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Auf eigenen Füßen Selbst ist die Frau

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Die Kammerversorgung der Ärzte hat ihr ausgerechnet, was sie mit 65 Jahren erwarten kann, wenn ihre Höchstbeiträge von etwa 1 000 Euro im Monat, die sie schon heute regelmäßig zahlt, bis dahin weiterlaufen. Das reicht ihr nicht. Ihr wurde kürzlich angeboten, eine weitere freiwillige Zuzahlung an das Versorgungswerk zu entrichten. Denn seit 2005 kann sie bis zu 20 000 Euro Beitrag für die Steuer nutzen. Ich gebe zu bedenken, dass diese Steuervorteile in der aktiven Zeit durch Steuernachteile im Rentenalter kompensiert werden könnten. Dieses Verhältnis schlägt eher zugunsten der Steuervorteile in der Beitragszeit aus, wenn die aktive Ärztin heute schon mindestens zwischen 45 und 50 Jahre alt ist. Mit 45 Jahren liegt sie also gerade an der Grenze.

Ich schlage ihr eine zweistufige Strategie vor: Bis Ende 2008 legt Claudia P. alles, was sie erübrigen kann, in Aktienfonds und Mischfonds mit hoher Aktienquote an. Das sind zum einen monatliche Beiträge, zum anderen aber auch eine hohe Zuwendung ihrer Eltern, die fürchteten, ihre Tochter könnte arm ins Rentenalter gehen und ihr deshalb einen Zuschuss zur Altersversorgung in Höhe von 50 000 Euro gegeben haben.

Der Clou: Alle Anlagen, bei denen es um Kursgewinne geht, sind bis Ende 2008 steuerlich im Vorteil – bei der Rendite sowieso. Sie gelten noch als so genannter Altfall, so dass bei späterer Entnahme, sogar noch nach 20 Anlagejahren, die neue Abgeltungsteuer nicht greift. Dagegen werden alle Erträge späterer Investitionen – also auch Kursgewinne – dann bei Entnahme steuerpflichtig und zwar pauschal mit einem Abzug von 25 Prozent.

Für ihre weitere Rentenstrategie ab 2009 schlage ich ihr dann hauptsächlich Rentenversicherungen vor. Sie wählt dafür eine private Rüruprente, anstatt die Zusatzrate in die Kammerversorgung zu stecken; denn alles auf ein Pferd zu setzen, empfiehlt sich auch bei der Ärzteversorgung nicht. Die attraktiven Zahlen dort werden vermutlich demnächst relativiert, denn Sterbetafeln und Zinssätze sind bei den Kalkulationen noch nicht modernisiert. Hinzu kommt, dass eingerechnete Elemente des Umlageverfahrens – Hinterblieben- und Erwerbsunfähigkeitsrenten – die Rendite auch für diejenigen kürzen, die das nicht brauchen. Wenn herkömmliche Rentenversicherungen ihr zu wenig abwerfen, kann sie eine Fondspolice oder ein so genanntes britisches Konzept wählen. Dabei ist der Aktienanteil veränderbar und das Risiko je nach Laufzeit frei gestaltbar. So lässt sich der eingezahlte Beitrag auch bei hoher Aktienquote sichern.

Vorbilder

Margarethe Steiff: Die im Alter von 18 Monaten an Kinderlähmung erkrankte Margarethe Steiff lernte nähen und machte sich als 30-Jährige mit einem Filzkonfektionsgeschäft selbstständig. Der große Durchbruch gelang ihr Weihnachten 1879 mit kleinen Stofftieren, die sie mit Schafwolle ausstopfte. Die berühmten Steiff-Tiere mit dem Knopf im Ohr waren geboren.

Beate Uhse: Ihre Karriere als Sexartikelversenderin begann, als Frauen sie nach Möglichkeiten zur Empfängnisverhütung fragten. Ihr kleines, zweiseitiges Heft zu diesem Thema wurde auf Anhieb ein Erfolg. 1951 gründete sie im prüden Nachkriegsdeutschland ein Versandhaus für Ehe, Sexualliteratur und hygienische Artikel. 1962 eröffnete sie den ersten Sex-Shop der Welt.

Melitta Bentz: 34 Jahre alt war die Hausfrau und zweifache Mutter Melitta Bentz, als sie den Melitta-Kaffeefilter erfand: Sie schlug Löcher in einen Topf und legte ein Löschblatt darauf. 1937 erhielt die Filtertüte die heute übliche Form. Der Name Melitta steht mittlerweile für eine international tätige Unternehmensgruppe.

Die Autorin ist Inhaberin der Beratungsfirma Frauenfinanzdienst in Köln.

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