Zeitplan gefährdet Weltgrößter Ölkonzern Aramco geht erst 2019 an die Börse

Der Börsengang des weltgrößten Ölkonzerns verzögert sich anscheinend weiterhin. Die Preisvorstellung des saudischen Kronprinzen macht Probleme.
Update: 12.03.2018 - 16:43 Uhr 3 Kommentare
Weltgrößter Ölkonzern Aramco geht erst 2019 an die Börse Quelle: Reuters
Aramco

Der saudi-arabisch Ölkonzern will mit einem Volumen über 100 Milliarden Dollar an die Börse gehen.

(Foto: Reuters)

Frankfurt, LondonDer mit Spannung erwartete Börsengang des staatlichen saudi-arabischen Ölkonzerns Aramco verzögert sich einem Zeitungsbericht zufolge auf das kommende Jahr. Eine Platzierung von Aktien des weltgrößten Ölkonzerns in diesem Jahr an einer Börse außerhalb Saudi-Arabiens sei nicht wahrscheinlich, berichtete die „Financial Times“ (Montag) unter Berufung auf britische Beamte. Damit gerate der gesamte Zeitplan ins Wanken.

Saudi-Arabien will nach bisherigen Plänen in diesem Jahr rund fünf Prozent des Unternehmens an die Börse bringen. Der Börsengang soll Berichten zufolge ein Volumen von rund 100 Milliarden Dollar (81 Milliarden Euro) haben. Er wäre damit der größte der Welt. Zum Vergleich: Der bislang größte Börsengang gelang dem chinesischen Handels- und Kommunikationskonzern Alibaba im Jahr 2014 – mit 25 Milliarden Dollar.

Gleich vier Nummern größer soll Saudi-Aramcos Fünf-Prozent-Anteil sein. Mit dem Geld will Mohammed bin Salman, der Kronprinz des Königreichs, seine Vision 2030 maßgeblich finanzieren und den Umbau der vom Öl abhängigen Wirtschaft vorantreiben. Bereits in der vergangenen Woche deutete Khalid Al-Falih, der Energieminister Saudi-Arabiens an, dass sich der Börsengang verschiebt. „Zwischen dem 31. Dezember und dem 1. Januar bleibt kein Wert für das Königreich auf der Strecke“, sagte er in einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN.

Der Börsengang ist schon länger geplant, doch zuletzt häuften sich die Probleme. Espen Erlingsen, Partner der Energieanalysefirma Rystad Energy überrascht es nicht, dass der IPO, wie Börsengänge im Fachjargon genannt werden, verschoben wird. „Saudi Aramco müht sich damit, die nötigen Prozesse vor einem Börsengang abzuarbeiten“, sagt Erlingsen.

So haben die Berater und Banken Probleme, die Preisvorstellung des saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman zu realisieren. Dieser wolle, dass das Unternehmen eine Bewertung von zwei Billionen Dollar erreicht. Dieses Ziel zu erreichen erweist sich als kompliziert, auch weil noch immer nicht klar ist, welche Teile von Saudi Aramco an die Börse kommen.

Das Unternehmen ist tief in der saudischen Wirtschaft verzweigt, übernimmt teils gesellschaftliche Funktionen wie den Bau von Krankenhäusern oder Universitäten. Sollte nur die Ölproduktion, das sogenannte „Upstream“-Geschäft, an die Börse gebracht werden, dürften bin Salmans Preisvorstellungen eine Illusion bleiben: „Wir schätzen den Wert des Upstream-Portfolios auf 1,2 bis 1,3 Billionen Dollar“, sagt Erlingsen von Rystad. Nur wenn man den Raffineriebetrieb und den Produktvertrieb hinzurechne, „nähere man sich“ zwei Billionen US-Dollar.

Zudem gilt die Struktur des Konzerns als intransparent. Bislang liegen auch keine belastbaren Finanzkennzahlen vor. Aramco erarbeitet nach eigenem Bekunden im Moment zwar eine Bilanz nach internationalem Standard, doch auch diese lässt auf sich warten.

Internationaler Börsenplatz gesucht

Die zehn größten Öl-Deals der Welt
Platz 10: Exxon/Bass Family - 5,6 Milliarden Dollar
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Einer der größten Öl-Deals der Welt wurde zwischen dem Ölmulti ExxonMobil und einer der reichsten Familien der USA geschlossen. Die Brüder Sid, Edward, Robert and Lee Bass kommen laut Forbes auf ein Vermögen von 8,2 Milliarden Dollar. Der Verkauf von Vermögenswerten an Exxon brachte ihnen im Januar 2017 einen Milliardenbetrag ein.

Platz 9: Rosneft/Russischer Staat - 6,1 Milliarden Dollar
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Mit Gerhard Schröder hat der russische Staatskonzern Rosneft einen deutschen Bundeskanzler als Aufsichtsrat. Mit dem russischen Staat ist das Unternehmen eng verwoben. Rosneft gilt als kremltreues Unternehmen, Russland ist mit 50 Prozent plus einer Aktie der Mehrheitsaktionär. Ein Aktienrückkauf über 6,1 Milliarden Euro gehört zu den zehn größten Öldeals der Welt.

Platz 8: Total/Maersk - 7,5 Milliarden Dollar
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Mit diesem Deal wurde der französische Energieriese Total zum zweitgrößten Player in der Nordsee: Im August 2017 übernahm Total die Ölsparte der dänischen Containerreederei Moeller-Marsk. Der Wert der Transaktion lag bei 7,5 Milliarden Dollar - es ist der achtgrößte Öl-Deal weltweit.

Platz 7: EQT Corporation/Rice Energy - 8,1 Milliarden Dollar
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Die Übernahme des amerikanischen Energieunternehmens Rice Energy hat sich der US-Erdgasförderer EQT Corporation einiges kosten lassen: 8,1 Milliarden Euro zahlten die Amerikaner Mitte 2017 für den Konkurrenten. Mit dem Zukauf erhofft sich EQT, seine Förderkapazitäten auf den Erdgasfeldern auszubauen.

Platz 6: Canadian Natural Resources/Shell - 8,5 Milliarden Dollar
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Das kanadische Energieunternehmen Canadian Natural Resources ist einer der größten staatsunabhängigen Ölforderer weltweit. Im März 2017 übernahmen die Kanadier Anlagen im Wert von 8,5 Milliarden Dollar von Shell.

Platz 5: Repsol/Talisman Energy - 13 Milliarden Dollar
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Mit diesem Deal stieg das spanische Unternehmen Repsol in die Gruppe der 15 größten privaten Mineralölkonzerne weltweit auf: Repsol kaufte seinen kanadischen Gegenspieler Talisman Energy für 13 Milliarden Dollar. Damit konnte Repsol seine Präsenz auf dem nordamerikanischen Markt verstärken.

Platz 4: Cenovus Energy/Conoco Phillips - 13,3 Milliarden Dollar
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Dieser milliardenschwere Öl-Deal kam eigentlich nur zustande, weil Schulden abgebaut werden mussten. Anfang des Jahres 2017 übergab der US-Ölkonzern Conoco Philipps einen Großteil seines Öl- und Gasgeschäfts in Kanada für 13,3 Milliarden Dollar an den kanadischen Energieproduzenten Cenovus Energy. Cenovus konnte mit diesem Deal seine Tagesfördermenge verdoppeln.

Weiter unklar bleibt, an welchen Börsen der Konzern platziert werden soll. Klar ist nur, dass Aramco im saudischen Leitindex Tadawul notiert sein soll, als „Ankerhandelsplatz“, wie es Energieminister Al-Falih vergangene Woche im CNN-Interview erklärte. Als Energieminister ist er zugleich Chairman von Aramco. Laut Al-Falih seien zumindest für diese Index-Notierung alle nötigen Schritte getan, um einen IPO in diesem Jahr hinzulegen.

Dass Aramco allein an der Tadawul notiert sein wird, gilt in der Finanzwelt als nahezu ausgeschlossen. Selbst wenn Saudi Aramco auf einen Marktwert von „nur“ 1,5 Billionen Dollar kommen würde, dann wäre der Konzern allein doppelt so teuer wie die übrigen mehr als 170 Unternehmen im gesamten Tadawul-Index.

Um die Platzierung der Anteile außerhalb Saudi-Arabiens buhlen mehrere ausländische Börsenbetreiber. Dem „FT“-Bericht zufolge hat London weiter gute Chancen auf diese prestige- und einkommensträchtige Platzierung. Eine Emission bei einem großen Handelsplatz wie London, Hongkong oder New York außerhalb Saudi-Arabiens gilt als wichtiger Baustein für einen erfolgreichen Börsengang in dieser Größenordnung.

Während sich im vergangenen Jahr große deutsche Fondshäuser wie Union Investment noch skeptisch gegenüber einem möglichen Investment zeigten, gibt es anderswo offenbar Interessenten. Der Russische Fonds für Direktinvestitionen, ein zehn Milliarden Dollar großer Staatsfonds, glaubt zumindest, ein Konsortium gemeinsam mit russischen Banken und Investoren zusammenstellen zu können – auch wenn dieses nur einen kleinen Teil der verfügbaren Aktien erwerben würde, erklärt Kirill Dmitriev, Chef des Fonds, Mitte Februar.

Unterdessen ist auch ein privater Anteilsverkauf nicht auszuschließen. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge hatten im Herbst vergangenen Jahres die Staatskonzerne Petrochina und Sinopec einen Kauf des Fünf-Prozent-Anteils angeboten. Offiziell bestätigt wurden diese Avancen jedoch nicht.

  • mats
  • dpa
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3 Kommentare zu "Zeitplan gefährdet: Weltgrößter Ölkonzern Aramco geht erst 2019 an die Börse"

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  • Ich wuensche mir das der Boersengang aufgeschoben wird bis zum Zeitpunkt wo wir kein
    Oel mehr brauchen.

  • Mich interessiert kein Börsengang.........


  • Ich denke, es gibt noch weitere Herausforderungen für einen Börsengang.

    Aktuell bewirtschaftet Aramco die saudischen Erdölvorkommen. Der Gewinn fliesst in die Schatulle des Königshauses und wiederum zum grossen Teil in den Staatshaushalt. Ein börsennotiertes Unternehmen stünde im Wettbewerb mit wettbewerbsfähigen internationalen Ölunternehmen. Je nach Ausgestaltung der Verträge könnte ARAMCO mehr, oder minder schnell Geschäft und Ertrag verlieren. Beispielsweise vergeben andere Golfstaaten Bewirtschaftungsverträge in denen den Ölgesellschaften eine fixe Vergütung, oder einen Anteil an den Erträgen erhalten. Diese Verträge sind befristet und werden ausgeschrieben.

    Saudi Arabien hat eine schnell wachsende Bevölkerung von ca. 18 Mio. Einheimischen und 10 Mio. ausländischen Arbeitern. In der Regel werden anstrengende Arbeiten von Ausländern übernommen. Saudis werden über verpflichtende Quoten in den Unternehmen beschäftigt. Hier spielen Familienbande und Verbundenheit eine grosse Rolle. Dies ist in Aktiengesellschaften unüblich.

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