prozent hält.

In den USA ist Traton mit seinen beiden Marken MAN und Scania nur schwach vertreten. Außerdem würde Volkswagen den Kapitalmärkten signalisieren, dass der Autohersteller es mit der Trennung von Randbereichen wirklich ernst meine.

Grafik

Der Betriebsrat der VW-Lastwagensparte Traton hatte den Börsengang begrüßt. „Das ist eine zukunftsweisende Entscheidung, die wir als Belegschaft positiv begleiten werden“, sagte Betriebsratschef Saki Stimoniaris im Vorfeld. Es müsse sich dabei niemand Sorgen um seinen Job machen. Eine Standort- und Beschäftigungssicherung sowie zugesagte Investitionen etwa bei MAN sicherten die Zukunft von Arbeitsplätzen und Marken ab.

Die Börsengangbilanz des laufenden Jahres ist in Deutschland bislang vergleichsweise mau. Lediglich die Firma für Kommunikationssysteme, Frequentis, wagte sich seit Jahresbeginn auf das Parkett.

Die Global Fashion Group, eine Tochter des Finanzinvestors Kinnevik und der Start-up-Gruppe Rocket Internet der Samwer-Brüder hat ebenfalls ihren Börsengang angekündigt. Ein Volumen von bis zu 345 Millionen Euro ist geplant.

Dagegen verschob der Arzneimittel-Importeur Abacus Medicine erneut seine Neu-Emission wegen des aktuell ungünstigen Umfelds. Umso wichtiger wird für das IPO-Jahr 2019 deshalb der jetzt angekündigte Traton-Börsengang.

Gute Zahlen für das erste Quartal als Basis hat der Konzern bereits präsentiert. Außerdem sind die Vorbereitungen in Wolfsburg großenteils abgeschlossen.

Hinzu kommt: „Das Marktumfeld ist besser als im März, der Dax notiert bei rund 12.000 Punkten, und Vorboten einer nahen Rezession zeigen sich aktuell nicht“, betonte Bastian Schiedat, weltweiter Chef für Equity Capital Markets der Berenberg Bank. „Von Anfang Juni bis Mitte Juli ist das nächste Fenster für Börsengänge, da Platzierungen in der danach beginnenden Ferienzeit aufgrund der geringen Verfügbarkeit der Portfoliomanager in der Regel vermieden werden“, sagte Banker Schiedat.

Konzentration auf das automobile Kerngeschäft

Das Interesse der Anleger an Börsenplatzierungen sei trotz der jüngsten Unsicherheiten gut, macht Stefan Weiner, Leiter deutsche Aktienemission bei JP Morgan, am Beispiel der 744 Millionen Euro großen Kapitalerhöhung des Immobilienkonzerns Vonovia deutlich, die gut lief.

Volkswagen war zuletzt durch Aktionäre unter Druck geraten, die die Konzentration auf das automobile Kerngeschäft fordern. „Der Börsengang von Traton ist jetzt schon eine unendliche Geschichte“, betont Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investment. Die Neuemission sei zu begrüßen, da die Komplexität des Konzerns reduziert werde.

Gleichzeitig habe Volkswagen in den vergangenen Monaten jedoch wertvolle Zeit verloren. Bereits Anfang des Jahres hatten sich Investoren in einer Umfrage der Investmentbank Evercore ISI mit überwältigender Mehrheit dafür eingesetzt, dass VW seine Lkw-Tochter lieber früher als später an die Börse bringen sollte.

„Die Glaubwürdigkeit des VW-Managements ist auf einem Tiefpunkt angekommen“, hatte Evercore-Analyst Arndt Ellinghorst im März nach der vorläufigen Absage des Börsengangs gesagt. Um für Investoren wirklich wieder interessant zu werden, müsse der VW-Konzern beweisen, dass er wirklich zur Aufgabe von Randaktivitäten bereit ist. Offenbar hat die Volkswagen-Führung diesem Drängen aus Anlegersicht jetzt nachgegeben.

Unter den Aspekten der guten Unternehmensführung, auch Corporate Governance genannt, stellt sich für Hendrik Schmidt, Corporate-Governance-Analyst der DWS, bei Traton die Frage: „Wie können die VW-Aktionäre davon tatsächlich auch profitieren?“ Aktuell gehöre das Lkw-Geschäft schließlich zu 100 Prozent den VW-Anlegern. Die mit dem Börsengang verbundenen Kosten müssten daher auch durch eine entsprechende Bewertung für den Aktionär nachvollziehbar sein, urteilt der Experte der DWS.

Resonanz auf den geplanten Börsengang ist groß

Die Resonanz auf den geplanten Börsengang ist groß, war im Vorfeld aus Finanzkreisen zu hören. Organisiert wird das IPO, wie Börsengänge verkürzt bezeichnet werden, von den Banken Citi, Deutsche Bank, Goldman Sachs und JP Morgan.

Die Investoren sind die gleichen, die sich vergangenes Jahr auch den Bremsenhersteller Knorr-Bremse angeschaut haben. Aus heutiger Sicht wird erwartet, dass etwa ein Viertel der Aktien bei deutschen Anlegern landen wird, 40 bis 50 Prozent in Großbritannien. Zehn bis 20 Prozent sollen nach Skandinavien, wo Scania als ein Teil von Traton sitzt und einen guten Ruf als ertragsstarker Lkw-Hersteller hat. Der Rest könnte in die USA gehen.

Viele Börsenkandidaten werden sich genau ansehen, wie Traton zurechtkommt. Denn die VW-Tochter könnte als Eisbrecher für weitere Emissionen in diesem Jahr dienen.

Mehr: Volkswagen startet den zweiten Anlauf zum Börsengang der Tochter Traton. Lesen Sie hier, warum der Zeitpunkt schwierig ist und die Bedingungen besser sein könnten.

Startseite

Mehr zu: Volkswagen - Börsengang von VW-Lkw-Sparte Traton fällt kleiner aus

0 Kommentare zu "Volkswagen: Börsengang von VW-Lkw-Sparte Traton fällt kleiner aus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote