Wall Street Großinvestoren setzen trotz der Kursverluste weiter auf Tech-Aktien

Der Kursabsturz an der US-Börse hat vor allem Tech-Konzernen zugesetzt. Analysten sehen dafür zwei Gründe – glauben aber nicht an einen größeren Zusammenbruch.
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„Der Ausverkauf an der Wall Street ist da“

FrankfurtDonald Trump macht aus seiner Abneigung gegenüber der Zinspolitik der US-Notenbank Fed keinen Hehl. Der US-Präsident erklärte die Währungshüter am Mittwoch vor einer Kundgebung in Pennsylvania für „verrückt“. Zudem warf er der Notenbank vor, mit Blick auf Zinserhöhungen „Fehler zu machen“. Es ist nicht das erste Mal, dass Trump mit dem ungeschriebenen Gesetz bricht, dass US-Präsidenten sich nicht in die Geldpolitik einmischen.

Anlass für Trumps jüngste Kritik war ein Kursabsturz an der New Yorker Börse. Die Wall Street musste am Mittwoch die schwersten Verluste seit acht Monaten hinnehmen. Besonders schwer traf es die Aktien der großen US-Technologieunternehmen.

Die unter dem Akronym FAANG zusammengefassten Aktien von Facebook, Apple, Amazon, Netflix und der Google-Mutter Alphabet machten herbe Verluste zwischen vier und acht Prozent.

Am Donnerstag hingegen waren die Verluste überschaubar. Der am Vortag stark unter Druck geratene US-Technologieindex Nasdaq gewann zur Handelseröffnung an der Wall Street sogar ein Prozent. Bis auf Amazon-Papiere, die über drei Prozent verloren, waren die Abschläge bei Tech-Werten überschaubar.

Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege beim US-Finanzinvestor Blackrock, sieht zwei Gründe für den Absturz der Tech-Werte: Die Spekulationen über Zinserhöhungen der Fed und die Warnung des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor erhöhten Risiken für die Finanzmärkte. „Investoren sichern sich nun Kursgewinne“, sagt Herrmann. Dies machten sie vor allem bei den Aktien, mit denen sie in diesem Jahr die höchsten Kursgewinne erreicht hätten – den Technologieaktien.

Der IWF hatte Handelskonflikte und die steigenden Zinsen am Dienstag als Gefahren für die ökonomische Entwicklung eingestuft und deshalb seine Prognose für die globale Wirtschaft gesenkt.

Börsenexperten spekulieren darüber, dass die US-Notenbank die Zinsen stärker als bisher anheben könnte, um zu verhindern, dass die US-Konjunktur überhitzt. Sie befürchten, dass dadurch die Unternehmensgewinne im nächsten Jahr geschmälert werden könnten.

„Technologieaktien leiden doppelt“, sagt Herrmann von Blackrock – einerseits unter den Gewinnmitnahmen, aber besonders auch unter der Erwartung weiter steigender US-Zinsen. Denn den Großteil der Gewinnerwartungen von US-Aktien stellten IT-Firmen.

Damit seien die Werte besonders betroffen von der nun stärkeren Abzinsung über höher erwartete US-Zinsen. Das bekräftigte Rick Meckler, Partner beim Anlageberater Cherry Lane Investments: „Die unmittelbare Sorge sind höhere Zinsen“.

Alec Young vom Indexanbieter FTSE Russel schloss sich dieser Meinung an. Anleger befürchteten, dass steigende Zinsen die Unternehmensgewinne im nächsten Jahr drücken würden, sagte Young. Lindsey Bell vom Analysehaus CFRA vermutet hinter den Verkäufen Anleger, die Gewinne bei den „Überfliegern des Jahres“ mitnehmen wollten. Der Ausverkauf sei aber „vielleicht etwas übertrieben“ gewesen, sagte Bell.

Das Risiko, dass der Aktienmarkt in eine Baisse rutscht, hält Hermann für gering. „Fundamental stehen die Unternehmen solide da, was auch das weiterhin überdurchschnittliche Weltwachstum widerspiegelt“, sagt der Blackrock-Experte.

Auch Kenny Polcaris vom Handelshaus O’Neil Securities glaubt nicht an den Beginn eines größeren Zusammenbruchs: „Viel Geld in den großen Tech-Firmen fließt einfach mit dem Strom. Die Werte haben sich in diesem Jahr selbst übertroffen und Leute sind auf den Zug aufgesprungen.“ Nun würden sie sich plötzlich um ihr Geld sorgen, weshalb Kapital hauptsächlich aus den Tech-Werten abfließe.

Investoren bleiben (vorerst) gelassen

Ähnlich sieht es Timothy Lesko von der Investmentfirma Grainte Investment Advisors: Wachstumsunternehmen wie Facebook und Netflix hätten lange Zeit von niedrigen Zinsen profitiert. „Wenn die Kosten für Kapital plötzlich eine Rolle spielen, belastet sie das“, sagt Leso. Das wiederum sei aber eine Chance für ältere, billigere Tech-Werte.

Keiner der Analysten führt den Absturz der Tech-Werte also auf eine inhaltliche Schwäche der Unternehmen zurück. Der Nachteil der Tech-Aktien liege vielmehr darin, dass sich die Kurse in Korrekturphasen genauso schnell bewegen wie in Wachstumsphasen – nur dass die Vorzeichen dann andere sind.

Die Investoren parken ihr Geld offenbar lediglich am Seitenrand, um in Ruhe die Entwicklung in Sachen Handelsstreit und Zinsen zu beobachten. Großanleger wie Henning Gebhardt, Vermögensverwaltungschef bei der Privatbank Berenberg, setzen sogar weiter auf die Tech-Aktien, wenn sie diese als „Qualitätstitel“ einstufen: Das sind für ihn Firmen mit einer starken Bilanz und einem möglichst wenig angreifbaren Geschäftsmodell.

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