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VW-Lkw-Sparte Warum der Traton-Börsengang wegweisend ist

VW ringt sich zur Aktien-Neuemission seiner Lastwagentochter Traton durch. Das IPO könnte das größte in diesem Jahr in Deutschland werden.
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Der schwedische Hersteller zählt zu den Marken von Traton. Quelle: Traton Group
Lastwagen von Scania

Der schwedische Hersteller zählt zu den Marken von Traton.

(Foto: Traton Group)

FrankfurtMitte Mai war es noch eine grundsätzliche Idee, gut einen Monat später nimmt sie nun konkrete Formen an. Der Volkswagen-Konzern forciert trotz der herrschenden Unsicherheit an den Finanzmärkten den Börsengang seiner Lkw-Sparte Traton und wagt damit einen zweiten Anlauf auf das Parkett.

In knappen Sätzen kündigten die Wolfsburger jetzt an, dass sie für Traton, zu der die Marken Scania und MAN gehören, „ein öffentliches Angebot für Aktien aus eigenem Bestand“ planen. Angepeilt ist ein Doppelbörsengang in Frankfurt und Stockholm.

Mit der frühzeitigen Ankündigung des zweiten Anlaufs – nach einer ersten Absage im März – setzt sich Volkswagen selbst unter Zugzwang. Ein Zurück wird nun schwerfallen, obwohl die Börsenkurse im Mai zuletzt stark verloren haben. Doch ein erneuter Rückzieher hätte zu einem Aufschrei unter den VW-Investoren geführt.

Der milliardenschwere Sprung auf das Parkett dürfte damit zu einem wichtigen Lackmustest für die Börsenstimmung in Deutschland werden. Denn mit Traton kündigt sich der wahrscheinlich größte Börsengang in Deutschland in diesem Jahr an.

Im März hieß es noch, dass VW für Traton einen Börsenwert von 15 Milliarden Euro anstrebe und ein Aktienpaket von bis zu 25 Prozent verkaufen wolle. Zuletzt war in Finanzkreisen nur von noch zehn bis 15 Prozent die Rede. Bei einer Bewertung des Eigenkapitals von umgerechnet rund 16 Milliarden Euro, wie die Bank Jefferies laut Bloomberg schätzt, wäre das ein Börsenerlös von maximal 2,4 Milliarden Euro.

Aber Börsengänge sind immer auch ein Gradmesser für die Zuversicht am Aktienmarkt. Und da sieht es 2019 in Deutschland eher schlecht aus. Bis jetzt fällt die Bilanz der Initial Public Offerings, abgekürzt IPOs, jedenfalls dürftig aus. Lediglich die Firma für Kommunikationssysteme Frequentis wagte sich seit Jahresbeginn auf das Frankfurter Parkett – allerdings im zweitklassigen Börsensegment General Standard.

Außerdem hat der Onlinemodehändler Global Fashion Group seine Aktienemission angekündigt. Das Unternehmen, das mehrheitlich zum schwedischen Finanzinvestor Kinnevik sowie dem Start-up-Beteiligungshaus Rocket Internet der Samwer-Brüder gehört, strebt ein Emissionsvolumen von immerhin bis zu 345 Millionen Euro an. Dagegen musste der Arzneimittelimporteur Abacus Medicine vergangene Woche zum zweiten Mal sein IPO absagen.

Traton soll Nachahmer ermutigen

Die Hoffnungen als Zugmaschine für Börsengänge ruhen jetzt auf Traton. Nach den Worten des Lkw-Chefs von VW, Andreas Renschler, will man mit dem Börsengang „den Grundstein für das weitere Wachstum von Traton legen, indem er uns mehr unternehmerische Flexibilität und Zugang zu den Kapitalmärkten verschafft“.

Das Unternehmen bekräftigte, dass der Börsengang je nach Marktlage „vor der Sommerpause“ im August abgeschlossen sein soll. Finanzkreise gehen von einer Erstnotiz am 28. Juni aus.

Doch das Management von VW macht den Schritt nicht aus voller Überzeugung, wie es in Finanzkreisen heißt. Aktionäre fordern immer lautstärker eine Konzentration auf das Kerngeschäft. Darauf reagieren die Wolfsburger, wie sich auch aus den Worten von VW-Finanzvorstand Frank Witter ablesen lässt: „Mit der heutigen Ankündigung schlagen Volkswagen und ihre Tochter Traton ein neues Kapitel auf. Wir sind entschlossen, weiterhin Mehrwert für unsere Aktionäre zu schaffen.“

Wie stark der Druck ist, macht die Aussage von Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investment, deutlich. Für ihn ist die Neuemission zu begrüßen, da die Komplexität des Konzerns reduziert werde.

Gleichzeitig habe VW in den vergangenen Monaten jedoch wertvolle Zeit verloren, klagt er. Bereits Anfang des Jahres hatten Investoren in einer Umfrage der Investmentbank Evercore sich mit überwältigender Mehrheit dafür eingesetzt, dass VW seine Lkw-Tochter lieber früher als später an die Börse bringen sollte.

