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Vor Börsendebüt Saudi Aramco bei Privatanlegern ein voller Erfolg – Tranche vor Börsengang überzeichnet

Privatanleger haben für rund 12,6 Milliarden Dollar Aktien von Saudi Aramco geordert. Nun hofft der Ölkonzern auf Erfolg bei den Profiinvestoren.
Update: 29.11.2019 - 07:36 Uhr 1 Kommentar
Während die Zeichnungsfrist für Kleinanleger beendet ist, läuft sie für institutionelle Investoren noch bis zum 4. Dezember. Quelle: Reuters
Saudi-arabische Männer mit Aramco-Prospekt

Während die Zeichnungsfrist für Kleinanleger beendet ist, läuft sie für institutionelle Investoren noch bis zum 4. Dezember.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Zum Jubeln besteht noch kein Grund, aber der weltgrößte Erdölkonzern Saudi Aramco hat sein Zwischenziel bei seinem Mega-Börsengang erreicht. Nach dem Ende der Zeichnungsfrist für Kleinanleger am Donnerstag ist klar: 4,9 Millionen private Investoren haben deutlich mehr Aktien geordert, als sie am Ende bekommen werden.

Die Kaufaufträge beliefen sich auf umgerechnet 12,6 Milliarden Dollar. Das sind 148 Prozent des für Kleinanleger vorgesehenen Anteils, wie die für den Börsengang führende Bank Samba Capital mitteilte. Für deutsche Privatanleger besteht nur über Fonds die Möglichkeit, sich an Saudi Aramco zu beteiligen.

Die Emission läuft so gut, dass sie mit einem Gesamtvolumen von 26,6 Milliarden Dollar wohl einen neuen Rekord markieren wird und die Onlineplattform Alibaba verdrängt. Die Chinesen hatten mit ihrem Börsengang im Jahr 2014 mit 25 Milliarden Dollar bislang die meisten Investoren begeistern können und das höchste Volumen erzielt.

Der Erlös aus dem Börsengang von Aramco soll nach dem Willen des saudi-arabischen Kronprinzen und faktischen Herrschers von Saudi-Arabien, Mohammed bin Salman, in den Staatsfonds PIF fließen. Dieser plant, die Einnahmen in Branchen außerhalb der Ölindustrie zu investieren und den Golfstaat somit unabhängiger von dem Rohstoff machen.

Aramco verfügt als der mit Abstand größte Ölkonzern der Welt nach Analyse der Fondsgesellschaft Guinness Asset Management über 227 Milliarden Barrel (ein Barrel entspricht 159 Liter) an Reserven, was einem Anteil von über 20 Prozent aller Ölreserven weltweit entspricht und dem Fünffachen der Reserven der anderen Ölkonzerne Exxon, Chevron, Royal Dutch Shell, Total und BP zusammen. Aramco könne über 50 Jahre lang das heutige Produktionsniveau halten.

Während die Zeichnungsfrist für Kleinanleger beendet ist, läuft sie für institutionelle Investoren noch bis einschließlich 4. Dezember. Aramco will insgesamt nur 1,5 Prozent des Konzerns an die Börse bringen. Ein Prozent soll bei Großanlegern landen. Nach den ersten zwölf Zeichnungstagen sind nach Angaben von Samba Capital Aufträge im Volumen von insgesamt 44,3 Milliarden Dollar von institutionellen und privaten Investoren eingegangen.

Bei einem geschätzten Börsenwert von 1,6 bis 1,7 Billionen Dollar entstünde der wertvollste Konzern der Welt. Die US-Technologieunternehmen Microsoft und Apple würden trotz einer Marktkapitalisierung von rund 1,1 Billionen Dollar verdrängt, wenn der Börsengang klappt.

Um für ausreichend Nachfrage von saudi-arabischen Bürgern zu sorgen, hatte die Notenbank Saudi-Arabiens nach Finanzkreisen das Kreditlimit der heimischen Banken verdoppelt, sofern Aktien von Saudi Aramco geordert wurden. Für jeden saudi-arabischen Riyal konnten die Kleinanleger einen Kredit für weitere zwei aufnehmen.

Die Samba Financial Group hatte nach den Worten ihres Chefs Rania Nashar diese Konditionen angeboten, wie er in einem Interview mit dem Fernsehsender Al Arabiya sagte. In großen Werbekampagnen war etwa am Rand von Autobahnen für die Aktie geworben und an den Patriotismus der Bürger appelliert worden.   

Als Ankerinvestor hat Aramco wohl die Staatsfonds von Abu Dhabi und Kuwait gewinnen können. Der Staatsfonds Abu Dhabi Investment Authority (Adia) soll nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters mindestens ein Engagement über eine Milliarde Dollar planen. Andere mit Transaktion vertraute Personen sprachen sogar von 1,5 bis zwei Milliarden Dollar.

Eine endgültige Entscheidung stehe allerdings noch aus und müsse vom Adia-Verwaltungsrat genehmigt werden, hieß es weiter. Die Kuwait Investment Authority (Kia) plant offenbar ebenfalls, Aktien zu ordern. Nach den Worten von Lysu Paez Cortez von der Bank Natixis verlässt sich das Unternehmen aber vor allem auf „reiche Familien in Saudi-Arabien und starke Partner aus China“ beim Zeichnen der Aktie.

Saudi Aramco gilt als der rentabelste Konzern der Welt und bietet eine Garantie über 75 Milliarden Dollar bei den jährlichen Ausschüttungen für Aktionäre. Eine verlässliche Ausschüttungspolitik halten Fondsmanager wie Bernd Schröder von Union Investment für entscheidend, um Unsicherheiten etwa im politischen Bereich oder beim Ölpreis auszugleichen.

Aber nicht nur der Ölpreis ist eine Herausforderung. Da der Börsengang von Aramco nur an der saudi-arabischen Börse Tadawul stattfindet, steht der Handelsplatz vor erheblichen technischen und liquiditätsmäßigen Herausforderungen, analysiert Cortez von Natixis. Die Einführung der Aktien von Aramco auf dem Börsenparkett werde das Gleichgewicht neu ausrichten.

Der Ölgigant allein habe dann „ein dreimal so hohes Gewicht wie die aktuelle 500-Milliarden-Dollar- Marktkapitalisierung, auf die der Tadawul-Index kommt“. Vor zwölf Jahren gegründet, akzeptiert die Börse seit vier Jahren ausländische Investoren als Marktteilnehmer.

Angesichts des langen Vorlaufs für die Aktienemission von Aramco von mehreren Jahren habe sich die Börse jedoch mit neuen Handelsregeln darauf vorbereitet, meint Cortez. Den Kapazitäten steht ein Leistungstest bevor.

Mehr: Der Börsengang von Saudi Aramco befindet sich in der heißen Phase. Doch für deutsche Privatinvestoren eignet er sich nicht.

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1 Kommentar zu "Vor Börsendebüt: Saudi Aramco bei Privatanlegern ein voller Erfolg – Tranche vor Börsengang überzeichnet"

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  • .....wers glaubt wird seelig - woher stammen diese Zahlen? Aus verlässlicher Quelle?
    ich würde mein Geld nicht einer mordenden Diktatur anvertrauen - noch dazu, wenn es sich um ein Auftragsgutachten bezüglich des Börsenwertes handelt. Und am Schluss die berühmte Frage? Weshalb gehen die mit einem solchen Vermögen an die Börse und beteiligen Dritte an ihrem Reichtum? Bisher waren die nicht so spendabel? Was steckt dahinter?