Ehrgeiziger Zeitplan

Der Zeitplan von VW ist ehrgeizig. Denn mit dem Start der Ferienzeit in Bundesländern wie Hessen zum 1. Juli sollte die Traton-Emission bereits abgeschlossen sein. Nach der formalen Ankündigung des IPOs benötigen die Führungsbanken Citi, Deutsche Bank, Goldman Sachs und JP Morgan noch einmal rund zwei Wochen für die Vorvermarktung und weitere zwei Wochen, um das Orderbuch der Anleger aufzubauen, um dann mit der Erstnotiz Ende Juni den Schlusspunkt zu setzen.

Während im vergangenen Jahr der Bewertungsabschlag des Ausgabekurses der neuen Aktien im Durchschnitt bei zehn bis 15 Prozent lag, erwarten Bankmanager in diesem Jahr angesichts vorhandener Unsicherheiten mindestens 15 Prozent. Je nach Lage könnten es aber auch bis zu 25 Prozent werden.

Probleme bereiten den Börsenaspiranten aktuell nämlich vor allem die hohen Kursschwankungen, die das Finden einer Preisspanne erschweren. Nachdem der Deutsche Aktienindex (Dax) 2019 bis einschließlich April um fast 17 Prozent zulegen konnte, folgte im Mai ein deutlicher Dämpfer.

Der Dax fiel angesichts des zugespitzten Handelsstreits zwischen den USA und China und den damit verbundenen Sorgen um die Konjunktur um über fünf Prozent. Die politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten spiegeln sich bei den Emissionen wider, die im laufenden Jahr eingebrochen sind.

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Bis Anfang Juni hatte es laut Bastian Schiedat, weltweiter Chef für Equity Capital Markets bei der Berenberg Bank, Transaktionen über 3,2 Milliarden Euro gegeben. 2018 addierten sich die Deals in der gleichen Zeit noch auf über 21,9 Milliarden Euro. Dabei kamen neben IPOs wie Siemens Healthineers Schnellplatzierungen von Aktien bei Investoren und die Kapitalerhöhung bei Bayer zum Tragen.

„Nach einem durchwachsenen Start ins Jahr 2019, auch relativ betrachtet zu anderen IPO-Märkten wie der Schweiz, wäre eine erfolgreiche Transaktion sehr wichtig für den Börsenstandort Frankfurt“, macht Dominik Bär, Director bei der Investmentbank Lazard, deutlich.

Ob Traton der Eisbrecher für andere Börsengänge werde, bleibe abzuwarten. Klar ist jedenfalls, dass sich viele Börsenkandidaten genau ansehen, wie Traton laufen wird. Das gilt gerade für Mega-IPOs, wie sie ursprünglich der Automobilzulieferer Continental für sein Geschäft mit der Antriebstechnik geplant hatte. Die Emission wurde auf 2020 verschoben, auch weitere Kandidaten stehen in den Startlöchern.

Dazu gehört die Ausgliederung der Kraftwerkstechnik beim Mischkonzern Siemens, für den die Abspaltung von Tochterfirmen wie Osram oder die Medizintechnik unter dem Namen Siemens Healthineers gängige Praxis ist. Daneben könnte auch Thyssen-Krupp sein Aufzugsgeschäft auf das Parkett führen. Und nach dem Zusammenschluss der BASF-Tochter Wintershall mit dem Öl- und Gaskonzern Dea soll das neue Unternehmen frühestens im zweiten Halbjahr 2020 an die Börse gebracht werden, wie der Konzern angekündigt hat.

Ein heißer Kandidat für das laufende Jahr ist Teamviewer

„Falls am Markt eine entsprechende Stabilität herrscht, könnten wir bis zu fünf oder sechs Börsengänge in diesem Jahr in Deutschland noch sehen“, wagt Schiedat eine Prognose für 2019.

Ein heißer Kandidat für das laufende Jahr ist auch Teamviewer, eine Softwarefirma zur Vernetzung von Geräten, die dem Finanzinvestor Permira gehört, der seinen Ausstieg plant. Das dürfte eine milliardenschwere Emission werden, urteilt ein Banker. Der Börsengang könnte noch im Herbst erfolgen und ein Volumen von 30 bis 40 Prozent umfassen. Das Unternehmen wird mit vier bis fünf Milliarden Euro bewertet.

Auch der Technologiekonzern Freudenberg treibt Finanzkreisen zufolge die Pläne für einen Börsengang seiner Autozuliefertochter Vibracoustic voran und will einen Minderheitsanteil abgeben. Es wird eine Bewertung von zwei Milliarden Euro angestrebt. Auch bei Signa Sports werde über ein IPO gesprochen, berichten Banker. Der Sporthändler gehört dem Tiroler Immobilienhändler René Benko. Finanzkreise rechnen mit einem Volumen von 500 Millionen Euro.

Doch alles hängt von einem Erfolg des Traton-Börsengangs ab. Er soll den Weg ebnen für weitere IPOs.

Mehr: Schon im Sommer will der Autobauer seine Lkw-Tochter Traton an die Börse bringen. Damit zeigt VW-Chef Herbert Diess einen neuen Realismus, kommentiert Martin Murphy.

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